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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 29. Mai 2017 | 09:34

    Peter Braun: Von Blechtrommeln und Nestbeschmutzern

    18.10.2010

    Runter vom Sockel!

    Peter Braun präsentiert mit Von Taugenichts bis Steppenwolf und Von Blechtrommeln und Nestbeschmutzern „eine etwas andere Literaturgeschichte“, und richtet sich vor allem an jugendliche Leser. Goethe, Schiller, Brecht oder Mann: Bei diesen Namen stöhnen die meisten Schüler auf. Der Autor kennt diese Situation nur all zu gut, denn auch er empfand den Deutschunterricht alles andere als spannend. Von TANJA LINDAUER

     

    So verwundert es auch nicht, dass er sich an kein einziges Schulbuch erinnern kann. Hätte er schon damals gewusst, wer die Menschen hinter den Geschichten und Gedichten waren, hätte er sich schon früher für die Literatur interessiert. Denn keiner „muss ein keimfrei guter Mensch sein, um ein gutes Buch zu schreiben, und oft werden Bücher noch weit spannender durch das Wissen um die Lebensgeschichte derer, die sie schrieben.“ Und auch im zweiten Teil seiner Literaturgeschichte, die den Fokus auf die Zeit nach 1945 legt, ist spannend und informativ. Doch muss man wirklich all die großen Werke gelesen haben? Nein! Wenn einem ein Buch nicht gefällt, dann wieder ab in den Schrank damit! Man kann es ja später noch mal probieren. So zeigt Peter Braun schon bereits vor dem Beginn seiner Literaturgeschichten, dass Bücher vor allem eines sollen: Spaß machen! Und mit seinen Einführungen versucht er so, den jungen Leser an die Materie „Buch“ auf eine unterhaltende Art und Weise heranzuführen.

     

    Schriftsteller sind auch nur Menschen

    Seine Mission ist einfach: Peter Braun will zeigen, dass Literatur auch spannend sein kann. So wird der hochgelobte Goethe als normaler Mensch enttarnt. Ein Frauenheld war er, und fluchen konnte er auch! Karl May stellt sich als Schurke und Ex-Knacki heraus und auch der Nobelpreisträger Günter Grass hatte seine dunklen Seiten, denn er war ein Schulversager, später kommt sogar heraus, dass er in der SS war. Doch seine Bücher werden nichtsdestotrotz gelesen. Max Frisch und Ingeborg Bachmann waren auch keine Kinder von Traurigkeit: Sie waren lange Zeit ein Paar, doch Bachmann verkraftete niemals so richtig die Trennung von Frisch. Sie flüchtete sich in Alkohol. Und Ludwig Tieck, so erfährt man, fiel sogar vor Lachen vom Stuhl als er Schillers „Die Glocke“ las und und und ...

     

    Peter Braun holt, wie er in seinem ersten Vorwort ankündigt, die Autoren von ihrem hohen Sockel und zeigt, dass sie keineswegs Helden waren. Trinker und Kriminelle sind unter ihnen. Viele waren auch noch schlecht in der Schule! Doch dies wird meist verschwiegen. Mit seiner etwas anderen Literaturgeschichte zeigt er, was die Autoren der Weltliteratur zu ihren Werken bewegt hat. Er beschreibt ihre persönliche Geschichte und die politisch-sozialen Begebenheiten, die die Autoren zu ihren Werken inspirierten. Peter Braun zeigt so auf unterhaltsame und informative Weise Einblicke in die Leben der Autoren und stellt dabei die wichtigsten Werke prägnant vor. Vom Taugenichts bis zum Steppenwolf  und Von Blechtrommeln und Nestbeschmutzern lesen sich dabei weniger wie eine Literaturgeschichte denn wie spannende Kurzgeschichten. Langeweile kommt dabei garantiert nicht auf!

     

    Jedes Kapitel im ersten Teil seiner Literaturgeschichte stellt dabei wichtige Vertreter der einzelnen Literaturepochen vor und bettet diese im historischen Kontext ein, ohne dabei den jungen Lesern mit zu vielen Details überfordern zu wollen. Auf knapp 200 Seiten werden etwa 200 Jahre Literaturgeschichte und 27 Schriftsteller sowie Lyriker zusammengefasst. Aber trotz der knappen Bemessung der einzelnen Kapitel hat der Leser nach der Lektüre einen guten Überblick über die deutsche Literatur gewonnen. Von der Aufklärung über die Weimarer Republik, vom Biedermeier und Naturalismus bis in das 20. Jahrhundert hinein zeigt Peter Braun wie faszinierend und spannend Literatur sein kann! Und auch bei seiner Darstellung der Literatur ab 1945 zeigt er ein gelungenes Panorama deutscher Autoren. Wie bereits in seinem ersten Teil, zeigt Braun die „menschlichen“ Autoren mit ihren persönlichen Geschichten und lässt sie im historischen Kontext ihrer Zeit erscheinen. Doch beklagt Braun, mehr oder minder, zugleich in seinem Nachwort, dass auch in seiner zweiten Literaturgeschichte lediglich ein Ausschnitt gezeigt werden konnte. Doch ist das alles andere als schlimm, denn „genau das ist das Schöne am Lesen: Jede Zeit hält immer noch mehr Taugenichtse, Steppenwölfe, Blechtrommler und Nestbeschmutzer bereit, die gelesen sein wollen.“ So kann man denn auch auf eine weitere Literurgeschichte der anderen Art hoffen!

     

    Der Autor vermag das bewirken, was die Lehrer seiner Meinung nach nicht können: Er macht Lust auf Literatur! Und er beweist, dass sowohl deutsche Klassiker als auch neue deutschsprachige Werke alles andere als verstaubt und langweilig sind. Mission erfolgreich ausgeführt!


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