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    TITEL kulturmagazin
    Samstag, 19. August 2017 | 16:57

    John Green: Das Schicksal ist ein mieser Verräter

    05.08.2012

    »Durch eigene Schuld nur sind wir Schwächlinge« (Shakespeare)

    Wie lebt man sein Leben, wenn man 16 ist und keine Zukunft hat? Was kann man überhaupt noch erwarten? Wie sehen die Werte aus, die einem wichtig sind? An was freut man sich? Und auf was? ANDREA WANNER hat sich von John Greens Geschichte beeindrucken lassen.

     

    Hazel hat Krebs und keine Chance auf Heilung. Es begann in der Schilddrüse, zwischenzeitlich hat sie Metastasen in der Lunge und ist nur mit einer Sauerstoffflasche auf einem Karren unterwegs, den Schlauch in den Nasenlöchern. Die 16jährige lernt den ein Jahr älteren Augustus in der Selbsthilfegruppe für krebskranke Jugendliche kennen.  Er hatte ein Osteosarkom, der bösartige Knochentumor gilt aber nach der Amputation eines Beines als besiegt.  Es passiert, was auch passiert, wenn sich zwei gesunde Teenager treffen und sich sympathisch finden: Hazel und Augustus, genannt Gus, verlieben sich ineinander.

     

    »Nebenwirkung der unermüdlichen Mutation«

    Liebesgeschichten, in denen todkranke Personen eine Hauptrolle spielen, sind meistens schlicht kitschig. Die Krankheit wird verklärt, wirklich eklige Momente werden ausgespart und stattdessen gibt es oft eine Extraportion Pathos. Das, was zwischen Hazel und Gus passiert, läuft anders. Dem amerikanischen Bestsellerautor, Jahrgang 1979, gelang mit dieser Liebesgeschichte ein zu Recht hochgelobtes Meisterstück. Er lässt seine Figuren die Klischees zeigen und benennen – und hinter sich lassen. Zwei junge Menschen wollen ihr Leben mit den Möglichkeiten gestalten, die sie haben. Sie unterliegen Einschränkungen – aber wer tut das nicht? Ihre Sicht der Dinge ist schon fast philosophisch zu nennen, ohne je überzogen zu wirken. Sie stellen sich der Realität und wagen trotzdem ihre Träume.

     

    Erzählt wird die Geschichte im Rückblick von Hazel. Zwischen trotzigem Durchhaltevermögen und depressiver Verzweiflung meistert sie ihr Leben bewundernswert. Gefeiert werden Hazels Halbgeburtstage, so hat sie es immerhin schon auf 33 gebracht. Die Rolle, die Hazels Eltern spielen, nimmt einen großen Raum ein. Eine zupackende Mutter, die ihre Angst, nach Hazels Tod keinen Lebensinhalt mehr zu haben, rechtzeitig erkennt und auch der Tochter gegenüber fast immer den richtigen Ton findet. »Du bist ein Teenager. Du bist kein kleines Kind mehr«, weist sie Hazel zurecht. Ein gebrochener Vater, der bei jeder Gelegenheit in Tränen ausbricht. Und eine junge Frau, die es als schlimmer empfindet, ihren Eltern den eigenen Tod antun zu müssen, als Krebs zu haben.

     

    In der Begegnung mit Gus brauchen beide keine Rücksichtnahme, kein Mitleid. So ist ihr Umgangston von Humor und Witz geprägt, von feiner Ironie und großem Verständnis. Ein schnörkelloser Ton, der die Geschichte prägt. »Krebskinder sind die Nebenwirkung der unermüdlichen Mutation, die die Vielfalt des Lebens auf der Erde sichert.« Hazel und Gus müssen das so akzeptieren. Dass es kein glückliches Ende geben kann, wissen die Leserinnen und Leser von Anfang an. Trotzdem schafft Green durch spannende Charaktere und überraschende Entwicklungen etwas, das so keiner ahnen konnte und das jenseits aller Erwartungen eine alte Geschichte neu erzählt.

     

    Herzenswünsche

    Da gibt es etwas, was Hazel beschäftigt. Ein Buch über ein krebskrankes Mädchen, Anna. Und obwohl Hazel Krebsbücher hasst, liebt sie dieses ehrliche Buch, dessen Ende sie gleichzeitig fasziniert und frustriert: Es bricht mitten im Satz ab. Auch wenn sie den literarischen Kniff durchschaut, weiß, dass er für Annas Tod steht, wüsste sie doch gerne, was aus den anderen Figuren des Buches wird. So wie sie sich gern sicher wäre, dass auch nach ihrem eigenen Tod das Leben derer, die ihr wichtig sind, gut weitergeht. Ein herrschaftliches Leben war das einzige Buch des niederländischen Autors Peter Van Houten und das Buch im Buch spielt eine zentrale Rolle, denn nach zahlreichen unbeantworteten Briefen, wird es tatsächlich zu einer Begegnung mit dem Schriftsteller kommen.

     

    Wie Green das macht, ist Magie pur. Er gönnt Hazel und Gus einen ersten Schluck Champagner, er schenkt ihnen ein »erstes Mal«, stundenlange Telefonate, in denen auch viel geschwiegen wird und er erspart ihnen Momente der Scham und der Verzweiflung und letztlich den Abschied voneinander nicht. All die großen, wichtigen Dinge unseres Lebens werden durch die begrenzte Zeit nicht weniger groß und wichtig. Aber sie bekommen auch nicht erst dadurch ihre Bedeutung.

     

    Hazel gibt Gus ihr Lieblingsbuch zum Lesen und formuliert: »Manchmal liest man ein Buch, und es erfüllt einen mit diesem seltsamen Missionstrieb, und du bist überzeugt, dass die kaputte Welt nur geheilt werden kann, wenn alle Menschen dieser Erde dieses eine Buch gelesen haben.« Vielleicht kann man John Greens Buch mit einem ähnlichen Wunsch empfehlen.

     

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