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    TITEL kulturmagazin
    Mittwoch, 26. April 2017 | 19:38

    Randnummern, Underdogs und Grenzgänger (I)

    08.11.2012

    Raubeinig oder hauchzart: Von Neocrust bis Synthie-SciFi

    Dreckiger Hardcore, stereophiles Geknister oder abstrakte Tanzmusik? Hauptsache interessant, findet KRISTOFFER CORNILS und wirft einen Blick auf Randnummern, Underdogs und Grenzgänger.

     

    Die Wiedererweckung oder besser: Weiterentwicklung einer Spielart des schweren Hardcore-Punks der Jahrtausendwende, die unter dem Namen Neocrust bekannt wurde, setzte in Deutschland vor ein paar Jahren ein. Neben exzellenten Newcomern wie Throwers haben vornehmlich die mittlerweile pausierenden Alpinist und Planks den Karren (aus dem / in den Dreck?) gezogen und konnten das interessanter Weise deutlich auf Deutschland fokussierte Phänomen auch international wiederbeleben. Funeral Mouth, das neue Album des Mannheimer Trios Planks entfernt sich aber von der erdigen DIY-Ästhetik, wartet mit abgerundeter Produktion auf und lässt neue Stilelemente Einzug halten. Ähnlich wie die ebenfalls aus Deutschland stammenden Downfall Of Gaia kreuzen Planks auf ihrem Drittwerk Neocrust mit Black Metal. Planks steht das sogar einen Tick besser, die dezenten Dark Wave-Anteile tragen auch ihren Teil dazu bei. Die gelungene Mischung mündet (pardon) in einem grandiosen Album!

     

    Während sich Planks kontinuierlich entfalten und dabei den Blick auf ihre eigenen Einflüsse werfen, visieren andere das big picture an. Brautkleid braubt Breitklaud und, äh, Metal bleibt Metal. Obwohl, denkste: Lento nehmen die rostige Maschine auf ihrem dritten Longplayer noch gründlicher auseinander als noch auf dem 2011 erschienen Icon. Keine Verlegenheitsphrase, sondern die unabdingbare Realität dieser Platte: Hier wird Metal neu gedacht, Härte durch unübliche Stilmittel erzeugt und für massenhafte Überraschungen ist zwischendurch immer noch Platz. Denn zwischen Darkthrone-Gedenklicks, die über völlig vertrackte, zeitweise kontrapunktisch laufende Rhythmen sausen und der primitiven Urgewalt der Thrasher-Parts passt immer noch ein musikhistorisches Kopfnicken in Richtung Blues oder aber ein überraschender Querverweis auf Ambient und Drone, die neuen Spielwiesen des experimentellen Metals. Eine wahre Offenbarung, mit welcher Gewitztheit allürenlos Metal-Traditionen ineinander geflochten werden. Eine Wohltat für Geist und Nackenmuskulatur. Und definitiv eines der klügsten Metal-Alben der letzten Jahre.

     

    GUST tragen ihr Herz auf den Handknöcheln und reden nicht lange um den heißen Brei herum. Was sich im Plattentitel Fuck Life schon dezent andeutet, findet seinen Niederschlag auch in den Lyrics: »What difference does it make if I die?«, rotzt gleich der erste Song los, mit den Worten »no future for me / nothing to love« schließt der letzte. In einer Szene, die sich selbst so (malz- bis dosen-)bierernst ernst nimmt wie das im Hardcore der Fall ist, besteht eine noch unklarere Grenze zwischen aufrichtigem Gefühlsausdruck und dem abgeschmackten Runterleiern von genreüblichen Plattitüden. Dass man eine Band wie GUST trotzdem ernst nehmen kann liegt vor allem an deren musikalischen Fähigkeiten. Sieben Songs auf 24 Minuten brauchen die Vier aus Trollhättan (kein Scherz!), um mit ihrem schweren, an Zeitgenossen wie Deathrite und Goldust erinnernden Hardcore tendenziell nichts Außergewöhnliches in die Welt setzen, den aber eben außergewöhnlich gut drauf haben. Bonuspunkt für die Wikinger-Metal-Reminiszenzen!

     

    Apropos Lebensmüdigkeit: Reto Mäder ist wieder da! Dessen (Viert-)Projekt Sum Of R liefert mit ihrer dritten offiziellen Veröffentlichung ein Album ab, das ungefähr genauso viel Fröhlichkeit versprüht wie zuletzt Mäders andere Baustellen Ural Umbo und Pendulum Nisum. Nämlich gar keine. Gemeinsam mit Julia Wolf spinnt der Schweizer ein dichtes, morbides Netz aus sechs tiefschwarzen Tracks. Das hat mal die dröhnend-meditativen Qualitäten der besten SUNN O)))-Momente, sinkt mal in die okkulten Abgründe hinunter, wie sie Locrian in noisigem Black (oder auch: Bleak) Metal transzendieren. Ride Out The Waves erscheint auf dem jungen italienischen Label Storm As He Walks in einer nummerierten Vinyl-Auflage, die strikt auf 300 Stück limitiert ist. Am besten sollte man also schnell zugreifen und sich diesen Klang gewordenen Höllentrip fix ins Wohnzimmer holen, denn wenn dieses fantastische Album unbemerkt bleiben sollte, gibt es tatsächlich keine Gerechtigkeit mehr.  Was ja wiederum ein angemessener Grund zum Verzweifeln wäre.

     

    Toundra bleiben beharrlich auf Kurs und lassen auf das kürzlich erschienene Re-Release ihres zweiten Albums nun die Nummer III folgen. Wieder sind die spanischen Aloud Music Ltd. und das deutsche Label Narshardaa  gemeinsam an der Veröffentlichung beteiligt, die Schleswig-Holsteiner kümmern sich dabei vor allem um die ausgefallenen Vinyl-Varianten in allerlei Farben. III lässt und dort noch die durchsickern, dass die iberischen Post-Rocker die ungnädige Mittagssonne ihrer Heimat perfekt in Thrasher-ähnliche Refrains (ohne Hooklines, versteht sich – eine Instrumentalband sind sie geblieben) und fette Riffs packen können. Andererseits entdeckt das Quartett auch zunehmend sein Faible für Rührseligkeiten. Hier noch mal eine Akustikklampfe drauf packen, ein wenig bittersüße Streicher über den Mix schmieren und fertig ist ein Album, das sich in Sachen Sentimentalität mehr als einmal weit aus dem Fenster lehnt. Dann doch lieber die vergleichsweise trockenen Stampfer der Vorgängeralben.

     

    Veränderungen gibt es auch bei Blueneck. Knapp ein Jahr nach dem Release ihres exzellenten Albums Repititions folgt mit Epilogue nun eine Überraschung. Nicht nur fehlt die markante, für den typischen Sound der Post-Rock-Band aus Bristol nahezu essentielle Stimme Duncan Attwoods, auch regieren auf den acht neuen Tracks Vintage-Synthesizer den Klang. Das Album, das als Coda für die drei vorangegangenen zu verstehen ist, zeigt die Band von einer ganz anderen Seite. Statt des gewohnten Pathos, das in dezente Crescendi verpackt wurde, finden sich mehr Brüche ein, regiert zeitweise hauchzarte Beinahe-Stille das gesamte Bild. Mehr noch als zuvor steht bei Blueneck nicht der einzelne Track, sondern das Album als solches im Mittelpunkt des Interesses. Das ist nur sinnig, schließlich erzählt Epiloque auch eine Science-Fiction-Geschichte. Welche, das will die Band nicht verraten. Dass dieser aber eine packende musikalische Reise zur Seite gestellt wird, das steht fest. Und, ach ja: Das nächste Blueneck-Album steht bereits für 2013 in den Startlöchern. Diesmal wird Attwood wieder singen.

     

    Fortsetzung folgt!

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