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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 23. April 2017 | 07:30

    Tanya Landman: Apache

    04.02.2010

    Vergeltung einer Kriegerin

    Das frühe Indianerbild in Europa war geprägt von der Vorstellung der „Wilden“ und „Barbaren“, denen die Europäer zu Beginn der Kolonialisierung militärisch und technologisch haushoch überlegen waren. Später dominierte das romantisierte Bild vom „edlen Wilden“ wie es z.B. auch Karl May in seinen Romanen transportierte. Tanya Landman versucht sich an einer differenzierten Schilderung der unvermeidlichen Konflikte, die das Aufeinandertreffen von zwei ganz unterschiedlichen Kulturen mit sich bringt. Von ANDREA WANNER

     

    „Dies ist ein fiktionales Werk, welches sich auf Vorfälle stützt, die sich in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts an der Grenze zwischen Arizona und Mexiko ereignet haben.“, stellt Landman in ihrem Nachwort klar. Zwar basieren einige Begebenheiten auf tatsächlichen Ereignissen, die einzelnen Indianerstämme, sämtliche Figuren und Ortsnamen dagegen sind erfunden. Das sollte man nicht vergessen, wenn man an der Seite von Siki, einer 14jährigen Waise vom Stamm der Black-Mountain-Apachen, die Gräueltaten der Mexikaner und Weißen erlebt, die von den Indianern blutig gerächt werden.

     

    Eine Entscheidung

    Siki wird Augenzeugin, wie ihr kleiner Bruder bei einem Massaker getötet wird. Die Apachen waren einer Einladung der Mexikaner gefolgt. Während die Männer unterwegs sind, um mit den Mexikanern Handel zu treiben, werden die Frauen und Kinder überfallen und ermordet. Nur durch Zufall entkommt das Mädchen. Was sie mit ansehen musste, ist so furchtbar, dass sie nur noch einen Gedanken hat: Rache. Um das in die Tat umzusetzen und Seite an Seite mit den Männern ihres Stammes kämpfen zu können, muss sie selbst eine Kriegerin werden.

    Es ist eine harte Ausbildung, die Siki an ihre Grenzen führt. Aber sie weiß, wofür sie all diese Strapazen auf sich nimmt und verfolgt ihr Ziel mit Ausdauer und Härte gegen sich selbst. Der Feind, das sind die Mexikaner. Doch dann tauchen die ersten weißen Soldaten und mit ihnen die ersten Siedler auf: vermeintlich neue Freunde. Aber schon bald entpuppen sich die „Weißaugen“ als die schlimmsten Gegner.

     

    Ein anderer Blick auf die Welt

    Sikis Rachefeldzug ist eine packende und zugleich ergreifende Schilderung, deren große Stärke darin liegt, dass die ganz unterschiedlichen Konzepte von Natur, Leben und Sterben, Gut und Böse in die Geschichte einfließen. Siki lernt wie jeder Indianer, im Einklang mit der Natur zu leben. Ussen, der Lebensspender, sorgt für die Indianer und gibt ihnen, was sie zum Leben brauchen. Gold beispielsweise ist Ussen heilig und er verbietet es, danach zu graben. Als sie zum ersten Mal eine Goldgräberstadt der Mexikaner sieht, wird ihr übel: „Die Erde ist unsere Mutter; sie ernährt uns mit ihrer Freigiebigkeit. Wie könnte man in ihr lebendiges Fleisch hineinhacken?“.

     

    Sie versteht die Weißaugen nicht, die wie die Mexikaner nicht begreifen, dass die Gaben von Mutter Erde dazu gedacht sind, sie zu teilen. Das Sammeln und Horten, das verbissene Verteidigen von Eigentum übersteigt ihre Vorstellung. Seite um Seite lassen wir uns auf diese andere Sicht der Dinge ein, andere Vorstellungen von Familie, Glück und Zufriedenheit, Ehre, Gewissen und Pflicht. Allerdings gibt es auch Indianer, die anders sind. Immer wieder werden Zuschreibungen hinterfragt, gibt es Gute und Böse auf allen Seiten, Verräter in den eigenen Reihen. Aber auch hinter deren Handeln werden Motive erkennbar, die die Antwort auf das, was richtig und falsch ist, nicht einfach machen.

     

    ,,Leben bedeutet Kampf"

    Das Motto der Ausbildung zur Kriegerin „Leben bedeutet Kampf“ durchzieht die Geschichte. Landman hat ihre Heldin mit einer seherischen Gabe ausgestattet, die sie in die Zukunft blicken lässt und bereits den aussichtlosen Kampf der Indianer gegen die Weißen vorhersieht. Siki kämpft trotzdem: in der Gewissheit, dass sie das Richtige tut für sich und ihr Volk. Vielleicht erliegt Tanya Landman an dieser Stelle doch der romantischen Vorstellung von der edlen Kriegerin. Aber wie lautet der letzte Satz ihres Nachwortes? „Für etwaige Fehler bitte ich um Entschuldigung.“  Vergessen wir einfach nicht: Sikis Geschichte ist ein Roman, der Versuch einer Annährung und der Blick einer englischen Autorin auf ein dunkles Kapitel der amerikanischen Geschichte.

     

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