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    TITEL kulturmagazin
    Mittwoch, 26. April 2017 | 19:37

    Borealis: Voidness / Praezisa Rapid 3000: 314159265 / Kid606: Lost In The Game / DJ Stingray: Psyops For Dummies / Fennesz: Fa 2012 / Morgan Zarate: Broken Hear

    04.10.2012

    Elektroecke II

    Frisch, schluffig, modern, traditionsbewusst gekonnt oder angestrengt – KRISTOFFER CORNILS hat wieder mal in der Elektroecke rumgewühlt und ist auf neue Releases Morgan Zarate, Praezisa Rapid 3000, Borealis, Kid606, DJ Stingray und Fennesz gestoßen. Alles außer Kirmestechno.

     

    UK ist in – immer noch. Obwohl die Musikszene der Insel schon seit Beginn die Welt der elektronischen (Tanz-)Musik mit immer wieder neuen Impulsen versorgt, führt seit den letzten 15 Jahren definitiv kein Weg mehr um die vielseitige Szene des Landes herum. Vor allem Dubstep – der bis in die USA herüber streute und dort in einer pervertierten, stadionaffinen Version mittlerweile einen Siegeszug feiert – und Grime werden allerseits als die letzten großen Innovationen gefeiert. Der Roster des Londoner Labels Hyperdub, angeführt von Steve Goodman alias Kode9, wartet mit den innovativsten und erfolgreichsten Vertretern des britischen Sounds auf. Burial veröffentlicht hier, Zomby und Martyn (der allerdings: Niederländer), Kind Midas Sound (eines der Pseudonyme Kevin Martins, der sich vor allem als The Bug einen Namen gemacht hat) – der Labelkatalog liest sich wie ein zwar nicht umfangreiches, aber eben eklektizistisch kuratiertes Who-is-who einflussreicher, zukunftsorientierter Tanzmusik.

     

    Morgan Zarate veröffentlichte bereits vor einem Jahr eine 12“ auf Hyperdub und lässt mit Broken Heart Collector eine weitere folgen. Aus dem Nichts kommt das Mitglied von Spacek sicherlich nicht, versucht sich unter neuem Namen nun aber an anderen Sounds. Der Titeltrack überrascht zum Beispiel mit Gesang: Sängerin Stevie Neal verfeinert den auf Hochglanz polierten, massiven Dubstep-Track mit rauchigen R’n’B-Hooklines. Der Mix aus instrumentalem Bombast und Ohrwurmpotenzial dürfte im Radio gut funktionieren, hat für sich gesehen aber wenig Halbwertszeit. Der Grime-beeinflusste Crey Bey reißt das aber sofort raus: Trillerpfeife raus, Pille rein – Warehouse-Party! Quasi unmöglich, da nicht mitzugehen. Als Bonus gibt es noch eine alternative Version des Titeltracks, bei dem Neals Leadgesang fehlt und nur hintergründige, wortlose Vocals über den Beats flattern – macht wesentlich mehr Sinn und Laune!

     

    Post-Dubstep hinter vorgehaltener Hand

    Was ist denn das – haben sich The Books wieder berappelt und legen nun unter neuem Namen eine Platte vor? Auch wenn es der Albumauftakt mit seinen durcheinander gewürfelten Sprachsamples und den lässigen Gitarrenakkorden vermuten lässt – nein, Praezisa Rapid 3000 haben mit den Books nichts zu tun. Obwohl sie genauso gern sampeln, die Genres ineinanderfließen lassen und dabei noch verdammt catchy sind. Die akustischen Sounds, Cut-Up-Vocals und verqueren Rhythmen ziehen sich als roter Faden durch das Debütalbum des Leipziger Trios. Bei der Methodik hören die Gemeinsamkeiten auch fast schon wieder auf – Praezisa Rapid 3000 verlegen sich eher auf elektronische Elemente, auch wenn die etwas versteckt daherkommen.

     

    Neben Jazz-, Post-Rock- und unverschämt einlullenden Pop-Tunes bestimmen vor allem subtile Beats das Bild. Post-Dubstep hinter vorgehaltener Hand, mal in smoothen Hip Hop abdriftend, mal beinahe Ambient-Charakter annehmend. Hört sich wesentlich weniger angestrengt an, als es sich schwarz auf weiß lesen mag: Das Album mit dem enigmatischen Titel 314159265 macht kleine, genau richtig kalkulierte Sprünge, sorgt für Abwechslung an jeder Ecke und streng sich doch keinen Deut an. Gekonnt! Ein post-modernes Feuerwerk, das auch einen Gang herunterschalten kann, ohne je nachzulassen. Unverdienterweise muss man wohl von einem Geheimtipp sprechen – sicherlich nicht mehr lange.

     

    Sargnagel

    Wo wir eh dabei sind: (Post-)Dubstep forever! Oder zumindest bis Ende nächster Woche oder übermorgen vierzehn Uhr oder heut Abend bis vor der Tagesschau. Borealis liefert mit »Voidness« einen weiteren Beweis dafür, dass mit dem Erfolg des Genres eine Menge lahmer Trittbrettfahrer den Ring betreten haben. Nachdem letztens schon Kane Ikins Sublunar mit geisterhaftem Geknister und schluffigen Beats latent angeödet hatte, setzt Jesse Somfay (auch als Flourish unterwegs) unter neuem Pseudonym noch einen drauf. 19 quälend lahme Tracks, die einerseits von den sphärischen Klängen der Tri Angle-Clique und andererseits vom Sound des britischen Dubstep-Heroen Burial beeinflusst sind – ein Stück heißt sogar To hear her burial, Zufall? – aber deren Feingefühl in Sachen Arrangement arg vermissen lassen.

     

    Uninspiriert stolpert die Bassdrum durch die statisch rauschende Klangkulisse, über der Vocalsamples von einer Ecke des Raums zur anderen gepitcht werden. Das Wort nostalgia lässt sich auf Crimson Purple trotzdem noch deutlich vernehmen, man könnte ja dank tagesaktuellem Diskurs – die deutsche Übersetzung von Simon Reynolds' Retromania erscheint schließlich die Tage – noch eine popkulturell gebildete Hörerschaft abholen. Hin und wieder glückt Borealis die Flucht nach vorn, setzen sich geradlinige Rhythmen zwischen das lustlose Gewobbel und ein wenig Dynamik erscheint als Hoffnungsschimmer am Horizont. Straight steht Somfay eindeutig besser als Step. Auf ermüdende 75 Minuten gestreckt ist Voidness jedoch kaum mehr als nur ein weiterer bedrohlicher Sargnagel für das frisch gezimmerte Erdmöbel, in welches das Genre Dubstep von einer ideenlosen Produzentenschar gequetscht wird. Für ein wenig Zukunftsperspektiven also besser zu Praezisa Rapid 3000 greifen.

     

    Die Hoffnung stirbt zuletzt

    Apropos Tri Angle-Sound: In diese Richtung hatte sich Kid606 alias Miguel de Pedro bereits mit seiner EP LSDMTB303 bewegt. Auf seinem ersten Album seit 2010 – sein viertes Release dieses Jahr – breitet er deren ätherische Klangästhetik auf LP-Länge aus. Keine gute Idee. Denn wie es sich schon auf einigen Tracks der vorangegangenen EP angedeutet hatte, kann der Venezolaner mit Waber-Chords, hip-hop-lastige Downtempo-Beats und trübe funkelnden Synthie-Melodien kaum Spannung erzeugen. Den Tracks scheint immer etwas zu fehlen, seien es rhythmische Gewandtheit, ein wirklich interessanter Beat oder interessante Harmonien. Auch Blödel-Titel wie Godspeed You African American Emperor (auf welche Band hier wohl angespielt wird?) und Night Club vs Book Club machen den Braten beziehungsweise Lost In The Game nicht fetter respektive kurzweiliger. Ein zähes Album, das nur dann wirklich Tempo aufnimmt, wenn die Roland 303 angeschmissen wird und die Hi-Hats synkopisch loszischen – was leider viel zu selten geschieht. Die Hoffnung stirbt aber bekanntlich zuletzt: Kid606 steht ja schließlich für abrupte Stilwechsel und notorisches Genrebending: Das nächste Album dürfte wieder ganz anders aussehen. Hoffentlich.

     

    Traditionsbewusster Sound und modernes Medium

    Genug mit der Zeitgenossenschaft, tauchen wir in die Vergangenheit ein: Sherard Ingram trägt sein maritimes Pseudonym DJ Stingray nicht zu Unrecht. Der Detroiter Produzent verbindet schließlich eine lange produktive Zusammenarbeit mit  Gerald Donald, der einen Hälfte des legendären Electro-Duos Drexciya. Die fantasierten sich in den Neunzigern eine vom leichtfüßigen Backbeat und crispen Klängen getragene Fantasieunterwasserwelt zusammen. Drexciya klangen steril im besten Sinne des Wortes – ein Sound, für den Donald alias unter anderem Arpanet und auch DJ Stingray heute noch einstehen. Vormals eher als – nomen est ja schließlich omen – DJ und als Kollaborateur aktiv, widmet er sich seit 2008 intensiv seiner Solo-Karriere und veröffentlicht eine EP nach der nächsten.

     

    Die neueste, Psyops For Dummies, erscheint nun als USB-Stick. Traditionsbewusster Sound und modernes Medium geben sich hier die Klinke in die Hand: Verstaubt klingen die vier düsteren, deepen Tracks keineswegs. Im Gegenteil, denn verglichen mit den überwiegend faden Tracks von Borealis und Kid606 entwickelt Ingram einen mitreißenden Drive – abrupte Tempowechsel, eine fette Bassdrum und ätzend-psychedelische Melodien verzahnen sich und gehen mit vollem Groove nach vorn. Ein durchdachter, perfekt produzierter Ritt. Trippy, höchst technoid, absolut fantastisch. Und, ohne die großen Schatten der Stifterfiguren herauf beschwören zu wollen: Wem DJ Stingray gefällt, sollte sich unbedingt die umfassende Werkschau Drexciyas zulegen, die vor Kurzem auf Clone erschienen ist.

     

    Appetizer, aber: Nicht verpassen!

    Lieber Christian Fennesz, es reicht langsam mit den Teasern! Nach einer EP vor gut einem Jahr , einer Kollaboration mit SAKAMOTO Ryuichi und dem Soundtrack zu Edgar Honetschlägers Film AUN – The beginning and the end of all things  folgt immer noch kein neues Studioalbum. Dafür aber eine 12" mit einem recycelten Track. Mehr als ein lauwarmer Tropfen Trost auf dem heißen Stein: Nicht nur wird parallel zu diesem weiteren Appetizer eine neue LP für 2013 angekündigt – Fa 2012 hat es auch noch in sich! Auf dem Debütalbum des Österreichers, Hotel Paral.lel, noch etwas mehr als viereinhalb Minuten lang, spielt sich der Track nunmehr bei der Neun-Minuten-Grenze ein; eine zeitliche Dopplung, die besser funktioniert als noch im Original. Hinzu kommt eine aufwändigere Produktion, die dem Stück mehr Druck verleiht und fertig ist eine Ambient-Techno-Nummer, die sich auch 2012 noch sehen lassen kann.

     

    Das klare Highlight jedoch ist die Remix-Version des Stücks. Niemand geringerer als Mark Fell – der mit seiner Sensate Focus-Reihe ja bereits die herkömmlichen Traditionen elektronischer Tanzmusik auseinandernimmt – hat Hand angelegt und fördert ganz neue, wesentlich fetzigere Qualitäten zutage. Fell lässt die Bassdrum rumpeln und rattern, hysterische Synthie-Sounds konterkarieren die zerrigen, warmen Drones, die die Fennesz-Version so prägen. Martin Luther King kommt mit seiner berühmten Rede vom 28. August 1963 auch noch zu Wort – aus welchen Gründen auch immer. Der dichten Atmosphäre ist das zumindest ungemein förderlich. Ein Appetizer, zweifellos – aber einer, den man nicht verpassen sollte!

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