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    TITEL kulturmagazin
    Dienstag, 23. Mai 2017 | 07:06

    Lutz van Dijk: Romeo und Jabulile

    01.07.2010

    Liebe über Gräben hinweg

    Hätte Jabulile trotz eines blaugeschlagenen Auges nicht Fußball gespielt, hätte sie Romeo nicht kennengelernt. Hätte sie ihn nicht kennengelernt, hätte sie nicht erfahren, wie es ist, wenn Fremde mit mörderischem Hass verfolgt werden. Hätte sie das nie erfahren, hätte sie nie erkannt, was Liebe ist. Von MAGALI HEISSLER

     

    Jabulile heißt "die, die andere froh macht" und das trifft auf die dreizehnjährige Ich-Erzählerin dieser kleinen Geschichte über Südafrika durchaus zu. Jabulile hat es nicht ganz einfach, aber im Grund gefällt ihr das Leben im Township Masi (kurz für Masiphumelele). Ihr Vater kann trotz seiner AIDS-Erkrankung einen kleinen Lebensmittelladen führen und die Familie, zu der noch ihr etwas älterer Bruder und die geliebte Großmutter gehören, ernähren. Neben ihrer Familie ist ihre beste Freundin das Wichtigste in ihrem Leben, auch wenn die Freundin kein Verständnis für das hat, was für Jabu das Allerwichtigste ist: Fußball. Jabu ist stolze Mittelstürmerin der örtlichen Mädchen-Fußballmannschaft.

     

    Fußball einmal anders - und der Alltag auch

    Der deutsch-niederländische Autor Lutz van Dijk führte seine Leserinnen und Leser mit nur wenigen Sätzen mitten in eine fremde Welt. Die Menschen leben an mitteleuropäischen Verhältnissen gemessen in Armut. Der Fußballrasen ist weder grün noch ist er ein Rasen, er ist eine Sandfläche, auf der es mitunter so staubt, dass das Training abgebrochen werden muss. Die Trikots der Mädchen sind eine Spende aus den USA, gespielt wird barfuß, weil sich nicht jedes Teammitglied Schuhe leisten kann. Die Spielleidenschaft mindert das nicht und für Jabu ist es selbstverständlich, dass sie auch mit einem versehentlich entstandenen blaugrüngelb verschwollenen Auge auf den Platz stürmt. Als ihr ein fremder Junge zum entscheidenden Tor gratuliert, reagiert sie trotz Siegesfreude schüchtern, schließlich sieht sie gerade furchtbar hässlich aus, findet sie. Den Jungen mag sie trotzdem und sie kann überhaupt nicht verstehen, warum ihr Bruder und seine Freunde ihn mit bösen Worten vertreiben. Aber zu diesem Zeitpunkt ist es ohnehin schon zu spät, Jabulile aus Südafrika und Romeo aus Simbabwe haben sich bereits verliebt.

     

    Rassissmus ist Rassissmus ist Rassissmus - egal wo

    Den Hintergrund der Geschichte bilden Vorgänge, die sich 2008 in Masi tatsächlich ereignet haben. Damals wurden bei einem bis heute nicht ganz geklärten Ausbruch von blinder Gewalt sechzig Zuwanderer aus Simbabwe getötet und viele hundert Häuser niedergebrannt.

     

    Romeo und Jabulile haben keine gemeinsame Sprache, sie müssen sich mit Englisch behelfen. Aber ihre Liebe braucht auch nicht viele Worte, van Dijk findet dafür um so schönere, um Leserinnen und Lesern die Gefühle der beiden Teeanger zu beschreiben.

     

    Das Grauen, das sich gleichzeitig entwickelt, schleicht sich nur langsam in die Geschichte. Jabulile steht dem Geschehen nahezu hilflos gegenüber. Um herauszufinden, was richtig ist und falsch, Recht und Unrecht, hat sie keine anderen Wegweiser als ihr eigenes Gerechtigkeitsgefühl und ihre Liebe zu Romeo. Der Blickwinkel einer Dreizehnjährigen ist dabei bedrückend gut eingehalten. Erzählt wird geradlinig, der Ablauf der Handlung bietet keine Überraschungen, Raum für Deutungen gibt es keine. Das bringt das Ganze ansatzweise in die Nähe der klassischen Tragödie, mit ihrem unerbittlich ablaufenden Gang der Ereignisse bis zum tödlichen Ende. Zugleich wirkt es streckenweise emotional ein wenig zurückgenommen. Ob das bewusst geschah, weil das Buch für Jugendliche konzipiert ist oder deshalb, weil der Bann der tatsächlichen schrecklichen Ereignisse noch wirkt, ist schwer zu entscheiden. Ein kleiner Lebensfunke mehr hätte aus dem guten Buch durchaus ein sehr gutes machen können.

    Am Ende schimmert ein klein wenig Hoffnung auf. In all der Zerstörung und Verstörung der jugendlichen Protagonisten liegt eventuell ein Weg in eine gemeinsame Zukunft.

     

    Positiv hervorzuheben sind das zweisprachige Inhaltsverzeichnis (deutsch und Xhosa), die Karte und das ausführliche Glossar. Eine Kurz-Beschreibung des Kinderprojekts HOKISA, dessen Mitbegründer van Dijk ist, ergänzt das Buch.

     

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