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Toms Schnellgericht

29.11.2012

Musik in Schwarz-Weiß

Noch ein paar Tipps für die Tage in denen Stimmung und Landschaft sich den Grau-Tönen nähern und die richtige Musik dabei hilft, ruhige Momente zu zelebrieren und Melancholie zu kultivieren. Von TOM ASAM

 

Die Songwriterin Tammy Ingram begab sich nach ersten Erfolgen als Sängerin einer Rockband in ihrer Heimat Australien auf die Reise und bummelte durch die Welt. Den Anker warf sie erst wieder raus in – man braucht den Satz fast nicht zu beenden – Berlin. Dort und in einer Kirche in Australien entstand ihr Album LOVE WAR auf dem sie den Spuren von Songwriterinnen wie Rachel Goswel, Emiliana Torrini, Joni Mitchell oder Beth Orton (siehe unten) folgt. Auf LOVE WAR geht es um die dunkleren Tage in zwischenmenschlichen Beziehungen. Nicht umsonst sagt der Volksmund im amerikanischen Englisch: »all is fair in love and war«. Beths tolle Stimme und die gefühlvollen Indie-Folk Balladen mit leichtem Jazz-Einschlag dürften ihr eigentlich überall auf der Welt schnell neue Freunde bescheren. Um das Album gegen die schier unglaublich große Konkurrenz durchzusetzen, wird sie sich allerdings wieder auf die Reise machen müssen und viel live spielen. Dies tut sie bisher gerne alleine mit Gitarre, Loop Pedal und ihrer Stimme bewaffnet. Auf dem durchwegs gelungenen Album helfen auch Piano, Bläser und Vibraphon aus, trotzdem bleibt die nötige Luftigkeit in den Kompositionen erhalten.

 

Wesley Schultz wurde bereits im Alter von neun Jahren in einem Artikel der New York Times mit dem Wunsch Künstler zu werden zitiert. Damals wollte er Zeichner werden. Doch wie so oft im Leben … Wesley´s bester Freund Josh starb mit 19 an einer Überdosis – Wesley und Joshs Bruder Jeremiah beginnen Songs gegen den Schmerz zu schreiben. Sie ziehen von New Jersey nach Denver und stoßen auf die Cellistin Neyla Pakarek. Die beherrscht auch Mandoline und Klavier, und so entsteht diese Art von Mischung aus akustischem Rock, Pop und Easy-Going-Folk, für die im Moment die Zeit aber so was von reif ist … Im Fahrwasser von ähnlich ausgerichteten Bands wie Mumford and Sons, deren Erfolgs-Ausmaß schier unglaublich erscheint, schafften The Lumineers bereits mit ihrer 2011 in Eigenregie veröffentlichten EP für Wirbel. Mal schauen, was das Album bringt – auf alle Fälle enthält es schöne Popsongs mit einem leicht verdaulichen Roots-anstrich für ein (jüngeres) Publikum, das handgemachte Musik als Alternative entdeckt.

 

The Grande Illusion ist ein Filmklassiker von Jean Renoir – und der Künstlername des DIY-Songwriters Heiko Badje. Auch dieser versucht nicht, das Rad neu zu erfinden, liefert aber mit seinem dritten Album Metal Saint eine mustergültige Herbstplatte ab, bei der er sich vom Produzenten Pascal Fulbrügge unter die Arme greifen ließ. Dieser war Mitbegründer des Labels L´age d´or (Filmklassiker again!) und zentrale Figur der Hamburger Schule. Damit hat Badje allerdings wenig am Hut. Er zelebriert introvertierte Singer-/ Songwriter Kunstfertigkeit mit Hang zu traurig-schönen Melodien und ausgefeilten Details. Die herbstliche Melancholie seiner Lieder ist absolut zeitlos und könnte ebenso Ende der 6oer entstanden sein – irgendwo in der Mitte zwischen einem der frankophilen Sehnsucht eines Scott Walker und dem Abgesang auf den kurzen Hippie-Traum im Stile der Band Love.

Liebe ist wohl auch mit der großen Illusion gemeint, wenn es etwa im Titelsong heißt »You’re checking me out and you still don’t know me«. Wunderschöne Platte. Ob es am Geld oder an der Einstellung des Künstlers lag, möglichst viel selbst zu machen, mit einem etwas größeren Produktionsaufwand und mehr Konzentration auf organischen Sound (Drum-Computer passen hier einfach nicht) hätte ein kleines Meisterwerk entstehen können. Eine ausgezeichnete Herbstplatte bleibt Metal Saint auch so allemal – mit etwas Luft nach oben, was will man mehr.

 

Den schmalen Grat von Melancholie zur Depression wandert Chris Hooson aka Dakota Suite seit Jahren entlang. Einzig vom Absturz zu bewahren scheinen den Sozialarbeiter aus Leeds die Musik und seine Frau Johanna, die er auch diesmal wieder ausdrücklich erwähnt: » … because you cover me with grace in all that you do.« Von wegen Cover und Grace: Wie gewohnt stammen Cover-Artwork und Booklet-Photographien wieder von Johanna, diese großartigen Schwarz-Weiß-Fotos runden die musikalischen Werke ihres Mannes immer wieder kongenial ab. Sie verweisen auch deutlich auf einen Einfluss Chris´. Dieser verehrt das Münchner Label ECM ausdrücklich. Auf seinen zahlreichen Alben wählt Hooson immer wieder neue Schwerpunkte. Er verändert die Instrumentierung und den Fokus bezüglich Songorientierung. Grob bleibt er dabei immer verortet zwischen großen angloamerikanischen Depri-Songwritern wie Will Oldham, Vic Chesnutt, Mark Kozelek, (Red House Painters) oder Mark Eitzel ( American Music Club) einerseits und Künstlern wie Arvo Pärt oder Ketil Björnsted (ECM!) auf der anderen Seite. Auf almost a life nähert er sich wieder etwas dem Ausdruck des Songs an sich, versucht dabei dessen Kern freizulegen. Neu ist dabei die zaghafte Nutzung auch synthetischer Sounds – die eingefleischte Fans keinesfalls abschrecken sollte! Konventionelle Bandstrukturen vermied Hooson dabei zunächst, ließ aber dann doch erprobte Musiker wie den französischen Pianisten Quentin Sirjaq, John Shepard oder – erstmals Dag Rosenquist (Piano, Orgel) an der Veredelung seiner Entwürfe mitwirken. Hooson ist ein Mensch, der mit sich und der Welt hadert, aber die Gabe hat, aus Traurigkeit Schönheit zu kreieren, die nicht nur ihn selbst am Laufen hält.

 

Oben bereits angedeutet: das neue Album Sugaring Season von Beth Orton, dass bereits Ende September erschienen ist, aber in diesem Kontext wenigstens noch kurz angesprochen werden muss. Denn was die englische Folk-Perle nach sechs Jahren, die sie für eine Hochzeit und die Geburt zweier Kinder nutzte, hier präsentiert ist vielleicht die Herbstplatte der Saison. Ihren Deal

mit EMI ist sie los, die mutige Integration elektronischer Beats ist Vergangenheit. Dafür: Anti als Label und klassisch anmutende Songs – hätte doch schlimmer kommen können. Orton, die bereits 1996 mit ihrem Album Trailer Park Gold einheimste, muss eh längst nichts mehr beweisen. Mit ihrer schwebenden, fesselnden Stimme wandelt sie trotz melancholischer Untertöne doch insgesamt auf der bright side. Mit aller Souveränität und Erfahrung changiert sie im Stimmausdruck und in Sounddetails und zuckert an sich eher unauffällige Songs so perfekt, dass einen jeder einzelne – ob mit leichtem Country-Drift, Jazzeinschlag oder Walzer-Schwung – in seinen Bann zieht. Wenn man dabei Musiker wie den Jazz Drummer Brian Blade oder Marc Ribot an seiner Seite hat und sich selbst vom Meister der Akustischen Gitarre, Bert Jansch, kurz vor dessen Ableben ein paar Griffe zeigen lässt – dann macht das zusammen mit einer großen Begabung und einem ebensolchen Erfahrungsschatz den feinen Unterschied.

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