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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 25. Juni 2017 | 10:48

    Stephan Knösel: Echte Cowboys

    08.04.2010

    Einsame Helden haben keine Zukunft

    Zuweilen schlägt das Leben schon in jungen Jahren so böse zu, dass man glaubt, dass man sich auf niemanden mehr verlassen kann. Doch wer sich völlig abschließt, kann im Handumdrehen im Gefängnis seiner Selbst landen. Gut, dass das Leben nicht nur Schläge, sondern auch Strickleitern bereithält. Von MAGALI HEISSLER

     

    Cosmo, Tom und Nathalie heißen sie, die ‚echten Cowboys’ - drei ungefähr Sechzehnjährige in München. Und Berger, der Polizist, der sich für einen harten Drogenfahnder hielt, bis der Junkie mit dem Messer ernst machte. Cosmo, dessen alkoholkranke Mutter gleich auf der ersten Seite Selbstmord begeht, hat in seinem Leben vor allem eines erfahren: Erwachsene kann man vergessen.

     

    Tom war der Star für seinen Vater, bis der Film, in dem er die Hauptrolle spielte, ein Misserfolg wurde. Als sein Vater dann sogar die Familie verlässt, sieht Tom sich endgültig als Versager. Dass das Nachbarsmädchen Nathalie, in das er sich verliebt hat, ihn nicht einmal anschaut, ist ein weiterer Beleg für sein ewiges Pech. Nathalie aber hat ganz anderes im Kopf, als mehr als einen vagen Gedanken an Tom zu verschwenden. Sie kämpft mit der Erinnerung an ein schlimmes Erlebnis während einer Party und damit, dass für ihre Eltern nichts zählt als Geld.

     

    Der Zufall bringt die drei zusammen, Nathalie und Cosmo, Cosmo und Tom, Tom und Nathalie. Sie liefern sich gegenseitig - und ohne genau zu wissen, warum sie tun, was sie tun - die Schlüssel, die ihnen die Türen in die Welt wieder öffnen. Nur dort findet man neben all dem Leid eben auch ein bisschen Glück. Auch Berger. Einsame Helden braucht die Welt nicht, echte Menschen schon. Das ist Heldentum genug.

     

    Helden ohne Glanz und Gloria

    Knösel erzählt seine erstaunliche Geschichte auf eine fast beiläufige Art. Distanziert, fast kühl, wird von den schrecklichen Erlebnissen berichtet, die seine Protagonistin und die Protagonisten durchleben müssen. Rasch aber wird deutlich, dass die Distanziertheit die Art vor allem der Jugendlichen widerspiegelt, mit den Traumata umzugehen. Sie nehmen sie nur stückweise auf, gerade soviel, wie sie ertragen können, ohne daran zugrunde zugehen.

     

    Die Figuren werden schon nach wenigen Seiten sehr lebendig - in der Wiedergabe ihrer eigenen Sehnsüchte und Hoffnungen ebenso wie in der Interaktion. Sie bieten ein hohes Maß an Identifikationspotential für ihr jugendliches Lesepublikum. Zugleich sind sie genau im richtigen Maß überlebensgroß gestaltet, um den Roman im Romanhaften verbleiben zu lassen. Hier traut sich ein Autor ganz traditionell eine richtige Geschichte zu erzählen, etwas, das man außerhalb des Genres Fantasy kaum noch findet.

     

    Im Kopf wie im Herzen

    Durchdiskutiert wird das Thema Heldentum, immer wieder aufs Neue, immer unter einem anderen Blickwinkel. Die gleichfalls überzeugend geschilderten Nebenfiguren, von den Eltern, weiteren Jugendlichen bis hin zu Fassbinder, Toms Rottweiler mit dem Gemüt eines ängstlichen Kuschelhasen, unterstützen das Ganze vorbildlich. Die Jugendlichen sind, ganz anders als gewohnt, als Menschen gezeichnet, die viel zu geben haben und es auch geben wollen. Nur finden sie niemanden, der es haben möchte.

     

    Sie finden ihr Maß, indem sie lernen zu nehmen und anzunehmen, eine überraschende und überzeugend dargestellte Sichtweise. Auch die Erwachsenen lernen, anzunehmen. Der jugendlichen Leserschaft wird hier schlaglichtartig ein ganz neuartiger Blick in die Welt der Erwachsenen gewährt.

     

    Die Sprache ist verhalten, die Dialoge sind munter, ohne aufgesetzt salopp zu sein. Der Autor vermeidet sorgfältig jene Art nachgeahmte Jugendsprache, die als sogenannter ‚Slang’ inzwischen in Kinder - und Jugendbüchern als typisch für jugendliche Ausdrucksweise gilt, aber in der Mehrheit tatsächlich kein Stilmittel ist, sondern nur Sprachschluderei.

    Im letzten Drittel wird die Geschichte etwas sehr dramatisch, der Schluss gerät eine Spur zu rosarot. Die überaus gekonnt eingesetzten, sparsamen Formulierungen retten den Autor jedoch vor dem Vorwurf der Harmoniesucht.

     

    Cosmo, Tom und Nathalie sind Romanfiguren, die einem lange nach der Lektüre noch bleiben, im Kopf wie im Herzen. Ihre Geschichte auch. Was will man mehr von einem guten Buch?

     

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