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Sahar Khalifa: Die Verheißung

04.10.2004

 
Wie Liebe in Tod mündet

Liebesgeschichten, die zu Klassikern werden, gehen immer schlecht aus. Sahar Khalifa gelingt eine eindrucksvolle Schilderung einer unmöglichen Beziehung.


 

Sahar Khalifa ist nicht nur die bedeutendste Romanautorin aus Palästina, sie ist auch eine der interessantesten Schriftstellerinnen der Gegenwart. Als eine der Ersten verwendete sie in ihren Werken neben dem klassischen Arabisch auch Umgangssprache.

Sie schreibt von ihrer Welt, von den Menschen und vor allem von den Frauen ihrer Heimat. Auch dieser 2002 im Original erschienene Roman „Die Verheißung“ findet in der palästinensischen Wirklichkeit statt. Ein besonderes Augenmerk legt die Feministin Khalifa immer auf das Schicksal der Frauen. In diesem Buch ist jedoch keine Frau die Hauptperson (wie zum Beispiel in dem Roman „Das Erbe“). Das Schicksal von Mariam wird über Umwege erzählt. Sie erscheint verdeckt durch einen Schleier aus Vermutungen, Ahnungen und auch Vorurteilen. Die Hauptfigur ist ein Mann, Ibrahim. Und seine Engstirnigkeit zerstört Mariams Leben.

Ibrahims Leben ist voller Zwänge. Der Vater will aus ihm einen Geschäftsmann machen, der o­nkel will ihn mit seiner zarten Tochter verheiraten. Doch Ibrahim träumt davon, Schriftsteller zu werden und flieht aus Jerusalem. Als Lehrer lebt und arbeitet er in einem winzigen Dorf. Seine Träume hat er nie aufgegeben, den Überredungskünsten seines Vaters widersteht er. Alles wird anders, als er zufällig der rätselhaften Mariam begegnet. Mariam, eine Christin, die soeben aus dem brasilianischen Exil zurückgekehrt ist, sitzt da und weint um ihren verstorbenen Bruder. Und der Moslem Ibrahim ist hingerissen von ihr. Als er ihr kurz darauf wieder bei einem gemeinsamen Essen mit der Pfarrerfamilie begegnet, spricht er zum ersten Mal mit ihr. Die Liebesgeschichte beginnt. Bei einem Ausflug nach Jerusalem kommen sich die beiden Liebenden, die sich einander nicht sicher sind, so nahe wie nie zuvor.
Ibrahim ist von Mariams Lebenslust irritiert. So sehr er sich nach ihr sehnt, so unsicher ist er sich. Als sie schwanger wird, weiß er nicht mehr, was er machen soll. Der Krieg nimmt ihm diese Entscheidung ab und die Wege der beiden trennen sich.
Erst nach Jahrzehnten des Exils kehrt Ibrahim nach Palästina zurück. Inzwischen ist er wie sein Vater ein erfolgreicher Geschäftsmann geworden. Die Suche nach Mariam wird zu einer schmerzlichen Reise durch Zerstörung, Trauer und Tod.

Sahar Khalifa wurde mit achtzehn Jahren verheiratet. Doch sie hat sich nicht in ihr Schicksal gefügt, nach dreizehn Jahren Ehe ließ sie sich scheiden und begann zu studieren. Zuerst englische Literatur in Bir Zeit, dann Women Studies in den USA. Seit ihrer Rückkehr nach Palästina engagierte sie sich für Frauen. Sie gründete ein palästinensisches Frauenzentrum und setzte sich ein für die Möglichkeit von Scheidungen, für ein Erbrecht für Frauen und gegen Polygamie. Interessierten sei ihr Buch „Das Tor“ empfohlen, in dem sie über die Rolle der palästinensischen Frauen schreibt (alle deutschen Übersetzungen ihrer Bücher sind im Unionsverlag erschienen).

Maria-Bernadette Ehrenhuber


Sahar Khalifa: Die Verheißung
Roman
Aus dem Arabischen von Regina Karachouli
Gebunden. 256 Seiten. EUR 19,90
ISBN 3-293-00336-2

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