• losttorrent
  • richtorrent
  • pushtorrent
  • Titel-Magazin
    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 30. April 2017 | 10:55

    Manfred Theisen: Watching you

    19.09.2011

    Mein Onkel, die Stasi und die Fußball-WM 1974

    21 Jahre nach der Wiedervereinigung hat sich der renommierte Autor Manfred Theisen eines Themas angenommen, das für die junge Generation Gesamtdeutscher allmählich in Vergessenheit gerät. Verpackt in eine spannende Agentengeschichte erzählt er von Geschehnissen, die so oder ähnlich tatsächlich passiert sind; und schreibt damit gegen das Verdrängen und Vergessen der Stasi-Vergangenheit der DDR an. Von BEATE MAINKA.

     

    West-Berlin 1974: Die Stadt steht ganz im Zeichen der Fußball-WM im eigenen Land. Mark wächst hier vaterlos auf, die Mutter arbeitet hart, um die Kleinfamilie durchzubringen. Mit 16 schmeißt Mark die Schule, um bei einer Berliner Tageszeitung zu volontieren; sein großer Traum ist es, Journalist zu werden. Er spart für eine journalistische Ausbildung an einer kalifornischen Schule. Da kommt ihm das Angebot seines Onkels Fritz gerade recht, schnell ein paar Mark zu verdienen. Er muss nur das Haus eines Rechtsanwaltes observieren und Fotos machen. Hinzu kommen Botengänge und Recherchen. Schnell verdient sich Mark ein kleines Vermögen, doch allmählich beginnt er sich zu fragen, was sein Onkel, der lange verschollen war, eigentlich treibt. Als er in einem Berliner Hotel, zu dem ihn Fritz bestellt hat, einen Mann zu Boden schlagen muss, der den Onkel massiv bedroht, ahnt er, dass er sich in etwas verstrickt hat, was er so nicht wollte. Eine geheime Funkstation, ein merkwürdiger Mitarbeiter von Fritz, Geld ohne Ende und die Entdeckung, dass der von ihm observierte Rechtsanwalt eine unrühmliche Rolle während der Nazi-Diktatur gespielt hat, lassen ihn an der Integrität seines Onkels zweifeln – zu Recht. Und dass er sich in die Tochter des Rechtsanwaltes verliebt hat, verbessert die Situation auch nicht gerade.

     

    Der lange Arm der Stasi

    Zugegeben, bei manchen Szenen wähnt man sich in einem James-Bond-Film aus den Zeiten des kalten Krieges, so unglaublich brutal oder auch verblendet agieren die Personen des Romans. Doch Manfred Theisen hat sich das alles nicht einfach nur ausgedacht, die Handlung fußt auf den Berichten eines Top-Agenten der DDR, den Theisen 2001 kennenlernte (s. auch Interview). Und so gebührt diesem Buch besondere Beachtung, denn es bringt einer jungen Generation eine Zeit nahe, die uns Älteren noch durchaus präsent ist, für sie aber bereits deutsche Vergangenheit ist. Theisen greift damit ein Thema auf, das im Jugendbuch bisher noch kaum Beachtung fand. Die Wende, das Leben in der ehemaligen DDR, das schwierige Ost-West-Verhältnis, all das fand bereits Niederschlag in der Jugendliteratur, aber die Infiltrierung der BRD durch die Stasi ist hier neu. Und Theisen führt seine Leser ganz nah heran an das Thema, denn er lässt seine Hauptperson in direkten Kontakt zur Stasi treten, wenn auch unbeabsichtigt. Die Verführbarkeit durch Geld und Macht wird nachvollziehbar, aber auch die Brutalität und Verblendung, mit der ihre Handlanger zu Werke gingen. Und dabei bedienten sie sich wirklich aller Mittel, selbst der eigenen Familie.

     

    So unglaublich dies heute klingt, Theisen tischt keine Märchen auf. Der Typ Schriftsteller ist er nicht, sorgfältige Recherche gehört für ihn zum guten Autorenhandwerk. So dürfen wir ihm getrost glauben, was er uns da erzählt. Und hoffen, dass unsere Kinder die richtigen Schlüsse aus der Geschichte von Mark, seinem Onkel und dem Traum vom schnell verdienten Geld ziehen. Das Thema Stasi-Vergangenheitsbewältigung ist im Jugendbuch angekommen, wir brauchen mehr davon!

     

    | kommentar schreiben

    Name:
    Kommentar:

    Ein Geheimnis in einer Graskugel

    Auf die ganz großen Katastrophen im Leben kann man sich selten vorbereiten. Das geht nicht nur den Großen so, auch die Kleinen müssen solche Erfahrungen bewältigen. ANDREA ...

    Die Jugend endet auf dem Campingplatz

    Wie wird man erwachsen, in einer Zeit, der die großen Ideen fehlen? Wo sich das Leben gleichförmig von einem Tag zum anderen zieht und das Entwerfen ...

    Zum Ausklang

    Hier schließt sich der Kreis
    genießt sich (wer weiß)
    läuft jedenfalls heiß
    sein Leben als Preis

    Tage, Tage, Jahre

    Staunen, entdecken, querlesen, umblättern, abreißen – Literaturkalender begleiten uns verlässlich durchs Jahr, versorgen uns häppchenweise und gut dosiert mit ungeahnten ...

    Die Geschichte geht weiter

    Wieder ein Weltbestseller – Carlos Ruiz Zafóns Roman Der Gefangene des Himmels. Von PETER MOHR

    Gerd Sonntag und ein Hühnerglucksen zum Abschluss

    Giovanni Santi malt eine Fliege – Lyrik von Ger Sonntag.

    Von STEFAN HEUER

    Wer will fleißige Handwerker sehn

    Der Künstler und ehemalige Hartz IV-Empfänger Van Bo Le-Mentzel hat zusammen mit seiner Crowd ein DIY-Forum geschaffen und mittels Schwarmfinanzierung auch gleich ein Buch drucken lassen. ...

    ... bis sie dann gestorben sind.

    Wenn Comics sich klassischen Märchenmotiven widmen, dann tun sie das meist in Form einer eher überzogenen Parodie. Selbst wenn sich dahinter so viel Sophistication verbirgt wie hinter ...

    NJ Institut for sundhed og senior services køb cialis online sundhedspleje forsikringsudgifter