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    Montag, 29. Mai 2017 | 09:36

    Susan Beth Pfeffer: Die Welt wie wir sie kannten

    17.06.2010

    Ver-rückte Welt

    Wenn die Welt sich im Großen verändert, wie verhalten sich dann die Menschen, insbesondere in der Familie? Susan Beth Pfeffer nähert sich dieser Frage auf unspektakuläre, aber spannende Weise. Von BEATE MAINKA

     

    Was wäre, wenn ...

    … ein Asteroid auf dem Mond einschlüge und diesen aus seiner Umlaufbahn werfen würde? Genau dieses Szenario bildet das Fundament für Pfeffers ersten ins Deutsche übersetzten Jugendroman, der in Tagebuchform von der 16jährigen Miranda erzählt. Das Mädchen lebt ein ganz normales, behütetes Dasein in einer Kleinstadt in Pennsylvania, die geschiedenen Eltern kümmern sich einvernehmlich um die drei Kinder, die zweite Frau des Vaters erwartet ihr erstes Kind. Der ältere Bruder Matt studiert bereits, der jüngere, Jon, nervt mit seiner Versessenheit auf Baseball. So weit, so langweilig!

     

    Dann schlägt der Asteroid ein und das Leben auf der Erde ändert sich, erst allmählich, dann immer dramatischer. Durch die Annäherung des Mondes an die Erde spielen die Gezeiten verrückt, riesige Tsunamis vernichten die Küstenstädte der USA, bald gibt es erste Listen mit den Namen der Todesopfer. Das gesellschaftliche Leben bekommt erste Risse, der Strom fällt immer häufiger aus, es kommt zu ersten Hamsterkäufen. Mirandas Mutter stellt sich ein auf die neue Situation, vorausschauend nimmt sie, was sie kriegen kann, um ihrer Familie das Überleben zu sichern. Und das wird zunehmend schwieriger, denn immer häufiger brechen auch schlummernde Vulkane aus und verfinstern mit ihren Aschwolken den Himmel, was zu schlechteren Ernten und einem viel zu frühen Winter führt. Bald ist die Familie ganz auf sich allein gestellt und kämpft ums Überleben, mit allen Mitteln.

     

    Jeder ist sich selbst der Nächste

    Das bestechende an Pfeffers Roman ist, dass er die große Weltpolitik völlig außen vorlässt. Im Gegenteil, Mirandas Welt verkleinert sich zusehends, zuerst werden die Schulen geschlossen, dann nehmen die sozialen Kontakte ab, man igelt sich ein, um das zu schützen, was man noch hat. Gesellschaftliche Solidarität findet nicht mehr statt, Angst und Misstrauen wachsen. Mit dem Ende der Stromversorgung versiegen auch die letzten Informationsmöglichkeiten. Das anzunehmen ist ein mühsamer und schmerzlicher Prozess für das junge Mädchen, das zudem zum ersten Mal verliebt ist.

     

    Pfeffer singt das hohe Lied vom Durchhaltevermögen der amerikanischen Familie unter widrigsten Umständen, sie beschwört den amerikanischen Pioniergeist, der selbst in aussichtsloser Situation noch eine Lösung findet, um sich und seinen Lieben das Überleben zu sichern. Dafür geht man auch schon mal über Leichen, auch wenn das Thema Gewalt nur ganz am Rande gestreift wird. Das mag man goutieren oder auch nicht, realistisch und plausibel kommt Mirandas Tagebuch allemal daher. Denn eines gelingt Pfeffer hervorragend, nämlich darzustellen, wie fragil unsere Zivilisation letztendlich ist und wie schnell gesellschaftliche und infrastrukturelle Netzwerke zusammenbrechen könnten.

     

    Plötzlich zählen ganz andere Dinge, die nächste Mahlzeit, ein sauberes Bettlaken, die Arbeitskraft des Bruders, die Wärme des Ofens. Frühere Selbstverständlichkeiten werden zu kostbarem Gut, ein Stück Schokolade ist der Himmel auf Erden. Und genau das macht diesen Schmöker so spannend, sich einmal vor Augen führen zu lassen, worauf es letztlich im Leben wirklich ankommt.

     

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