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Sonntag, 26. März 2017 | 00:34

Cosmo Jarvis: Think Bigger

13.09.2012

Never mind cool

Der 22-jährige Wirbelwind aus Devon mit seinem zweiten kompletten Album in Jahresfrist. Da staunt TOM ASAM.

 

Der in den USA geborene, in England aufgewachsene Cosmo Jarvis, scheint rund um die Uhr ein Instrument in der Hand zu haben – oder eine Kamera. Schon als Jugendlicher schrieb er Unmengen von Songs und machte Kurzfilme, bei denen er sich auch gerne vor der Kamera tummelt. Passendes Motto seines neuen Albums: Think Bigger. Mach dein Ding, zieh es durch, schau nach vorne! Die Musikindustrie mit ihren Erwartungen und Spielchen interessiert ihn nicht wirklich. Genauso wenig irgendwelche stilistischen Einschränkungen oder Trends. Fuck »cool«!

 

Jarvis wandelt auf den Spuren des Brit Hop, bringt eine schnoddrige Punkattitüde mit ein oder huldigt der bluesigen Gitarre. Alles ist denkbar, dabei entsteht oft auf den ersten Eindruck leicht zugänglicher, den Tag versüßender Pop. Freilich mit kleinen Wachmachern. Auf ein Singalong im Radioformat folgt da schon mal ein Break mit heftigem Gitarrengewitter, das dann in Streicher übergeht, um nach einem weiteren Break in den schmissigen Refrain zurückzukehren.

 

Öfter als auf dem Debüt gibt es auf Think Bigger die Variante »Singer/Songwriter entdeckt Alt-Country-Vorlieben« zu entdecken. Von elegischer Schönheit ist das ergreifende The Girl from My Village, in dem sich Cosmo ereifert, dass das nette Mädel aus der Nachbarschaft jung verstorben ist, irgendwelche Drecksäcke aber partout nicht abkratzen wollen. Auffallend auch der großmäulige Folkabilly-Track Sunshine. In den Texten geht es vielfach um die Frage, wie viel Anpassung nötig ist; wie sehr man sich verbiegen soll, um irgendwelchen Anforderungen zu entsprechen. Wie viel Individualität ist möglich, ohne zum egotripping Asshole zu verkommen?

 

Jarvis bleibt abwechslungsreich und begnügt sich nicht mit dem Versuch, der neue Mike Skinner zu werden. In der zweiten Septemberhälfte auf ausgewählten deutschen Bühnen zu bestaunen – es lohnt aber auch, einige Zeit auf seiner Myspace-Seite zu verweilen.

 

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