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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 21. August 2017 | 19:43

    Lucy Christopher: Isla Schwanenmädchen

    28.11.2011

    Erdenschwer

    Wer träumte nicht davon, Flügel zu haben, sie auszubreiten und sich hinauf in die Lüfte schwingen zu können, um davon zu fliegen. Lucy Christopher verbindet in Isla Schwanenmädchen diesen alten Menschheitstraum mit klassischen Märchenmotiven und einer ernsten Familiengeschichte. Leider genügt ihr das nicht. Und so werden erzählerische Konventionen zu Bleigewichten, die den Flug – kaum begonnen – mit einer Bruchlandung enden lassen. Von MAGALI HEISSLER

     

    Islas (sprich: Eilas) Vater liebt Vögel. Ganz besonders liebt er Singschwäne, er ist geradezu besessen von ihnen. Wer in der Familie diese Besessenheit nicht teilt, kommt für den Vater erst an zweiter oder sogar dritter Stelle. Isla teilt seine Liebe zu den Schwänen, sie ist für sie gleichbedeutend mit ihrer Liebe zu ihm. Ihr Vater ist jedoch nicht nur verrückt nach Schwänen, er ist auch herzkrank. Als er wieder einmal mit Isla unterwegs ist, um Schwäne zu beobachten, bekommt er einen Herzanfall. Im Krankenhaus stellt sich heraus, dass nur eine Transplantation ihm noch helfen kann.

    Das Familiengefüge gerät ins Wanken, Isla an den Rand dessen, was sie in ihren jungen Teenagerjahren ertragen kann. Was sie bei Verstand hält, ist ihre Sorge um eine einzelne Jungschwänin, die sie auf dem Teich hinter dem Krankenhaus entdeckt. Die Schwänin scheint unfähig, zu fliegen, obwohl sie gesund ist. In Isla wächst die Überzeugung, dass ihr Vater gesund werden wird, wenn das Tier zu seinem Schwarm zurückkehrt. Dafür setzt Isla alles Erdenkliche ein. Es stellt sich heraus, dass das eine ganze Menge sein kann, selbst wenn man noch so jung ist.

     

    Die Verlockungen der Märchenpoesie

    Es ist nicht leicht, sich der Poesie dieser Geschichte zu entziehen. Gleich, wie Christopher an das Thema ›Singschwäne‹ gekommen sein mag, es muss bald Herzenssache geworden sein. Die Beschreibungen der Vögel sind sowohl im Märchenhaften wie in den ornithologischen Zusammenhängen gleichermaßen faszinierend. Mit bestechender Meisterinnenschaft wechselt die Autorin von einem Bereich in den anderen und wieder zurück. Was immer mit den Schwänen zusammenhängt, wirkt authentisch und fantastisch gleichermaßen. Die Mischung findet man selten in solcher Perfektion.

     

    Gut eingefügt ist auch die Familiengeschichte Islas, die im Handlungsverlauf beträchtliche Komplexität entwickelt. Die Beziehungen zwischen den Eltern, aber auch die zwischen Vater und Großvater sind gefährlich brüchig, Konfliktstoff schwelt an vielen Stellen.

    Sehr reizvoll ist das Schulprojekt, an dem Isla teilnehmen muss, eine Arbeit im Kunstunterricht über da Vincis Flugapparate. Was Isla sich einfallen lässt, ist ein wenig übertreiben, passt aber trotzdem gut zu der leicht übersteigerten, traumartigen Atmosphäre.

    Die Gleichsetzung von Islas Problemen und den Schwierigkeiten der jungen Schwänin, die Flügel einzusetzen, ist an keiner Stelle platt, sondern so überzeugend, dass die Geschichte ganz unaufdringlich parabelhafte Züge annimmt.

     

    Die Fesseln des Konventionellen

    Schließlich jedoch hat Christopher nicht den Mut, ihrer ureigenen Geschichte über ein junges Mädchen auf seinem Weg zu Selbständigkeit im sozialen Gefüge einer Familie zu vertrauen. So kommt Isla nicht nur auf den Schwan, sondern auch auf Harry, den krebskranken Gleichaltrigen. Selbstverständlich verliebt sie sich und die Autorin sieht sich ab diesem Moment den wachsenden Schwierigkeiten ausgesetzt, ihre Heldin in höchster Sorge um zwei Männer agieren zu lassen. Von Isla bleibt wenig übrig. Alles, was sie von nun an tut, tut sie, um die Augen zweier Männer aufleuchten zu lassen, wobei ihr Vater an Bedeutung verliert, während Harrys zunimmt. Isla denkt nicht mehr allein, sie handelt nicht mehr selbständig, Harry wird nicht Helfer, sondern Mentor und höchste Instanz, wenn sie Fragen hat.

     

    Ein zunächst gut ausgedachter und streckenweise berückend schön formulierter Roman verkommt ab der zweiten Hälfte zu einer immer schmalziger werdenden Liebesgeschichte. Ein Mädchen, das seinen Weg erst noch finden müsste, endet nach ein paar Schritten bereits auf dem alten ausgetretenen Pfad der unentwegt fürsorglichen, hilfsbereiten, stets gebenden Liebenden. Die Schwingen sind zusammengeklappt, ehe sie eine erste Runde damit geflogen ist. Die Schlusssequenz ist dann auch so knallrosarot, wie das Vorsatzblatt, und derartig süß, dass eine Warnung vor einem Zuckerschock unerlässlich ist.

     

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