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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 23. Juli 2017 | 10:53

    Roddy Doyle: Wildnis

    18.02.2010

    Auf Leben und Tod

    Zwei kleine Jungen in der Schneewüste Nordfinnlands und eine traumatisierte 18-Jährige in Dublin, Halbgeschwister, aber emotional entfremdet, stehen unvermutet vor der gleichen Aufgabe: die verlorengegangene Mutter zu finden. Von MAGALI HEISSLER

     

    Frank und Sandra hatten Glück. Frank, weil er Sandra gefunden hat, nachdem Rosemary ihn und die sechsjährige Gráinne verlassen hatte, Sandra, weil Frank der Richtige für sie war. Zwei Söhne schienen das Familienglück perfekt zu machen, John und zwei Jahre später Tom. Alles geht gut, bis Gráinne sich in der Phase der späten Pubertät plötzlich zum Monster entwickelt. Keiner weiß, was mit ihr los ist, am wenigsten Gráinne selbst. Sie lügt, stiehlt, bricht die Schule ab und terrorisiert die Familie. "Erschieß sie einfach", sagt Sandra am Tiefpunkt der Beziehungen zu Frank. Dann meldet sich auch noch Rosemary zurück.

    Frank findet einen weniger brutalen Ausweg, es wird eine Auszeit geben für das überbelastete Beziehungsgeflecht, das einmal eine harmonische Familie war. So brechen Sandra und die beiden Jungen nach Finnland auf, zu einem abenteuerlichen Winterurlaub. Gráinne wird inzwischen ihre Mutter treffen.

     

    Eine Familie am Rand des Nervenzusammenbruchs

    Der Urlaub in Schnee und Eis enthält alles, was die Herzen zweier Jungen von zehn und zwölf Jahren höher schlagen läßt. Die Bekanntschaft mit Schlittenhunden und einem ein wenig unheimlichen, aber eben deswegen umso faszinierenderen Hundeführer, Fahrten durch eisige Winterlandschaften, Biwaks im Schnee. Eines Abends aber kommt Sandras Schlitten nicht im Lager an. John ist der einzige, der begreift, was passiert ist, aber die Erwachsenen glauben ihm nicht. Kurz entschlossen macht er sich zusammen mit Tom auf den Weg, Sandra zurückzuholen. Ein Kampf gegen die Kälte und die Zeit beginnt.

    Währenddessen kämpft Gráinne zuhause in Dublin mit ihren Kindheitserinnerungen, kindlichen Träumereien und der Realität, die ihre Mutter nach über zwölf Jahren mitbringt.

     

    Die unbezähmbare Wildnis der Emotionen

    Doyle hat sich für seinen Jugendroman ein schwieriges Thema ausgesucht und versucht, es mithilfe eines komplizierten Bauplans sowohl zu verdeutlichen als auch zu bewältigen. Das gelang ihm nicht zur Gänze, weil die emotionale Entwicklung Gráinnes neben dem aktiv gelebten Winterabenteuer der beiden Jungen zurückstehen muss. Zu groß ist die Lust des Autors an den Schilderungen der Hunde, der Schlitten samt der Fahrttechniken sowie der überwältigenden Schönheit der stillen weißen und doch so gefährlichen Landschaft. Die Lust allerdings teilt sich den Leserinnen und Lesern unmittelbar mit, auch in der Beschreibung der Figuren, ihrem Handeln und in den Dialogen. Hier schaltet und waltet ein begabter Erzähler nach allen Regeln seiner Kunst.

     

    Tatsächlich tut er das auch in der parallel erzählten Geschichte Gráinnes. Die ganz anders gestaltete Atmosphäre dieser Teile aber fühlt sich zunächst fremder an als das abweisende und harsche winterliche Finnland. Seine eigentliche Größe entwickelt dieser Jugendroman nur beim sehr langsamen und sorgfältigen Lesen, etwas, das angesichts der hohen Spannung, die Doyle mit seiner Abenteuerhandlung aufbaut, alles andere als leicht fällt. Nachteilig wirkt sich sicher auch aus, dass der Verlag sich entschieden hat, dieses hochkomplexe Familiendrama als reinen Abenteurerroman für ein recht junge Leserschaft anzupreisen. Eben diese wird geneigt sein, Gráinnes eigentlich ebenso spannende, aber rein emotionalen Abenteuer zu überblättern.

     

    Etwas ältere und geduldigere Leserinnen und Leser dagegen erwartet eine sehr originelle und erstaunliche Geschichte über Familienglück und Familienleid und den Mut, etwas füreinander zu wagen.

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