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    Freitag, 23. Juni 2017 | 21:08

    Brian Selznick: Wunderlicht

    16.07.2012

    Eine Welt voller Wunder

    Wer im Kino im fasziniert war von der Hommage an eine längst vergangene Filmära, und Martin Scorseses cineastischen Augenschmaus Hugo Cabret genossen hat, hat vielleicht auch das dazugehörige Buch in der Hand gehabt: Brian Selznicks Roman Die Entdeckung des Hugo Cabret. Und der ahnt vielleicht auch schon, was für erstaunliche Dinge ihn in Wunderlicht erwarten. ANDREA WANNER ließ sich in den Bann des Abenteuers ziehen.

     

    Selznick erzählt parallel zwei Geschichten auf unterschiedlichen Zeitebenen: Es ist zum einen die von Ben, die im Juni 1977 ihren Anfang nimmt. Ben lebt nach dem Tod seiner Mutter bei Verwandten. Seine große Leidenschaft ist das Sammeln besonderer Gegenstände. Als er in den Sachen seiner Mutter eines Abends ein Buch mit dem Titel Wunderlicht findet, ist die Widmung darin für ihn der Anlass, sich auf die Suche nach seinem Vater zu machen.

     

    Die die zweite Geschichte nimmt ihren Anfang im Oktober 1927, wo ein Mädchen namens Rose nach der Trennung ihrer Eltern beim Vater lebt und den verzweifelten Wunsch hat, von ihrer Mutter, einer erfolgreichen Schauspielerin geliebt zu werden.

     

    50 Jahre trennen die beiden Geschichten, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Eine auffällige Gemeinsamkeit gibt es allerdings: Ben ist auf einem Ohr taub und wird es auch noch auf dem anderen werden, Rose ist gehörlos. Und beide sind einsam und unglücklich.

     

    Ein raffiniertes Katz-und-Maus-Spiel

    Selznick spielt mit seinen Lesern, lässt die beiden Geschichten parallel nebeneinander herlaufen, wechselt von der einen in die andere. Er erzählt mit Worten und findet für die stille Welt, in der Ben und Rose leben, Bilder. Weite Passagen der Erlebnisse werden in detaillierten Schwarz-Weiß-Zeichnungen wiedergegeben, die durch ungewöhnliche Perspektiven, Zoomsequenzen, verblüffende Ausschnitte, Licht- und Schattenspiele zu einem besonderen Erlebnis werden. Oft blättert man nochmals zurück, weil erst eine Veränderung des Blickwinkels oder die Vergrößerung eines Details auf jenes aufmerksam machen, was man ein paar Seiten zuvor nicht wahrgenommen hat. Verblüffend spürt man die Stille, selbst das hektische Großstadttreiben scheint geräuschlos vonstattenzugehen. So, als ob man taub wäre.

     

    Ben schlägt sich nach New York durch und landet im American Museum of Natural History, wo sich die Wege von Ben und Rose kreuzen – allerdings getrennt durch die Zeit. Oder hat ein Blitz die Zeit außer Kraft gesetzt? Existiert sie nicht mehr für die beiden Suchenden? Selznick hält die Spannung aufrecht, durchflicht die Reise des Jungen mit Bildern von Rose. Er erzählt vom Entdecken und Sammeln, vom Erinnern und Träumen, vom Wünschen und Machen, vom Suchen und Finden, von der Endlichkeit des Lebens und der Unendlichkeit der Sterne. Er stattet den frühen Wunderkammern einen Besuch ab und erzählt, wie sie von den heute üblichen, spezialisierten Museen, besonders den Naturkundesammlungen mit ihrem wissenschaftlichen Anspruch abgelöst wurden.

     

    Aber auch mit dem Anspruch, die Welt erklären zu wollen und die Menschheit in vielen Bereichen schon in die tiefen Geheimnisse eingedrungen ist: Das Wunder bleibt. »Früher oder später trifft es uns alle wie der Blitz«, wie das dem Buch vorangestellte Zitat von Gregory Maguire die Sache auf den Punkt bringt. Auch davon erzählt die Geschichte von Ben und Rose.

     

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