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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 18. August 2017 | 23:59

    Francesco Tristano: Long Walk / David Helbock: Purple / Benedikt Jahnel Trio: Equilibrium

    27.09.2012

    Piano, Piano

    Schwarz/Weiß die Tasten, das Denken nicht. Inspirierende Piano-Alben, gehört von TOM ASAM.

     

    Arbeitete Francesco Tristano mit seinem fantastischen Album Indiosynkrasia aus dem Jahre 2010 noch daran, den Denkreflex »Piano-Klassik« zu unterbinden, indem er bewies, dass das Tasteninstrument auch in clubtauglichen Zusammenhängen funktioniert, kehrt er mit Long Walk scheinbar um Richtung Klassik: Tristano plays Buxtehude/Bach/ Tristano. Doch wenn sich Tristano des Barock annimmt, dann um die Musik in die Jetztzeit zu transportieren und ihre Vitalität neu unter Beweis zu stellen. Der Titel Long Walk bezieht sich auf einen 400 Kilometer langen Fußmarsch, den Johann Sebastian Bach 1705 auf sich nahm, um Dietrich Buxtehude bei seinem berühmten Orgelspiel in Lübeck zu hören. Eine Reise, die sich lohnte: aus einem Konzertbesuch wurde ein dreimonatiger Studienaufenthalt – Buxtehude, bedeutender Komponist des deutschen Frühbarock, wurde Bachs Lehrer und beeinflusste dessen musikalisches Schaffen nachhaltig.

     

    Für seine Interpretationen von Schüler und Lehrmeister scheute Tristano keine Mühen. Wegen ihrer besonderen Resonanzqualitäten wurde die Kyoto Concert Hall ausgewählt, bespielt wurde ein Yamaha CFX Konzertflügel – ein Hightech-Instrument – dessen Klang mit 12 Mikrophonen unterschiedlicher klanglicher Charakteristik eingefangen wurde. Tristanos Leben in verschiedenen musikalischen Welten bedingt auch einen speziellen Zugang zur Musik des Barock. Er akzentuiert sich wiederholende rhythmische Motive und verdeutlicht abrupte Übergänge zwischen Abschnitten durch geradezu geometrische Präzision. In seiner Interpretation der Aria La Capricciosa, Buxtehudes umfangreichstem Stück für Tasteninstrumente, bringt er die eigenartige 32-fache Variation über eine Volksmelodie (Kraut und Rüben) deutlich zum Ausdruck und schlägt mit der fast hypnotischen Wirkung der Wiederholung doch wieder die Brücke zur elektronischen Tanzmusik und der Praktik des Loops. Eine erst 1974 gefundene, heute als BWV 1807 bekannte Appendix besteht aus 14 Kanons über die ersten acht Basstöne der Aria. Diese Miniaturen hat Tristiano in seiner Komposition Long Walk kombiniert, um eine weitere technische Brücke zwischen den Welten der Musik zu verdeutlichen: Heute nennt man so etwas Remix. Eine weite Reise in den Barock und zurück, die sich lohnt.

     

    Während die künstlerische Suche nach Verbindungen zwischen Klassik und elektronischer Tanzmusik noch eher selten zu finden ist, hat die Verknüpfung von Pop/Rock und Klassik/Jazz eine größere Tradition – auch mit vielen zweifelhaften Ergebnissen. So dürfte auch die Ansage von David Helbock, Hits von Prince auf dem Piano wiederzugeben, zunächst für gewisse Zweifel sorgen. Die kann man aber sogleich beiseite schieben; wir haben es hier nicht mit mediokrer Übertragung von Popkonsens in Dinner-Begleitmusik mit nettem Wiedererkennungs-Aha zu tun. Der junge Mann unter der Wollmütze ist ein Enfant terrible des jungen europäischen Jazz mit dem Willen, Klangkonstellationen jenseits des Offensichtlichen und Erwartbaren zu schaffen. So verzichtet er etwa in seinem David Helbock Trio auf einen herkömmlichen Bassisten – zugunsten einer Bass-Ukulele. In seine Band Random/Control kommen Blech- und Holzbläser zu einem ungewöhnlichen Rendezvous. Kein Wunder also, dass auch Purple weder plumpe Adaption noch fingerzeigend-sophisticated Jazz beinhaltet. Helbock wählt zwar vorwiegend Hits aus dem Prince-Songrepertoire aus, schafft es aber auf ganz individuelle Art, diese zu entschlacken und neu aufleben zu lassen. Trotz der Konzentration auf die Substanz bleibt der Zauber der Originale erhalten. Allerdings funkelt es an anderen Stellen, der Witz und die Kraft der Originale leuchtet in völlig anderen Klangwelten auf. Chapeau – bzw. Mütze!

     

    Das Benedict Jahnel Trio fand vor einigen Jahren in New York zusammen. Neben den deutschen Pianisten Jahnel, der auch Teil von Cyminology ist und mit Musikern wie Johannes Enders oder John Abercrombie zusammenarbeitete, gehören Drummer Owen Howard (US) und der Spanier Antonio Miguel am Bass zur kleinen Einheit. Der Titel ihres zweiten Albums, Equilibrium, ist bewusst gewählt – er bedeutet: Gleichgewicht. Es herrscht Gleichgewicht zwischen subtilen klassischen Einflüssen und Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Konzepten von Groove, was sich vor allem in Jahnels Interesse an rhythmischen Feinheiten äußert. Gleichgewicht kann man auch zwischen (von Jahnel) komponierten Anteilen und Improvisation erkennen. Wobei er Improvisation in erster Linie als gemeinsame Leistung der Gruppe definiert. Anstatt über die Begleitung der Mitmusiker am Piano zu improvisieren, werden entsprechende Abschnitte gemeinsam entwickelt. Idealerweise erkennt der Hörer kaum noch, wo die Improvisation anfängt und endet. Improvisation dient hier der gesteigerten Kreativität innerhalb des Gruppenkollektivs, das letztlich auch zwischen Song und Sound ein ausgewogenes Gleichgewicht herstellt. Teil des Soundaspekts ist hierbei – wie bei ECM üblich – die diesbezügliche Vorstellung von Manfred Eicher, der dieses Album in Lugano produzierte.

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