Die ersten drei Geschichten des ersten Teils erzählen aus der Rückschau die Biografien dreier Lebenskünstler: Die erste Da gab mir Beethoven einen Kuss ist ein kunstvoll angelegter Bettelbrief des gealterten, kranken und heruntergekommenen Künstlers Johann Peter Lyser, der sich von der Schillergesellschaft eine Ehrengabe für sein Lebenswerk erhofft. Lyser ist Schriftsteller, Maler und Musiker – heute würde man ihn wohl als ›allrounder‹ bezeichnen – und nimmt an Expeditionsreisen in den Dschungel von Ceylon teil. Sein Leben ist das eines Abenteurers, die Erfahrungen mit Schlangenbissen, von denen Kühn uns berichtet, sind nahe an Krankheitserfahrungen von Kara Ben Nemsi, ausgeschmückt also wie bei Karl May.
Kühn weiß aber auch von Begegnungen mit Napoleon auf St. Helena zu berichten, Lyser soll sich als E.T.A. Hoffmann in Berlin ausgegeben haben und kurzzeitig als Assistent von Ludwig van Beethoven in Wien verweilt haben. Längst ertaubt greift Lyser dennoch erfolgreich in Kompositionsprozesse des Wiener Klassikers ein – die dritte Leonoren-Ouvertüre gelingt mit Lysers Hilfe. Und man vermutet es bereits, wird auch dem Alten in Weimar ein Besuch abgestattet. Das Treffen mit Goethe ist aus der Rückschau des Hochstaplers Lyser ein skurriles Trinkgelage, da der taube Lyser die Worte des Dichterfürsten ja nicht mehr hören kann:
»Im späteren Verlauf: Fortsetzung des Umtrunks, nun zu zweit. Dass ich Goethe nicht hörte, störte kaum, es gab ja genug von ihm zu lesen. Es entwickelte sich, was mein Freund Felix (Mendelssohn) als ›Lied ohne Worte‹ bezeichnete – hier war es ein Lied mit vielen Strophen (oder Refrains). Und so wurde es intoniert: Auf der Fensterbank mit Blick auf den Frauenplan eine Flasche Rotwein, auf einer Kommode gegenüber ebenfalls eine Flasche Rotwein...«
Auch Erzählung Nummer 2 (Dieser Falter ist eine Fälschung!) ist de facto eine mögliche Geschichte, die wiederum den Blick auf eine unserer zentralen europäischen Geistesgröße wirft: Schreiber des Reiseberichts ist nämlich kein anderer als Robert Fitz-Roy – wie uns ein fiktiver Herausgeber der Schrift belehrt –, der Kapitän von Charles Darwins Forschungsschiffs Beagle. Nur im Nebenbei sei erwähnt, dass auch hier der Kurs des Schiffes an St. Helena vorbeiführt. Dennoch geht es hier um Darwins Erkenntnisse über saufende Affen, fliegende Fische und die Natur imitierenden Larven, Raupen und Schmetterlinge. Fitz-Roy hat hier ebenfalls einen Empfänger seines Schreibens, die Royal Society in London. Diesmal geht es darum, dass eine ungeklärte Frage Darwins im Nachhinein aufgeklärt werden soll.