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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 22. Mai 2017 | 23:24

    Martin Gülich: Nur einsfünfzig

    01.10.2012

    Ein Stück vom Kuchen

    Gibt es ein Segment, welches im angeblich stets gefährdeten Markt des kostbaren Kulturguts Buch seit einigen Jahren unbeirrt am Wachsen ist, so ist dieses das Segment der Kinder- und Jugendbücher. Kein Wunder also, dass immer mehr Beteiligte auf der Produzenten-Seite mit einem Anteil daran liebäugeln. Mehr und mehr Autorinnen und Autoren, die in ganz anderen Genres sicher zuhause sind, versuchen sich neuerdings in diesem Bereich, aber auch Verlage lassen sich reizen, ihre Zulieferer zu solchen Abenteuer-Ausflügen anzuhalten. Über die Gründe spekuliert man besser nicht, will man bei Laune bleiben, gleich, ob man den schnöden Mammon oder die Ansicht, dass sich Bücher für jüngere Menschen leichter schreiben lassen, zum Ausgangspunkt nimmt. Martin Gülichs Nur einsfünfzig scheint eine neue Variante zu bieten. 1999 unter dem Titel Vorsaison als literarischer Debütroman präsentiert, liegt es nun als Buch für Zwölfjährige vor. Eine sinnvolle Metamorphose? MAGALI HEISSLER kam ins Grübeln.

     

    Unser Held heißt Jakob, lebt in dörflicher Umgebung und steht am Beginn der Pubertät. Das weiß er aber nicht, er weiß nur, dass seine Welt und besonders seine Empfindungen mit einem Mal Brüche aufweisen. Laut seinen Eltern ist er ein Sonntagskind. Darüber kann Jakob nur den Kopf schütteln. Glück hat er einfach nicht, er ist der Kleinste in der Klasse, unsportlich und eine ältere Schwester wurde ihm auch noch aufgebürdet. Wer so ins Leben geht, hat schon verloren. Diese Einstellung hindert das Leben aber nicht daran, sich Jakob aufzudrängen. z.B. in Gestalt von Hartmut, dem besten Sportler in der Klasse und zudem, der eigenen Aussage nach, nicht mehr ungeküsst. Wie Hartmut zu sein, davon träumt Jakob, ehe er sich dessen noch bewusst ist. Und von Pia, genannt Big Titty. Das scheint Pia nicht weiter zu stören, was Jakob nur noch mehr verwirrt. Und ehe er sich’s versieht, ist er ein hilfloses Opfer der Hormone.

     

    Körperliches

    Von einem Augenblick zum anderen, so kommt es Jakob jedenfalls vor, hat nicht mehr er seinen Alltag in der Hand, sondern sein Körper. Jede Veränderung am bloßen Leib wird plötzlich wichtig, drängt sich auf, wächst ins Ungeheuerliche. Bloß diejenigen nicht, die wachsen sollen! Jakob konsultiert Ratgeber, wenn er überhaupt welche finden kann, denn die Geschichte spielt in einer nicht genau bestimmten Vergangenheit. Recherchen im Internet gab es nicht, ein zufällig gefundenes Pornoheft ist nicht nur der Anlass für recht amüsante Peinlichkeiten, wie sie nur unserem bedauernswerten Helden widerfahren können, sondern ebenso für schmerzlich-erheiternde Erkenntnisse über das beste Stück eines Mannes von ca. dreizehn Jahren. Jakob durchwandert alle Ebenen des Schams, erklimmt bis dahin ungeahnte Gipfel des Peinlichkeitsgebirges und tritt mit Verve in jedes Fettnäpfchen, sei es auch noch so weit von ihm aufgestellt. Gegen den eigenen Körper kämpft der stärkste Held vergebens.

    Der Verstand und das Einsichtvermögen wachsen weit langsamer, deswegen entgehen dem Jungen Entwicklungen in seinem Umfeld fast völlig.

     

    Verlust von Dimensionen

    Gülich gelingt es sehr gut, die Zwiespältigkeit einzufangen. Das ist es, was aus dieser eigentlich einfachen Geschichte einen Roman gemacht hat. Für ein jugendliches Publikum aber bleibt diese Seite des Texts über weite Strecken verborgen. Gülich arbeitet nicht zuletzt durch eine sorgfältig einfach gehaltene Sprache mit dem Assoziationsraum lesegewohnter Leserinnen und Leser, appelliert an jeweils eigene Erinnerungen und Lebenserfahrungen. Jede und jeder kann aus den Andeutungen und dem Angerissenen die Vorgänge von Jakobs Umfeld rekonstruieren, die Probleme der älteren Schwester, das Auseinanderleben der Eltern etwa. Vor allem aber können sie das tragische Geschehen des Schlussteils zuordnen.

     

    Für die jugendliche Zielgruppe dagegen verschieben sich die Schwerpunkte. Für sie hat das direkt auf Jakob zugeschnittene Erleben einen hohen – und vor allem überaus komischen – Wiedererkennungswert. Die Tragik kommt unversehens, schockartig, und, das ist das Problematische, verhallt zu schnell. Andere durchaus dramatische Ereignisse bleiben ebenso unverständlich oder wirken unwichtig.

     

    Der Roman verliert an wichtigen Dimensionen, wird ein nahezu einschichtiger, kaum origineller Aufklärungsroman, wenn man ihn dieserart als Jugendbuch anbietet. Unterhaltsam, nicht mehr. Das ist zu wenig. Etwas ältere Jugendliche werden eventuell glücklicher damit, wenn man ihnen klarmachen kann, warum sie eine Geschichte über einen Zwölfjährigen aus der Provinz lesen sollen. Dass die Geschichte insgesamt in den 1970er Jahren verortet ist, macht die Überzeugungsarbeit nicht unbedingt leichter.

     

    So gut es ist, dass dieser zwar kleine, aber interessante Roman wieder aufgelegt wurde, so falsch war es, ihn ausgerechnet als Jugendbuch zu bewerben. Der neue Titel passt dazu. Nur einsfünfzig. Für Jugendliche ein bisschen zu klein geraten.

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