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    TITEL kulturmagazin
    Dienstag, 23. Mai 2017 | 07:08

    Tom Angleberger: Yoda ich bin! Alles ich weiß!

    28.03.2011

    Yoda: Die Akte

    Früher, also ganz früher, war die Weisheit eine Göttin und ihre Worte ein Wunder an Sprachkunst. Seit Star Wars Episode V ist jedoch klar, dass die Weisheit klein, grün und spitzohrig ist und ihr Spruch ganz sicher nicht den geltenden Regeln der Grammatik unterliegt. Was der Weisheit offenbar keinen Abbruch tut. Wenn sie denn echt ist. Aber kann man an Yoda zweifeln? Tom Angleberger untersucht die Sache in Yoda ich bin! Alles ich weiß!. MAGALI HEISSLER schaut ihm dabei auf die Finger.

     

    Die »McQuarrie«-Mittelschule ist durcheinander, vor allem die Schülerinnen und Schüler der sechsten Klasse. Daran ist Dwight schuld und seine jüngste Verrücktheit: eine Yoda Puppe aus Papier, die auf seinem Zeigfinger sitzt und weise Sprüche verkündet. Mit einer Stimme, die die mieseste Yoda-Nachahmung ist, die es nur gibt, behauptet Harvey. Aber Harvey glaubt sowieso nicht an das Yoda-Orakel. Für ihn ist Dwight auch ohne Yoda einfach nur ein Spinner. In dem Punkt hat Harvey recht, das finden die anderen auch, aber der Origami-Yoda ist etwas anderes. Er spricht sogar, wenn Dwight sich den Mund zuhält. Und er weiß einfach alles. Er hilft in peinlichen Situationen (verdächtige Flecken auf der Hose!) ebenso wie in der Frage, wer als nächster bei Amerika sucht den Superstar rausfliegt. Er kennt die Zukunft! Es ist regelrecht unheimlich.

     

    Deswegen will Tommy die Sache klären. Es muss sie sogar klären, denn es gibt da etwas, das er Yoda fragen will. Etwas wegen Sara. Etwas unheimlich Wichtiges. Es wäre nicht auszuhalten, wenn sich herausstellte, dass Yoda am Ende nichts ist als eine Origami-Fingerpuppe. Tommy macht sich auf, Beweise zu sammeln.

     

    Der ganz normale Wahnsinn in einem ganz, ganz nahen Alltag

    Das Leben ist für Zwölfjährige voller Hürden, die unüberwindbar scheinen. Ein prominenter Kampfplatz ist die Schule, schließlich verbringen sie viel Zeit dort. Cool sein ist wichtig, das Richtige sagen, das Richtige tun. Man will von der Gruppe anerkannt werden, oder wenigstens von denen, die man gern zum Freund hätte. Zugleich will man auch sich selbst sein. Wie man bei den anderen ankommt, bestimmt den Platz in der Hackordnung. Anglebergers Mittelschule ist ein vergleichsweise friedlicher Ort, die Konflikte, die er schildert, sind eher einfacher Natur, aber deswegen nicht unrealistisch. Der Umgang der Kinder miteinander ist zivilisiert, kann aber durchaus ruppig werden. Schlagfertig sind sie und keineswegs immer nett zueinander. Es geht um Konfliktbewältigung in diesem Buch, um das Erlernen simplen Sozialverhaltens, aber auch um das Entwickeln von Selbstbewusstsein. Auch im Hinblick auf den Umgang mit dem anderen Geschlecht.

     

    Tommy geht analytisch vor, ehe er seine Schlüsse zieht. Er sammelt alles, was es an Belegen über das segensreiche Wirken der grünen Fingerpuppe gibt. Harvey, der Skeptiker, darf seine Kommentare dazu abgeben. Befragt werden alle, sogar eine Achtklässlerin. Angleberger hat einen scharfen Blick für die Tücken des Alltags und die Fallen, in die junge Teenager schuldhaft oder unschuldig geraten können, und die sich für sie umgehend zu Katastrophen auswachsen. Zerbrochene Shakespeare-Büsten, Erdnussflips, unangekündigte schriftliche Tests und erster Liebekummer, Buchstabier-Wettbewerbe, die Sitzordnung in der Cafeteria und verfehlte Baseball-Schläge, nichts davon ist leicht zu bewältigen. Gut, dass es Yoda gibt.

     

    Kinder mit leichter Hand ernst nehmen

    Angleberger erzählt voll Witz, aber er macht sich nie über seine Protagonisten lustig. Im Gegenteil gewinnen sie im Verlauf der Geschichten eine überraschende Tiefe. Yoda ist nur scheinbar die zentrale Figur, tatsächlich geht es um Dwight und die Frage, wie Außenseiter in eine Gruppe integriert werden können, ohne sich selbst aufzugeben. Dabei wird auch noch ein beträchtliches Maß an Spannung aufgebaut und aufrechterhalten. Die Frage, ob Yoda nun recht hat oder nicht, klingt schlicht, entwickelt aber überraschende Dimensionen.

     

    Das Buch wirkt nicht nur durch den Text, der mit seinem trockenen Humor besticht, sondern auch durch das Druckbild und die Illustrationen. Tommys Akte wird bildlich wiedergegeben. Der Seitenuntergrund sieht aus wie leicht zerknittertes Papier. Jeden Bericht ziert das Porträt der oder des Befragten. Die Schrift ist nicht einheitlich, die Kinder benutzen unterschiedliche Schrifttypen, Harvey und auch Tommy setzen ihre Kommentare handschriftlich darunter. Die Seitenränder sind voller kleiner Figuren, Gegenstände und Sprüche, die zur jeweiligen Geschichte gehören. Yoda, der eigentliche Protagonist, blinzelt einem auf fast jeder Seite entgegen. Es gibt herzerwärmende Ergänzungen aus dem Star Wars-Universum. Die Seitenzahlen werden von »X-Wing« und »TIE-Fightern« umschwirrt, auf den ersten und letzten Buchseiten werden einem Blicke in den schwarzen Weltraum voller Sterne gewährt. Da das Leben gefährlich ist, fliegt dort selbstverständlich auch der Todesstern, wenn er hier auch aussieht, wie eine einäugige Gartentomate.

     

    Am Ende gibt es eine Anleitung, wie man sich leicht eine Origami-Fingerpuppe selbst falten kann. Sie kann verflixt nützlich sein im Teenager-Leben. Soeben wurde es bewiesen.

     

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