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Freitag, 31. Oktober 2014 | 10:44

Literaturkalender 2012

05.12.2011

Zeichen der Zeit

Es lässt sich nicht mehr übersehen: bereits in wenigen Wochen wird ein neues Jahr eingeläutet. Ein Blick auf ausgewählte Literaturkalender 2012 lässt uns bereits in Vorfreude schwelgen. Von INGEBORG JAISER

 

Quadratur der Literatur

Sehr dicht, sehr komprimiert, sehr prägnant und ungeheuer informativ kommt Harenbergs Tageskalender Literatur 2012 daher. Auf über 320 annähernd quadratischen Abreißblättern eröffnen sich neue Welten und präsentieren sich vermeintlich altbekannte in ungewohnter Manier. Fast täglich werden wir überrascht von Buchtipps, Literaturzitaten, Leseproben, Rätseln, Autorenlebensläufen und Empfehlungen von Buchhändlern. Zusätzlich zu den kurzen täglichen Buchbesprechungen (die von den Autoren Degenhardt, Falk und Fischer auf gleichbleibend hohem Niveau gehalten werden) und den Gedichten des Monats kann man sich an einer Fülle von Autorenporträts, Einbandgestaltungen und filmischen Standfotos kaum sattsehen.

 

Ein alphabetisches Register, eine Nennung der täglichen Namenstage, eine Übersicht über Schulferien, sowie kalendarische Monats- und Jahresübersichten komplettieren dieses literarische Meisterwerk. Ach, könnte man doch nur einen Kalender auf die legendäre einsame Insel mitnehmen!

 

Nur eins war wichtig: aufzubrechen

Mit diesem Zitat aus Mercier und Camier eröffnet Samuel Beckett den Literarischen Reisekalender 2012 des Verlages Schöffling & Co. Ist Lesen nicht auch immer eine spannende Gedankenreise, ein neugieriger Ausflug in reale und fiktive Gefilde?

 

Hier können wir Autoren und Autorinnen aus drei Jahrhunderten auf ihren Reisen und zu ihren Sehnsuchtsorten begleiten: Wir räsonieren mit Peter Bichsel über den Begriff der Heimat, wir blicken mit Uwe Johnson auf die »hochstöckigen Fassaden« und die »knallbunten Taxirudel« New Yorks, wir besuchen mit Elisabeth Barrett Browning »Florenz – die schönste aller Städte« oder beleuchten  mit Juli Zeh das Gefühl von Heimweh.

 

Schöfflings vielfarbiger, hochformatiger Wochenkalender entführt uns in die Weltliteratur, ihre Ideen und Motive. Zahlreiche Fotografen haben für die zauberhafte Umsetzung der literarischen Zitate gesorgt. Kombiniert mit abwechslungsreicher Typographie und präsentiert vor reinweißem Hintergrund, bleibt uns noch genügend Freiraum für eigene Ideen und Interpretationen.

 

Lesen stärkt die Seele

Mit einem konsequent klarlinigen, schlichten Layout hat der Korsch Verlag seinen Literaturkalender Leselust ausgestattet. Jede Woche wird eine fotografische Annäherung zum Thema – eine grazile Teetasse vor einem Stapel Bücher, eine Lesebrille auf einem handgeschriebenen Brief, Bettlektüre auf einem Nachtschränkchen, beeindruckende Buchhandlungen und Bibliotheken – mit einem literarischen Zitat oder Sinnspruch kombiniert. Bekannte Schriftsteller wie Franz Kafka, Marcel Proust oder Oscar Wilde kommen genauso zu Wort wie arabische Gelehrte oder römische Philosophen.

 

Mit 14 weiteren Literaturkalendern kann der Korsch Verlag aufwarten – doch die Leselust ist ein wahrer Allrounder und harmonischer Begleiter für alle Lebenslagen.

 

Der Dienstälteste

Wenn ein Literaturkalender bereits im 45. Jahrgang erscheint, kann man ihn wohl getrost einen Klassiker nennen – einen erfolgreichen, immer wieder überraschenden obendrein. Ein wahres Füllhorn an literarischen Entdeckungen, unbekannten Fotografien, beeindruckenden Porträts, biographischen Daten, interessanten Jubiläen und anregenden Zitaten breitet der Aufbau Literaturkalender 2012 vor uns aus.

 

Bereits auf dem Cover blickt uns Francoise Sagan auffordernd von unten herauf an. Wer könnte dieser kapriziösen Einladung widerstehen? Neugierig blättern wir weiter und werden immer tiefer hineingezogen in den Strudel des geschriebenen Wortes und seiner Verfasser. Selbst ausgewiesene Literaturkenner können hier noch ins Staunen kommen. Wer ahnt schon, dass Douglas Adams auf einer österreichischen Wiese die Idee zu Per Anhalter durch die Galaxis hatte? Dass Luis Buñuel einen eigenen Cocktail erfunden hat und Vita Sackville-West einen besonderen Gartenanzug? Dass Fontane einst ein Neujahrsgedicht für Helene Weigel verfasst hat?

 

Große Hochachtung vor den findigen Herausgebern (dieses Mal: Catrin Polojachtof und Amelie Thoma) die jedes Jahr aufs Neue solch literarische Preziosen zutage fördern.

 

Paare, Passanten

Noch ein Klassiker: Seit bald 30 Jahren erscheint der Arche Literatur Kalender – mit wechselnden Themen und Ausrichtungen, immer graphisch anspruchsvoll präsentiert  und hervorragend komponiert. Nicht umsonst wird er auch 2011 wieder mit einem Preis auf der Internationalen Kalenderschau in Stuttgart ausgezeichnet.

 

Gemäß dem diesjährigen Motto Paare rankt sich nun alles um Beziehungen: zwischen legendären Paaren und Künstlerkollegen, zwischen sich anhimmelnden Liebenden und geheimen Konkurrenten, zwischen Geschwistern und Seelenverwandten.

 

In vielfältigen Tagebuchaufzeichnungen, Briefpassagen und intimen Notizen erhalten wir wöchentlich wechselnde Einblicke in Krisen und Kräche, Verlobungen und Scheidungen, Sehnsüchte und Glücksgefühle: eine rasante tour d´amour  von Strindberg bis Sartre, von Joyce bis Jandl – und weit darüber hinaus. Unbekannte Fotos, umfangreiche Bildlegenden und interessante Kurzbiographien runden diesen überaus sehenswerten Kalender ab.

 

Lesen und Träumen

In die Lektüre versunken und versonnen, begeistert und passioniert, nachdenklich und melancholisch – so zeigt sich die Leserin in Kunst und Literatur. Der Verlag Artemis & Winkler präsentiert hiervon eine charmante Auswahl in seinem Kalender Lesende Frauen 2012. Zwölf Monatsblätter in farblicher Brillanz – sonnengelb, erbsengrün, altrosé – bieten Projektionsflächen für herausragende Bildmotive und eindrucksvolle Zitate weiblicher Autorinnen.

 

Virginia Woolf und Hilde Domin kommen ebenso zu Wort wie Alina Bronsky oder Franziska Gräfin zu Reventlow. Ihre Texte gehen eine eindrucksvolle Symbiose ein mit den künstlerischen Darstellungen von August Renoir, Edward Hopper oder August Macke. Dank der einfühlsamen Arbeit der Herausgeberin Thirza Albert ist dieser Kalender wohltuende Augenweide und literarischer Leckerbissen zugleich. Bitte mehr davon!

 

Draufgänger, Hochstapler & Gentleman

Wann ist ein Mann ein Mann? Der literarische Kalender Männer 2012 aus der Edition Ebersbach versucht, Antworten zu geben, indem er Westernhelden und Draufgänger, Schönlinge und Scharlatane, Charmeure und Frauenhelden porträtiert. Eben Männer für alle Gelegenheiten.

 

Sehr amüsant und unterhaltsam wird hier Woche für Woche ein beeindruckendes Mannsbild aus Film, Literatur und Weltgeschichte vorgestellt: wahre Helden wie John Wayne oder Ernest Hemingway folgen auf literarische Figuren und fiktive Gestalten wie Münchhausen, Popeye oder Sindbad der Seefahrer. Im Januar heckt Der talentierte Mr. Ripley eine brillante Idee aus, im Juni staunen wir über die Drei Musketiere  und im Oktober lässt sich Jane Austen über einen geschätzten Gentleman aus.

 

Ein einfallsreiches Layout und eine erstaunlich variantenreiche Gestaltung sorgen für für immer neue Kombinationen aus Fotografien und Bildmaterial, Zitaten und Kommentaren – kurzum: für die Lust am Mann!

 

Büchertempel und Wissensspeicher

Ganz ohne Worte und Zitate kommt der letzte Kalender aus. Dafür beeindruckt dieses hochwertige Schmuckstück mit traumhaften Ansichten der schönsten Bibliotheken dieser Welt. Der Fotograf Guillaume de Laubier hat Meisterwerke der Baukunst und Raumgestaltung auf zwölf großformatige, beidseitig bedruckte Hochglanz-Kalenderblätter gebannt.

 

Die schönsten Bibliotheken der Welt 2012 strahlen Ruhe, Behaglichkeit, Exklusivität aus, sei es die New York Public Library oder die Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar. Vor tiefschwarzem Hintergrund erstrahlen Rundbögen und Regalfluchten, bibliophile Schätze und kostbare Deckenfresken in ganz besonderem Licht.

 

Diesen wundervollen Einblick in die Welt der Bücher wünscht man sich am liebsten in das eigene Büro. Ein Muss für Bücherliebhaber, Bibliothekare und Ästheten.

 

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