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    TITEL kulturmagazin
    Mittwoch, 26. April 2017 | 19:38

    Randnummern, Underdogs und Grenzgänger (II)

    15.11.2012

    Esoterisch oder Krachig?

    Hauptsache neu und interessant, findet KRISTOFFER CORNILS und wirft im zweiten Teil seiner Aussenseiterbetrachtungen einen Blick auf musikalische Randnummern, Underdogs und Grenzgänger.

     

    Esoterisch, krachig oder meditativ

    Dass auf der Platte Empires Sould Burn… Philippe Petits Stimmen zu hören sind, ist zuerst einmal reichlich ungewöhnlich. Der verzichtete zuletzt gänzlich auf jeden vokalen Schnickschnack, als er mit Oneiric Rings On Green Velvet und Fire-Walking To Wonderland  die ersten beiden Teile einer als Trilogie geplanten Erzählung mit dem Titel Extraordinary Tales Of A Lemon Girl veröffentlichte. Nun kollaboriert er jedoch nicht nur mit G. Stuart Dahlquist (dem Kopf hinter der Formation Asva, auch bekannt als Kollaborateur von SUNN O))), Goatsnake und Burning Witch), sondern lädt für Empires Should Burn… auch noch Jarboe (Swans), Edward Ka-Spel (von den Legendary Pink Dots) und den Performance-Poeten beziehungsweise Multimediakünstler Bryan Lewis Saunders ins Studio.

     

    Herausgekommen ist eine beklemmende Session, in der Petit (der das Zymbal bearbeitet und die Elektronik dröhnen lässt) und Dahlquist (der neben seinem Orgeleinsatz bei jedem Track zusätzlich für Sweet Dreams Asshole seine Stimme als Instrument leiht) ihren musikalischen Input auf das Nötigste reduzieren. Sterile Drones, das nervenaufreibende Zymbalspiel und die mächtige Orgel bilden nur die Kulisse für die illustren Gäste. Die breiten sich mit Spoken Words über dem dichten Klangteppich aus. Ka-Spel, Saunders und Jarboe nutzen jeweils denselben modus operandi, um der eh schon eindrücklichen Musik noch eine tiefere Dimension zu verleihen. Ihr Wispern, Knurren und trockenes Crooning setzt dieser Platte das i-Tüpfelchen auf. Eine gelungene Hochzeit aus Wort und Sound.

     

    Kapustin Yar ist ein Rätsel. Benannt nach einer russischen Raketenabschussbasis, die einzige Veröffentlichung ein schönes Tape und deren Titel dann genauso mysteriös: Als Trithemius war auch der im ausgehenden Mittelalter lebende Johannes Heidenberg (oder auch: Zeller) bekannt, ein Gelehrter, Humanist und, nun ja, Hexentheoretiker, an dessen Wirken ein Titel wie Antipalus Maleficiorum erinnert. Um etwas Licht ins schummrige Dunkel zu bringen: Unter dem Namen Kapustin Yar feuert Antonio Gallucci kaputte Noise-Salven in die düstersten Doom-Gefilde ab.  

     

    Gallucci ist vielleicht auch von seinem Projekt Architeuthis Rex bekannt, das er zusammen mit Francesca Marongiu betreibt – ebenso wie das Label Storm As He Walks, auf Sum Of R (siehe oben) ihren bitterbösen Post-Metal loslassen. Kapustin Yar skelettiert seine Tracks mit ähnlich trockenen Schlagzeugbeats wie das Schweizer Duo, nutzt aber vor allem Elektronik, um diese zu auszufleischen. Mit Samples, Sinuswellen und Synthesizern webt Gallucci über gut 50 Minuten acht Kompositionen zusammen, die wie im Falle von Collapsing Palace beinahe hymnenhaften Charakter haben oder auch mal – siehe das grandiose Red Altar – einen fast new wavigen Rhythmus entwickeln. Tapedeck entstauben und rein mit dieser tollen Kassette!

     

    Ekkehard Ehlers führt uns dann langsam aus den Abgründen heraus. Auch er startet mit düsteren Improvisationen, im Verlaufe seiner fast halbstündigen Symphonie – anders kann man dieses grandiose Stück Neue Musik kaum bezeichnen – zeigt sich jedoch wieder Licht und Struktur am Ende des Tunnels. Der umtriebige Komponist, der sogar mit den Red Hot Chili Peppers kollaborierte und deren Überhit Californication remixte,  lud sich eine Vielzahl von befreundeten MusikerInnen ins Studio und ließ diesen bei der Arbeit an Adikia (in der griechischen Mythologie übrigens die Götting der Ungerechtigkeit) die größtmögliche Freiheit. Mit viel Ruhe geht das Kollektiv das gemeinsame Projekt an und erzeugt fesselnde Spannungsmomente, die mal und mal versanden, um neuen Bewegungen Raum zu geben. Insbesondere die Parts des Vokalperformers Todosch stechen durch ihre Eindringlichkeit heraus und geben Adikia den abschließenden Anstrich. Toll!

     

    Nach einer schier unüberschaubaren Anzahl an Tape-Veröffentlichungen hat sich Chris Madak mit seinem Projekt Bee Mask letztes Jahr endgültig einen Namen in die Synthie-Szene (und darüber hinaus, möchte man hoffen) gemacht.  Die Werkschau Elegy For Friday Beach sowie die Vinyl-Reissue von Canzoni Dal Laboratorio Del Silenzio Cosmico, die beide auf Spectrum Spools erschienen, untermauerten den Ruf des US-Amerikaners, ein ebenso facettenreicher wie genialer Komponist zu sein. Mit seiner neuen LP Vaporware / Scanops auf Room40 fügt er seiner abwechslungsreichen Diskografie nunmehr zwei weitere Tracks hinzu. Die sind ätherischer und epischer denn je, sie zeigen Madak als Geschichtenerzähler, der mit klirrenden Synthies, gesalbten Streicherdrones und – ein Novum in seiner musikalischen Laufbahn – entrückten, wortlosen Vocals ins Empyrium vordringt. Die beiden sich über eine knappe halbe Stunde erstreckende Tracks sind ein halluzinogener Ritt, bei dem Gänsehaut und epiphane Momente quasi vorprogrammiert sind. Eine der Schönheiten des Jahres 2012. Übrigens erscheint in Kürze mit When We Were Eating Unripe Pears auf Spectrum Spools ein Album, das die musikalischen Ansätze aller drei Platten verschmelzen soll. Unbedingt vorzumerken!

     

    Pinkcourtesyphone beziehungsweise Richard Chartier versucht seiner Hörerschaft ebenfalls ein quasi-cineastisches Erlebnis zu zaubern. Die mal deutschen, mal englischen Sprachsamples tun da natürlich ihr Übriges. Die sind es auch, die maßgeblich zur dichten Atmosphäre der warmen Drone-/Ambient-Tracks beitragen. Ohne die rauchigen Frauenstimmen, die auf Deutsch oder Englisch Wahnsinn, Liebe und Versteckspiel beraunen könnten die fünf Stücke schwerlich für sich allein stehen, dazu wirken sie dann doch etwas zu flach. Da hilft selbst ein pumpender Beat wie auf dem finalen Sans Many Things wenig: Chartiers Musik hat eher vornehme Unterfütterungsqualitäten als dass sie ihn den Hirnen ihrer RezipientInnen eigenen Filmchen triggern könnte.

     

    Cindytalk-Mitglied Jacob Burns lebt unter seinem Pseudonym  Lata seine Vorliebe für verquere Synthie-Sounds aus, die mal an Motion Sickness Of Time Travel erinnern, mal ziemlich nah an der Klangästhetik einer Laurel Halo entlang wabern. Neun Teile durchläuft die instrumentale Reise, warum Burns diese aber nicht in einzelne Tracks gesplittet hat, soll sein Geheimnis bleiben. Sicher ist aber, dass Starlings kein herausragendes Album ist, das sich vor allem mit den titelgebenden Starlings (Stare) und den Geräuschen der Londoner Bahn speist. Das meint man in plinkernden, Purzelbäume schlagenden Melodien und stumpfen Wummerbeats auch immer wieder herauszuhören und wiederzuerkennen. Ähnlich wie bei Pinkcourtesyphone die Samples so elementar waren, so wichtig ist sind die Hintergrundinformationen zu diesem Album. Schade, dass diese Musik so wacklig auf den eigenen Beinen steht.

     

    Apropos Instabilität, oder, anders ausgedrückt Agilität: Aus der sollte ein erfahrener Improv-Jazzer wie der Schlagzeuger Frank Rosaly eigentlich hauptsächlich seinen Gewinn ziehen.  Auf seinem 2008 aufgenommen Album Centering And Displacement, das nun in einer streng limitierten Auflage beim US-amerikanischen Label Utech als LP mit beiliegender CD erscheint, scheint er zuerst mit simplen Rhythmen Struktur schaffen zu wollen. Das mag wohl die Anteile der Platte, die den Titel Centering, das (Kon-)Zentrieren, verdient haben – dem gegenüber steht das Displacement, die Entgrenzung, Verschiebung. Jede Ordo wird gleich wieder aufgerissen, in Echtzeit mit elektronischen Hilfsmitteln verfremdet und so tatsächlich Chaos und Komplexität aus dem gewonnen, was zuerst nach den holprigen Etüden eines Schlagzeuglehrlings klingt. Das Zentrum der zweigeteilten Session bildet ein kleines Experiment, das die Grenzen zwischen Perkussion und Tonbildung ausreizt: Ist das noch Ryhthmus oder doch Melodie – oder gar beides? Die Frage stellt sich automatisch, wenn Centering And Displacement läuft, rotiert oder einfach: Stattfindet. Anders kann man es kaum sagen: Dieses Album findet statt, in Raum und Zeit. Ein Erlebnis!  

     

    Ex-Loop-Gitarrist Robert Hampson, der erst Anfang dieses Jahres mit seinem Répercussions-Album aufgefallen war, kehrt mit einem ohrenverwirrenden Doppelpack zurück. Die LPs Signaux und Suspended Cadences werden separat verkauft, erscheinen aber zur selben Zeit und gehören demselben Zyklus an. Ja, sie scheinen sogar aufeinander aufzubauen. Auf Signaux lässt Hampson noch gehört die analoge Elektronik fiepen und durch Zeit und Raum wandern. Das für zwei Kanäle nachgemischte, ursprünglich für acht verschiedene Kanäle konzipierte erste Stück klingt wie eine Einladung, mal durch das Innere eines verendenden Computers zu spazieren. Die vibrierenden, kreischenden Störtöne, die aus jeder Ecke zu kommen scheinen – so müssen die Elegien der Totgeweihten im Digitalzeitalter klingen. Mit dem zweiten Teil nimmt die Morbidität nur zu, der entmenschlichte Sound nur noch unheimlicher, weil immer undifferenzierbarer: Sind das gerade reale, akustisch produzierte Geräusche? Oder täuscht das Ohr das Hirn und wir hören nichts weiter als die reine Elektronik? Weiter zu Suspended Cadences: Dessen erster Teil hat etwas fast Hymnisches dank seiner langgezogenen, ätherischen Drones, die auf der B-Seite der Platte ihre düstere Entsprechung finden und langsam verstrudeln. So beruhigend und leichter verdaulich das dichte Knistern der zweiten Platte ist – die Eindringlichkeit von Signaux erreicht es keineswegs.

     

    Fortsetzung folgt

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