Lenas Freundin
Lena hat eine Freundin, Mia. Mia ist immer fröhlich, und sie hat viele Geschwister, von deren Streichen sie erzählt – bei Mia ist immer was los. Gerne würde Lena sie mal besuchen, aber das geht nicht, denn dann müsste sie Mia ja auch mal zu sich einladen. Und dann würde Mia sehen, wie trostlos es bei ihnen zugeht, wie schäbig die Wohnung ist. Und dass ihre Mutter eine Alkoholikerin ist.
Der schwedische Schriftsteller Peter Pohl erzählt in seinem neuen Roman eine leider ziemlich alltägliche Geschichte: von Kindern, die die Elternrolle übernehmen müssen, weil ihre Eltern unfähig dazu sind. Von der Sehnsucht der Kinder nach einem normalen Leben, die sie sich nicht erlauben dürfen, weil sie sonst untergehen. Sensibel und einfühlsam erzählt Pohl von einem überforderten Mädchen und ihrer Scham, denn sie kann sich niemandem anvertrauen. Und von den immer neuen Lügen, die sie sich ausdenken muss.
Und von Mia. Aber ist sie auch wirklich die beste Freundin, wenn man ihr das nicht erzählen kann? Dann stellt sich heraus, dass auch Mia alles erfunden hat, dass auch sie sich schämt, weil auch ihre Eltern Alkoholiker sind. Denn auch Mia verheddert sich in einem Lügengestrüpp, als sie begründen muss, warum sie nicht mit auf die Klassenfahrt gehen kann. Und dass alles ein bisschen leichter ist, wenn man seine Sorgen wirklich teilen kann. Bei Pohl kommt das aber nicht als Plattitüde heraus, sondern entwickelt sich aus der Beziehung der beiden Mädchen: ganz natürlich, nach und nach. Er erzählt fast beiläufig und nebenbei und mit großer Kunst von einer Gesellschaft, die nicht mehr zum Wohl der Kinder taugt, und von einer Freundschaft, die erst durch ihre erste Probe zu einer wahren Freundschaft wird.