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    Montag, 29. Mai 2017 | 09:35

    Jenny Valentine: Kaputte Suppe

    14.02.2011

    Vergangenheit will und muss aufgearbeitet werden

    Wie viel Last lässt sich auf den Schultern einer 15jährigen abladen, ohne dass sie daran zerbricht?  Irgendwann einmal, früher, war Rowans Leben in Ordnung, jetzt ist es nur noch Kaputte Suppe. Gemeinsam mit der britischen Autorin Jenny Valentine fragt sich ANDREA WANNER wie lange das wohl gut geht.

     

    Es ist einer dieser denkwürdigen ersten Sätze, mit denen es einem Buch gelingt, sofort unsere Aufmerksamkeit zu gewinnen. »Mir gehörte es nicht.« beginnt eine ungewöhnliche Geschichte, ein Drama, eine Lovestory. Die 15jährige Rowan spricht von einem Fotonegativ, für sie im Zeitalter der Digitalfotografie ein Relikt aus längst vergangenen Tagen. Es gehört ihr nicht und doch besteht ein fremder Junge in der Kassenschlange darauf, dass es ihres sei. Sie habe es fallenlassen. Und obwohl Rowan das Negativ nicht haben will, nimmt sie es schließlich resigniert entgegen. Um länger Nein zu sagen, fehlt ihr die Kraft. Die braucht sie längst für andere Dinge.

     

    Eine Begegnung mit der Vergangenheit

    Sie kann es nicht ahnen, aber das Negativ hat sehr viel mit ihr und ihrem Leben zu tun. Es fährt zu einer Begegnung mit Bee, einem Mädchen aus ihrer Schule. Bee besteht darauf, gemeinsam mit Rowan das Negativ zu entwickeln. Rowans Schock ist ungeheuer als im Entwicklerbad auf dem weißen Papier ein Gesicht erscheint, das sie nur zu gut kennt: das ihres toten Bruders Jack.

     

    Jack ertrank zwei Jahre zuvor und sein Tod war für die Familie ein Schicksalsschlag ungeheuren Ausmaßes. Die Eltern trennten sich, die Mutter versank immer tiefer in Depressionen. Rowan hat die Aufgabe übernommen, den Alltag zu strukturieren, sich um die kleine Schwester Stroma zu kümmern, einzukaufen, zu kochen, die Mutter zum Arzt zu begleiten und dem Vater gegenüber so zu tun, als ob alles in Ordnung wäre. Nun hält sie das Foto ihres Bruders in der Hand und kann es nicht fassen.

     

    Eine Gegenwart voller Gespenster

    Schicht um Schicht legt Jenny Valentine ein kompliziertes Beziehungsgeflecht frei, in dem Rowan und ihre Eltern längst so verstrickt sind, dass es keine Lösung mehr zu geben scheint. Bee, die neue Freundin, schafft für Rowan erste Freiräume. Und dann natürlich Harper, der junge Amerikaner, der durch Europa tourt und der Rowan das Negativ in die Hand gedrückt hatte. Endlich hat das junge Mädchen die Möglichkeit über ihre Erinnerungen, ihren Verlust, ihre Ängste und ihre Belastung zu reden. Und dennoch bleiben mehr Fragen offen, dauert es lange, bis sie zum eigentlichen Kern des Geheimnisses vordringt.

     

    So scheint sich oberflächlich alles bestens zu entwickeln. Trotzdem ist eine gegenläufige Entwicklung zu spüren, erst ganz leise, dann deutlicher. Da läuft mehr schief als die beteiligten Personen wahrhaben wollen. Vergangenheit will und muss aufgearbeitet werden, Verdrängen funktioniert vielleicht eine kurze Zeit, nie aber auf Dauer.

     

    Eine ungewisse Zukunft

    Es kommt zur Katastrophe, in mehr als nur einer Hinsicht. Jede der Figuren in dieser Geschichte scheint einen ganz eigenen Weg zu gehen, jede wirkt irgendwie einsam und verlassen, trägt schwer an ihrem eigenen Schicksal. Ungefiltert werden Rowans Empfindungen und Beobachtungen weitergegeben, am Ende scheint sie wirklich zu zerbrechen. Valentine konstruiert einen raffinierten Spannungsbogen, geizt nicht mit Überraschungen und schafft doch mehr als nur ein oberflächliches Rätsel, das gelöst werden will. Dann ist endlich der Punkt erreicht, an dem sich die Erwachsenen wieder an ihre Verantwortung erinnern. Warum jetzt erst? fragt man sich Seite um Seite. Weit davon entfernt, ein Happy End zu versprechen, zeigt sich doch so etwas wie ein Silberstreifen am Horizont.

     

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