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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 29. Mai 2017 | 09:35

    House of Night & Blutsbande

    14.01.2010

    Die schaurige Wahrheit

    Was Sie schon immer über Vampire zu wissen meinten, vergessen Sie’s einfach! War schon der Unterschied zwischen Stokers Dracula und Meyers Schönling und Gutvampir Edward beträchtlich, das Mutter-Tochter-Duo Cast aus den USA legt mit ihrer neuen Serie noch einen drauf. Und endgültig entzaubert wird der Mythos ob der schrecklichen Wahrheiten von Catherine Jinks über den tristen Alltag australischer Vampire. Von BEATE MAINKA

     

    Ja wirklich, das ist Realität in der ultimativen Vampyr-Internat-Serie, die uns jetzt aus den USA erreicht und dort bereits beim erfolgreichen fünften Band angelangt ist. Mutter und Teenie-Tochter Cast haben ihre ganz eigene Auslegung vampyrischer Wahrheiten, doch der Reihe nach. Zoey Redbird, Enkelin einer Cherokee-Indianerin und furchtbar unglücklich mit ihrem neuen Stiefvater, wird eines Tages Gezeichnet (kein Rechtschreibfehler, muss großgeschrieben werden). Auf ihrer Stirn erscheint ein Mondsicheltatoo und damit muss sie sich ins Vampyr-Internat House of Night begeben, denn sie wurde auserwählt, eine Vampyrin zu werden. Das läuft dann ähnlich ab wie bei Harry Potter, die Schüler werden interniert und durchlaufen eine aufreibende Ausbildung in Fächern wie Reiten, Fechten, Literatur (die meisten amerikanischen Schauspieler sind übrigens echte Vampyre, weil sie eben so schön sind) und Vampyr-Soziologie, da kriegt man seinen Blutrausch in den Griff. Das Bluttrinken kommt später, vorerst werden den Jungvampyren Spaghetti und Salat serviert.

     

    Und natürlich gibt es, wie in allen Internatsgeschichten seit Hanni und Nanni, die absolute Oberzicke, die gerade vom aller-, allerschönsten Obersekunda-Vampyr abserviert wurde und nun wutschnaubend die Avancen ihres Ex-Lovers an die Neue ertragen muss. Klar leitet sie die obercoolste Clique und klar macht Zoey ihr diesen Posten streitig, weil sie das ja viel besser kann. Dazu kommt eine bunte Mischung aus Indianer-Esoterik, Sextipps für Girls wie etwa „Nur Mädchen ohne Hirn besorgen einem Jungen einen Blowjob“ und dem üblichen Teenager-Geplänkel, erzählt mittels einer mitunter reichlich deftigen Sprache. Im Vorwort bedankt sich Mutter Cast übrigens bei Tochter Cast für die Authentizität des Teenager-Jargons, den hätte sie ohne Kristins Hilfe nämlich nie so hingekriegt. Das wäre allerdings auch besser gewesen.

     

    Nun, der Siegeszug der neuen Serie wird nicht aufzuhalten sein, die Mädels werden Zoey und ihre Mitschülerinnen lieben und ehren und wir Erwachsenen müssen pro Band läppische 16,95€ hinblättern. Na ja, wer liest, sündigt nicht!

     

    Das Leiden abstinenter Vampire

    Würde sich jeder Vampir, der unter uns wandelte, pro Nacht von einem Menschen ernähren, gäbe es unter der Sonne bzw. dem Mond keinen einzigen menschlichen Blutstropfen mehr, alle wären wir verwandelt, und dann? Diesem Rechenexempel trägt Catherine Jinks in ihrem neuen, das ganze blutsaugende Genre gehörig persiflierenden Roman Blutsbande Rechnung und stellt uns die schockierende Wirklichkeit der Vampire im Land down under vor. Die Selbsthilfegruppe abstinenter Vampire unter der Leitung von Father Ramón , einem echten aufopferungsvollen Menschen, bemüht sich seit Jahren, ihren Blutrausch mittels des Verzehrs von Nahrungsergänzungsmitteln und – schrecklich! – Meerschweinchen in den Griff zu bekommen, um uns Menschen zu schonen.

     

    Die Diät bedingt leider, dass australische Vampire anämische, kraftlose, überaus lichtscheue Gesellen sind, die die Wehwehchen ihres menschlichen Daseins mit in die Unsterblichkeit hinübernehmen. So steckt unsere Heldin Nina auch nach 55 Jahren noch im Körper eines schlaksigen 15jährigen Teenagers und wohnt bei ihrer inzwischen recht betagten Mama, während Gladys, gebissen mit 83, auch als Vampirin unter ihrer verschlissenen Hüfte zu leiden hat. Ein jammervolles Dasein ist das und dann stirbt auch noch einer der unsympathischeren Mitglieder der Gruppe auf die klassische Weise – gepfählt! Ein Vampirjäger geht um in Sydney und damit beginnt eine nervenaufreibende Schnitzeljagd durchs australische Outback nach dem Mörder, von den Vampiren wohlgemerkt! Verkehrte Welt, da werden die Jäger zu den Gejagten, da verbünden sich Werwölfe und Menschen und Nina wächst endlich aus ihrem Teenie-Vampir-Dasein hinaus.

     

    Das alles erzählt Jinks auf eine die unterschiedlichsten Genres plündernde Art und Weise, dass der werte Leser am Ende nicht mehr weiß, wen er mehr bedauern soll: die gejagten Vampire, den entlarvten Vampirjäger oder Father Ramón, der alle wieder in seiner Selbsthilfegruppe vereinigen soll. Eines allerdings ist gewiss: Vampire sind ganz anders, als wir uns das je vorzustellen gewagt haben.

     

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