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Sofie Laguna: Ich bin Bird

06.05.2010

Den eigenen Flügeln vertrauen

Wenn einen die Menschen im Stich lassen, sollte man es machen, wie die Vögel. Einfach auffliegen und dann in der Weite des Himmels verschwinden, dorthin, wo man in Sicherheit ist. Das Problem ist, dass Menschen keine Flügel haben. Oder etwa doch? Von MAGALI HEISSLER

 

Der 12-jährige James Burdell lebt bei seinem Vater, einem Automechaniker und Motorradfan. Dass James den Spitznamen ‚Bird’ trägt, liegt nicht nur an der lautlichen Ähnlichkeit mit seinem Nachnamen. Als kleines Kind schon hat er zufällig das Buch eines bekannten Ornithologen entdeckt und sich bereits beim flüchtigen Blättern in Vögel verliebt. Seither beschäftigt er sich mit ihnen, zeichnet sie, denkt über sie nach. Die Welt der Vögel ist sein Fluchtpunkt, sein Traum, sein Paradies. Vögel kann Bird verstehen. Mit Menschen ist das nicht so einfach.

 

Das eigentlich liebevolle Verhältnis zu seinem Vater ist gestört durch das Rätsel des Verschwindens seiner Muter, über das niemand mit Bird sprechen will. Bei den Gleichaltrigen kommt Bird nur mit einem einzigen zurecht, Craig, genannt "Sugar Boy", seinem besten Freund. Sugar Boy ist außer den Vögeln sein Held und seine Stützwand im undurchsichtigen Wirbel des Lebens. Doch dann kommt der Tag, an dem Sugar Boys Eltern umziehen müssen, ans andere Ende Australiens. Bird steht mit einem Mal dem Chaos allein und hilflos gegenüber.

 

Eine Geschichte über die Fähigkeit, vertrauen zu können

Mit großer Behutsamkeit zeichnet die Autorin das Porträt eines Jungen, der durch eine lange zurückliegende Familienkrise seine Fähigkeit, Sicherheit bei anderen zu finden, nie vollständig hat entwickeln können. Bird ist ein verhaltensgestörtes Kind, dessen Auffälligkeiten zunehmen, je stärker der Druck, dem er ausgesetzt wird, wächst. Laguna lässt Bird konsequent seine Geschichte erzählen, sie gibt allein seine Wahrnehmungen wieder, seine Einschätzungen und vor allem seine Fehleinschätzungen. Die Welt der Vögel ist ein sehr gut gewähltes und ganz ausgezeichnet eingearbeitetes Motiv, mit dem Birds existenzielle Probleme von Fürsorge, Zusammengehörigkeit und Sicherheit innerhalb einer Gruppe illustriert werden.

 

Seine Flucht, die fast ein Drittel des kleinen Romans einnimmt, ist eine ebenso spannende wie erschreckend genaue Beschreibung einer nahezu umfassenden Dissoziation eines inzwischen völlig verstörten Kindes von der Realität. Den Gegenpol bilden die einfachen, aber mit großer Intensität geschilderten Erlebnisse der beiden Freunde beim Angeln, beim Radfahren oder einfach beim Beieinandersein.

 

Es ist ein stilles Buch, das Erzähltempo trügerisch langsam gehalten, so dass die Spannung, die dahinter wächst, die Leserinnen und Leser schließlich fast ebenso unvermittelt trifft, wie die entscheidenden Ereignisse Bird treffen. Die Sprache ist knapp, sehr präzise in der Darstellung bestimmter Gefühlslagen, gelegentlich blüht sie überraschend in poetischer Schönheit auf, wie das plötzliche Auftauchen honiggelben, eisblauen oder tiefroten Gefieders vor dem gedämpften Braun - Grün der Büsche und Bäume.

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