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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 01. Mai 2017 | 08:12

    Randnummern, Underdogs und Grenzgänger (III)

    22.11.2012

    Rave-Historik, Beattheorie und ein sanfter Ausklang

    Harsh Noise, Trance oder verschnippelter Beat? Hauptsache interessant! Findet KRISTOFFER CORNILS – und wirft im dritten Teil seiner Betrachtungen von  musikalischen Randnummern, Underdogs und Grenzgängern so manchen Blick zurück.

     

    Russell Haswell hatte noch vor Kurzem bewiesen, dass er mit Harsh-Noise-Attacken eine Party schmeißen kann. Jetzt ist er zurück und knarzt uns mit FACTUAL das Wohnzimmer voll. Das Studioalbum weist aber nicht nur einen Live-Track auf – das zweieinhalbminütige Sheffield beweist, dass der Brite auch in seiner Heimat genauso euphorisch gefeiert wird wie in Skandinavien –, sondern geht diversen Stilen auf den Grund. BLACK METAL INSTRUMENTAL DEMO und das kreischenden Ätz-Synthies von RAVE ANNIHILATION sprechen mit ihren Titel bereits Bände: Haswell versucht sich seiner eigenen musikalischen Sozialisierung qua Noise-Geballer zu nähern. Das macht FACTUAL dann letztlich doch zu einer unterhaltsamen und – und das ist im Harsh Noise-Spektrum doch außergewöhnlicher als so manche/r es wahrhaben will – abwechslungsreichen Platte.

     

    Machen wir weiter mit Vergangenheitsbewältigung. Genauer: Trance. Halt, stopp, bitte nicht abschalten – hier fliegen keine CGI-Delfine durch 3D-Kosmen! Die Spielart des Technos wurde in den 90er Jahren mit jeder scheußlichen, verkifften Traumtänzer-Veröffentlichung in Glitzeroptik immer mehr in Richtung Obertrash gedrängt, hat aber anfangs noch wichtige Impulse geliefert. Denen geht Lorenzo Senni auf Quantum Jelly nach. Der Italiener kennt sich prima mit historischen Aufarbeitungsprozessen aus: Auf seinem Label Presto!? schlug zuletzt DJ Stingray die Brücke zwischen Tradition und neuem Format. Und Quantum Jelly? Nostalgische Pastiche sieht anders aus! Sennis Fingerübungen sind nämlich abstrakter Natur. Über fünf Tracks lässt der Italiener flirrende Synthies hin- und herbouncen; spielt Ping Pong mit den Wahrnehmungsrezeptoren, bis ein treibender Beat sich herauskristallisiert und den Marsch nach vorn diktiert. Absolut kitschresistent und trotzdem emotional wirkungsvoll. Umwerfend trippy!

     

    Ähnlich wie der mittlerweile vierte Teil von Mark Fells Sensate Focus-Reihe. Das Sublabel von Editions Mego verteilt Katalognummer, die zwar gen null konvergieren – nach 10, 5 und 3,33 folgt nun die 2,5 – tatsächlich aber immer besser werden. Mit Winston Hazel zusammen entstanden die zwei Tracks, die auf 20 Minuten Spielzeit erneut mittels steriler Beats kantige Grooves zaubern. In seinem Bestreben, die Musik seiner Jugend neu aufleben zu lassen und tatsächlich zu verbessern (!), dekonstruiert Fell jegliche House-Klischees mit Genuss. Von der federnden Kickdrum über den wispernde Echoeffekte bis zu den sinnentleerten Standard-Vocals bedient er die gesamte Klangpalette, mischt aber nach Gutdünken. Wird ähnlich wie die drei vorangegangenen 12“s sicherlich schnell ausverkauft sein, der Schweinsgalopp zum Record-Dealer ist also dringend zu empfehlen. Sehr lohnenswert ist übrigens das Sentielle Object Actualité betitelte Remix-Album, auf dem Fell – diesmal unter seinem Klarnamen – die Sensate Focus-Tracks erneut in die Mangel nimmt und aus ihnen die Catchiness presst, die den 12“s stellenweise noch abgeht.

     

    Ein hard- und softwarebesessener Technomagier wie Fell treibt sich selbstverständlich ebenfalls im Umfeld von Raster Noton herum. Das in Chemnitz ansässige Label, auf dem auch Vladislav Delay und Senking veröffentlichen, verkörpert wie kaum ein anderes den Glauben an Techno und, viel mehr noch, Technik. Dabei geht es primär nicht darum, irgendjemanden zum Tanzen zu bringen. Entgegen aller Trends und Zeitgeistigkeiten versucht die Noton-Posse, Klang und Bild, Musik und Theorie, Kunst und Wissenschaft synthetisch zu vereinen. Raster Noton-Acts sind ihre eigenen Konzepte, den Namen des Labels kann man geradezu als Genrebezeichnung gelten lassen. Nur logisch, dass die Soundarchitekten von Emptyset hier früher oder später ein Zuhause finden würden.  Als sechster Teil der auf neun Releases angelegten unun-Reihe erbaut ihre Ununhexium / Collapsed 12“-EP auf gut 14 Minuten Spielzeit wieder riesige, verpixelte Wall of Sounds – und reißt dabei alles andere um, sofern es nicht niet- und nagelfest gebookmarkt wurde. Mit ihren abstrakten Bollerbeats kommen die vier Tracks aber etwas zu angestrengt und diktatorisch daher, um wirklich zu überzeugen.

     

    Anders sieht es da auf dem Debütalbum Grischa Lichtenbergers aus. Nach dessen Beitrag zur unun-Reihe vor drei Jahren und einer 2011 auf Semantica erschienenen exzellenten EP sowie einigen Netlabel-Beiträgen legt der 21 Tracks hin, die im ersten Durchlauf zwar skizzenhaft wirken, sich aber beim wiederholten Hören als ausgefuchste Mikrokosmen entpuppen, die ganz brav holistisch ihren Teil zum clever verzahnten Ganzen beitragen. And.IV (Inertia) ist sicherlich eine der interessantesten Platten des Jahres und bringt gleichzeitig frischen Wind in den Raster Noton-Katalog.  Lichtenberger – gleichzeitig auch, wie viele Noton-Signings, als grafischer Künstler unterwegs – spinnt nämlich mit sterilen Beats und ad absurdum verzerrten Harmonien und Melodien Muster, die ihren eigenen Groove entwickeln. Ein steriler Sexappeal, der sich langsam ins Innenohr dreht und dort fröhliche Dopplereffekte triggert. And.IV (Inertia) wirkt oberflächlich betrachtet fragmentarisch, ist in Wahrheit aber ein fluoreszierender, sich immer wieder morphender Brocken, der gen Finale hin in sphärisch-gänsehautfordernde Ambienttracks verläuft.  Ein fantastisches Album, durch und durch.

     

    Entscheidungen müssen getroffen werden, Konsequenzen müssen in Kauf genommen werden, wissen Simon 12345 & The Lazer Twins und betiteln ihre neue EP kurzerhand If I Stay Here, I’ll Be Alone. Macht Sinn, wurden die sechs Tracks doch angeblich in einer abgelegenen Hütte in Norddänemark aufgenommen. Veröffentlicht werden diese nun auf Doumen, dem Label von den verfrickelten Avant-(Post-)Dubsteppern Praezisa Rapid 3000. Simon und die Twins teilen deren Lust am Sample und verschnippeltem Beat und setzen trotzdem auf Handgemachtes: Alles selbst eingespielt, so es wird zumindest behauptet. Eine ausgedehnte Post-Produktion sorgt nun für ein stimmiges, nicht immer aber mitreißendes Endprodukt: Etwas unmotiviert plätschern die Beats stellenweise, etwas zu hibbelig zucken die Cut-Up-Vocals über den Tracks umher. Das Featuring vom MC Beegs Alchemy auf dem letzten Track stellt mit seiner umwerfenden Hook das klare Highlight dar. Wenn die Band nämlich relaxte Hip Hop-Tempi anschlägt, treibt der Sound die wunderbarsten Blüten. Bitte nicht stehenbleiben! Wir wissen ja, was euch sonst droht.

     

    Nach dem Fragmentarismus-Rave folgt der ausgedehnte Chillout. Zum bittersüßen Abschluss eines der erfreulichsten Re-Issues der letzten Monate (und das soll was heißen!): KOSEMURA Akiras Debütalbum als Solokünstler, das 2007 als CDr erschienene It’s On Everything, wird von Room40 neu aufgelegt. Das von Lawrence und Rebecca English geführte australische Label veröffentlicht damit eines der schönsten Werke japanischer Kompositionskunst aufs Neue. Minimalistischer Instrumentalfolk, neo-klassisch anmutende Arrangements und ein feiner Sinn dafür, aus hauchzarten Tönen eine perfekte Ambience zu schaffen macht diese Platte zum zwingenden Soundtrack für den ersten Kaffee eines friedlichen Sonntagmorgens. Zumal Kosemura es mittels dezent eingesetzter Field Recordings schafft, sein Publikum in japanische Spielplatzidyllen zu entführen. CD reinlegen, Armchair-Travelling ist angesagt!

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