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    TITEL kulturmagazin
    Samstag, 19. August 2017 | 16:57

    Harald Rosenløw Eeg: Caulfield

    30.07.2012

    Gescheiterter Rettungsversuch

    Über den Titel Caulfield werden vermutlich eher erwachsene Leser stolpern. Caulfied? Gab’s da nicht was? Besser: jemand. Holden Caulfield, Salingers Helden aus The Catcher in the Rye, der sich vorstellt, er stehe am Rand einer steilen Klippe und bewahre Kinder, die ahnungslos im angrenzenden Roggenfeld spielen, davor, in den Abgrund zu stürzen. Caulfield als Beschützer. In diesem Thriller nicht. Von ANDREA WANNER

     

    Klaus hat vielleicht sogar eine entfernte Ähnlichkeit: er ist ein entwurzelter Siebzehnjähriger, der seinen Platz im Leben sucht. Im Gefolge seiner Mutter kommt er in Oslo an. Sie wird dort als Schulsozialarbeiterin in der Schule arbeiten, die auch Klaus besuchen wird. Aber noch fühlt sich alles fremd an: das Haus, das direkt am Waldrand liegt; die Schule; die Menschen. Eine dunkle Bedrohung scheint von dem Ort auszugehen, die Klaus ratlos macht. Er möchte einfach ein ganz normales Leben führen, dazugehören. Und als er Sturla trifft, scheint dies auf einmal in den Bereich des Möglichen zu rücken.

     

    Die Suche

    Sturlas Vater ist Fußballtrainer, Sturla geht in die Klasse von Klaus: das ist eine ungeheure Chance, die er zu nutzen gewillt ist. Aber wer verfolgt Sturla? Warum wirkt der Junge so gehetzt? Wovor hat er Angst? Noch ehe Klaus Antworten auf diese Fragen findet, ist Sturla tot. Und der Fragenberg wächst ins Unermessliche.

    Bei seiner Suche nach der Wahrheit verstrickt sich Klaus immer tiefer in Etwas, das er nicht benennen, nicht greifen kann und gerät in den Strudel eines aberwitzigen Komplotts. Er erfährt, wer die Fäden in der Hand hält und will ihn zur Rechenschaft ziehen: den ominösen Caulfied.

     

    Der norwegische Schriftsteller Harald Rosenløw Eeg tat und tut sich nicht nur mit seinen (Jugend-) Romanen hervor, sondern schrieb auch zahlreiche Drehbücher. Das Konzept, das Buch beinahe wie einen Film zu erleben, ist auch in der Schilderung des Ich-Erzählers Klaus spürbar. Die einzelnen Szenen reihen sich sorgsam ausgewählt aneinander, Spannung entsteht weniger durch den Auftritt von fürchterlichen Gestalten oder Gewalt sondern durch das Unsichtbare, Lauernde, das überall und zu jeder Zeit hervorzubrechen droht. Und immer dann, wenn Klaus sich in Sicherheit wähnt, wird im jäh der Boden unter den Füßen weggezogen.

    Eeg arbeitet dabei mit klassischen Versatzstücken: einem Tagebuch; einem Schließfach; einem Stick mit Information und auch das überschaubare Personal wirkt auf den ersten Blick eher klischeehaft: der merkwürdige Lehrer, der den Posten des Schulsozialarbeiters innehatte und wieder aufgab; die auf vier wichtige Figuren reduzierten Klassenkameraden: der Loser Peik, der mit Drogen dealt; der coole Stig mit den angesagten Markenklamotten; die ebenso schöne wie raffinierte Live und die unscheinbare Abelone. Vieles scheint auf den ersten Blick durchschaubar – und ist es nicht.

     

    Die Entdeckung

    Die Spannung wächst von Seite zu Seite. Die Lösung des Rätsels, die stellenweise schon so nah schien, entzieht sich Klaus – und mit ihm dem Leser – wieder und wieder. Der unsichere, komplexgeplagte Junge wird nicht zum souveränen Helden und Supermann sondern irrt durch das Dunkel einer Verschwörung, die einem eine Gänsehaut auf die Haut zaubert. Und eigentlich wissen wir, dass er scheitern muss bei seinem Versuch – nein, keine Kinder am Rande des Abgrunds zu retten, sondern Schneeflocken, die er fangen muss, bevor sie zu Boden fallen. So wie er überhaupt scheitern muss: Caulfield ist zu mächtig.

     

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