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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 23. Juni 2017 | 21:09

    Locrian & Christoph Heemann: Locrian & Christoph Heemann / Alex Durlak: Seconds / Stephan Mathieu: Coda / Kane Ikin: Sublunar / iO: Flamenco Abstractions

    27.09.2012

    Klanglabor V

    Black Metal, Beethoven-Interpretationen und Flamenco. All das und noch mehr ist seziert, auseinandergelegt und neu zusammengefügt worden von Locrian & Christoph Heemann, Alex Durlak, Stephan Mathieu, Kane Ikin und iO. KRISTOFFER CORNILS‘ Laborbericht, die Fünfte.

     

    Locrians Erfolg ist ein schleichender, aber schier unaufhaltsamer. Das US-amerikanische Trio (dessen Drummer Steven Hess auch bei Ural Umbo aktiv ist) veröffentlicht ein Album nach der nächsten. 2012 scheint neben einer Neuveröffentlichung des letzten Albums The Clearing mit einer Menge Bonusmaterial von Split-Releases dominiert zu werden: Nachdem sie letztes Jahr bereits mit den Grusel-Psychedelikern von Horseback zwei gemeinsame Platten veröffentlichten, erschien dieses Jahr eine monumentale Doppel-LP gemeinsam mit Mamiffer (mit unter anderem Ex-Isis-Mastermind Aaron Turner) und nun eine Kollaboration mit dem Experimental-Urgestein Christoph Heemann.

    Das auf je 500 CDs und LPs limitierte Release trägt eher die Handschrift des amerikanischen Trios als des deutschen Soundmanipulateurs: Bis zum Punkt der absoluten Abstraktion zerfaserter Black Metal, hier und dort ergänzt durch Tape-Rauschen, schnarrende Akustikgitarren, verwässerte Pianoklänge und rituelle Chants oder quälendes Geschrei. Fünfzig Minuten Freudlosigkeit, vier Tracks voller Mystik, Terror und Morbidität. Vielleicht nicht die beste Platte in den umfassenden Diskografien der beteiligten Musiker, auf jeden Fall aber der perfekte Soundtrack für eine nächtliche Kerzenlichtsession mit einer Flasche Rotwein und Lautréamonts Les Chants de Maldoror.

     

    Nahezu symphonisch

    Mit Literatur beziehungsweise Druck und Publishing hat auch Alex Durlak zu tun. Kümmert er sich gerade nicht um seinen Print Shop Standard Form in Toronto, Kanada, veröffentlicht er auf dem dazugehörigen Label und anderswo Musik. Seine neue EP Seconds erscheint nicht wie andere Arbeiten von ihm exklusiv digital oder auf CD, sondern auf einer einseitig bespielten Schallplatte, deren Rückseite eine Kurzgeschichte des englischen Schriftstellers und Esoterikers Algernon Blackwood ziert. 20 ½ Minuten dauert der Track, der als dritter Teil einer Serie zu verstehen ist, deren ersten beiden Teile, Catalyst und Lowing, bereits vor zwei Jahren erschienen. Wie auch bei den Vorgänger-EPs hat Durlak Gitarren-Improvisationen durch Granularsynthese und andere Verfremdungstechniken soweit bearbeitet, bis er eine vielschichtige, mehrstimmige Drone-Komposition zusammenhatte. Seconds wallt auf und ab, stockt und verfällt von einer Sekunde auf die andere in ein brutales Stakkato, nimmt dann wieder einen milden, sphärischen Anlauf in klangliche Breiten. Ein spannendes, nahezu symphonisches Stück, das liebevoller Aufmachung daherkommt.

     

    Hauntologisch

    Auch Stephan Mathieu liefert mit Coda (For WK) eine EP ab. Diese ist als musikalisches Nachwort zum 2011 erschienenen Album A Static Place gedacht. Das 20minütige Stück bezieht sich aber aus einer anderen Quelle als dem Album deren Coda, somit also Ergänzung und Zusammenfassung zugleich, es darstellen soll. Zwei Grammofone und eine Doppel-LP mit einer Beethoven-Interpretation durch den Pianisten Wilhelm Kempff aus dem Jahre 1927 waren Mathieus Ausgangspunkt. Der Saarbrücker erweckt mittels eines Computers das Material selbst zu einem bizarren Eigenleben singen. Der gravitätische Sound klingt zumindest, als hätte man all die klanglichen Idiosynkrasien – Knacken, Rauschen, Schleifen, und so fort – des Materials eingefangen, mehr noch als die Musik Beethovens oder Kempffs Interpretation derselben. Das Modewort, mit dem so ein Sound beschrieben werden kann, lautet hauntologisch, ein Begriff, der auf den französischen Philosophen Jacques Derrida zurückgeht. Als Portmanteau aus to haunt (spuken) und dem Suffix –ologie klingt es in dessen Muttersprache genauso wie Ontologie – der Lehre des Seins. Toter Spuk und lebendiges Dasein gleichzeitig – das fasst Mathieus Coda (For WK) ebenfalls in Klang. Eine schöne, gänsehautfördernde Widmung

     

    Sonischer Overkill

    Mit Kane Ikin bewegen wir uns wieder in strukturell übersichtlicheren Regionen. Als eine Hälfte des australischen Duos Solo Andata produziert der Australier bereits Ambient-Tracks mit unaufdringlichen Beats, sein Solo-Output knüpft hier an. Die jazzigen Töne hat er jedoch ebenso wie die gelegentlich in der Musik seines Hauptprojekts auftauchenden Gitarrenklänge geopfert, um Rauschen, Knistern und vereinzelt sogar Chorälen Raum zu lassen. Mal verhaltene, mal aggressivere Beats im Downbeat-Tempo sorgen dafür, dass das Klangerlebnis aufgepeppt und durch einen roten Faden zusammengehalten wird. Reminiszenzen an Elektronik-Mystiker wie Burial oder Demdike Stare lassen sich nicht vermeiden, auf Augenhöhe bewegt sich Kane Ikin aber keineswegs.

     

    Für Sublunar, wie der verklärte Titel des Debüts lautet, hat er sich durch verschiedene Synthesizer gewühlt, alte Singles aus dem Fundus seines Großvaters herausgekramt und verwendet und noch viel mehr Sounds kombiniert, geschichtet und übereinandergestapelt. Das ist einfach zu viel des Guten. Was sich bei Mathieu noch organisch ergibt, das unheimliche Grundgefühl, die hauntologische Qualität, das wirkt bei Ikin forciert und übertrieben. Und die schlaffen, etwas uninspirierten Rhythmen holen Sublunar leider auch nicht mehr aus dem Keller – über viel zu langwierige 53 Minuten tröpfeln die Tracks uninspirierend dahin. Ein sonischer Overkill ohne Dynamik, Spannung oder wirklich interessante Ideen.

     

    Quer durch die Stereowelt gejagt

    Einen spannenden Grundgedanken kann man David Font und Jose Luis Rodríguez nicht absprechen. Wie der Titel bereits andeutet, geht es auf Flamenco Abstractions um die Beschäftigung mit, ja sogar der Transzendierung eines bestimmten Stils. Etwas Ähnliches hatte Font bereits im Vorjahr mit Mbira-Spieler Andrew Mark ausprobiert. Auf dem eigenen Label, Elegua Records versucht sich der aus Miami stammende Musiker an einer eingreifenden Musikethnologie. iO fragt nach der Substanz eines Musikstils, fordert aber auch gleichzeitig dessen Abstraktion und damit Verfremdung ein. Der organische Sound von Rodríguez‘ Gitarre trifft auf Fonts Bearbeitungsmittel, die sich vor allem auf Reverb verlassen. Die filigrane Virtuosität des Gitarrenspiels des Andalusiers wird quer durch die ganze Stereowelt gejagt – mehr aber auch nicht. Mit Abstraktion hat das leider wenig zu tun. Und so scheitert der Versuch, den folkloristischen Stil mit modernen Produktionsmitteln zu vereinen. Keine gelungene Synthese, eher eine selbstgefällige Spielerei präsentiert Font hier, ein wenig studiotechnischer Hokuspokus ohne Substanz. Nicht einmal ansatzweise so gelungen wie die Büyükberber Variations des Italieners Emanuele de Raymondi, die einen ähnlichen Ansatz verfolgten.

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