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    Dienstag, 23. Mai 2017 | 07:04

    E. Lockhart: Die unrühmliche Geschichte der Frankie Landau-Banks

    06.12.2010

    Und Mädchen sind doch besser!

    Auf den 1. Blick scheint die Chancengleichheit gewahrt. Schließlich ist Frankie Landau-Banks Schülerin an der privaten Alabaster-Eliteoberschule und ihr scheint die gleiche Zukunft offenzustehen wie den männlichen Internatsschülern. Aber es gibt da etwas, wovon die Mädchen ausgeschlossen sind: einen geheimen Klub, den Ehrenwerten Basset-Orden. ANDREA WANNER versteht, dass Frankie das nicht auf sich beruhen lassen kann und verfolgt gespannt, wie die amerikanische Autorin E. Lockhart Die unrühmliche Geschichte der Frankie Landau-Banks aufdeckt.

     

    Am Anfang steht ein Geständnis: »Ich, Frankie, Landau-Banks, gestehe hiermit, dass ich allein hinter den Taten des Ehrenwerten Basset-Ordens stecke. Ich übernehme die volle Verantwortung für die Unruhe, die der Orden verursacht hat – für den Bibliotheksbusen, die Wauwaus im Fenster, die Nacht der tausend Hunde, die Rebellion der eingemachten Roten Beete und die Guppy-Entführung.« Was musste geschehen, damit aus der braven Frankie ein rebellierendes Element wurde, das nicht länger bereit ist, die Welt so zu akzeptieren, wie das von ihr erwartet wird?

     

    Ein Stein gerät ins Rollen

    Es kommen einige Dinge zusammen. Zehn Zentimeter Wachstum zwischen Mai und September und zehn Kilo mehr – »genau an den richtigen Stellen«. Die Tatsache, dass sie sich nicht mehr im Schatten ihrer älteren  Schwester Zada verstecken kann, die die Schule abgeschlossen hat und in Berkeley studiert. Matthew Livingstons Interesse an ihr – und seine Bereitschaft, sie in seine Welt einzuführen, eine Welt die ihr zuvor verschlossen war. Aber auch die Erkenntnis, dass Matthew sie genau so weit teilhaben lässt, wie er will. Und dass es Bereiche gibt, die ihm und seinen Freunden vorbehalten sind. Eben der Klub. Vielleicht noch eine Hausarbeit über den »Suicide Club«, eine Gruppe aus San Francisco, die sich weigert, sich ungeschriebenen Regeln zu beugen und sich mit ihren Aktionen gegen gesellschaftliche Normen auflehnt.

     

    Nicht zuletzt ist es Frankies Kreativität, ihre Cleverness und ihre Fantasie, ihr Mut und ihre Risikobereitschaft, die sie zu dem bewegt, was sie tut. Wenn der Klub es den Jungs erlaubt, sich miteinander solidarisch zu fühlen, sich mit etwas zu identifizieren, das sich von den Werten der Schule unterscheidet, gefahrlos ein bisschen zu rebellieren und den Nervenkitzel zu genießen, dann sucht sie so etwas auch. So ganz ehrlich ist sie sich selbst gegenüber aber vielleicht auch nicht, was ihre Motive anbelangt. Ist es nur Matthew, dem sie zeigen will, dass mehr in ihr steckt als er vermutet? Oder gelten ihre Aktionen auch Alpha, Matthews Freund und dem eigentlich Anführer der Bassets, der mit den Stärken eines Alpha-Tieres das Rudel der Jungs anführt?

     

    Von Pfauen und Löwinnen

    E. Lockhart wählt für die unglaublichen Aktionen, die Frankie initiiert, eine vermeintlich objektive Berichtsform, die sich zunächst auf eine Außensicht beschränkt, nur um der Heldin Seite um Seite näher zu kommen. Franke ist und bleibt eine Einzelgängerin, die niemanden ins Vertrauen zieht, und einsam Aktionen plant, von denen niemand auch nur ahnt, dass sie die Drahtzieherin im Hintergrund sein könnte. Geschickt eingestreut ist philosophisches und feministisches Gedankengut – in kleinen Dosen, so dass es beim Lesen immer wieder kleine Stolpersteine und Denkanstöße gibt. So sind Jungs nun mal, das Testosteron in ihrem Körper  sorgt dafür, dass sie kämpferischer, aktiver sind. Wirklich? Frankie stellt das grundsätzlich in Frage und liefert Gegenbeweise. Doch obwohl alles genau so klappt, wie sie sich das vorgestellt hat, wird nichts so, wie Frankie es gewollt hatte.

     

    Frankie Landau-Banks ist eine kämpferische, eigenwillige Heldin, ihre Taten sind frech und provozierend und entlarven grundlegende Probleme. »Puschelhäschen« – so wird Frankie von den Familie genannt –emanzipiert sich. Das ist nicht leicht. Das kann weh tun. Und es liest sich so vergnüglich wie schon lange kein Buch mehr zu diesem Thema.


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