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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 23. Juni 2017 | 21:09

    Collapse Under The Empire: Fragments Of A Prayer / Caspian: Waking Season / Instrument: Olympus Mons / The Unwinding Hours: Afterlives

    13.09.2012

    Status Post-Rock

    Wenn im Nachleben die Wachsaison anbricht, wird der Olympus Mons bestiegen, bevor alles unter dem Imperium zusammenbricht. Hä? Achso, klar: Herbstanfang, die Post-Rock-Platten flattern dutzendweise ins Haus. KRISTOFFER CORNILS hat die neuen von Collapse Under The Empire, Caspian, Instrument und Caspian gehört und berichtet über den Status Post-Rock.

     

    Schwierig, eine Geschichte ohne Worte zu erzählen. Collapse Under The Empire versuchen es trotzdem und fügen, nur ein Jahr nach ihrem zweiten Studioalbum, mit Fragments Of A Prayer ihrer – für eine erst 2007 gegründete Band bereits stattliche – Diskografie einen weiteren Eintrag hinzu. Wie auch auf Shoulders & Giants, dem ersten Teil eines Diptychons, welches 2013 durch Sacrifice & Isolation komplettiert werden soll, versuchen die beiden Hamburger mit Songtiteln, die eine vage Deepness implizieren, ein kleines Narrativ zu skizzieren. Fragments Of A Prayer hält musikalisch aber leider nicht ein, was die Tracknamen in ihrer epischen Breite andeuten. Ein Kardinalproblem der Post-Rock-Szene, in der zügellose Esoterik zum Alltagsgeschäft gehört, und welches im Falle von Collapse Under The Empire erneut evident wird.

     

    Knackiger Songlängen und sorgsam arrangierter Soundscapes zum Trotz geht auf den zehn Tracks jede Form von Spannung schnell flöten. Da können sich die wirbelnden Gitarrenmelodien noch so schmeichelhaft an die Wohlfühlrezeptoren schmiegen – Collapse Under The Empire fehlt der notwendige Sound, um wirklich überzeugen zu können. Beispiel Breaking The Light, dessen zerrige und trotzdem dünn klingende Gitarrenriffs von unmotiviertem Klaviergeklimper und harmlosen Beats unterlegt wird. Beispiel When Dawn Fades Away, dessen Streicherloops schmerzhaft unorganisch klingen. Sein Potential kann man Fragments Of A Prayer nicht absprechen, und gewisse cineastische Momente gibt es zuhauf – aber die sterilen Studiobedingungen hört man der Musik von Chris Burda und Martin Grimm nichtsdestotrotz noch an. Die gehen bekanntlich ungern auf Tour, sollten sie aber vielleicht, offenbart sich spannungsloses Songwriting doch am besten von der Bühne aus. Einsicht wäre der erste Schritt zur Erkenntnis.

     

    Kongeniales Sounddesign

    Besser machen es da Caspian. Die sind schon einige Weile dabei – die erste EP erschien 2005 – und mussten sich anfangs dagegen wehren, als Explosions In The Sky-Rip-Off verschubladet zu werden. Was schneller als von Skeptikern angenommen gelang. Mit seinem brillanten Sound und einer packenden Dynamik war die Anfang des Jahres veröffentlichte Live At The Old Church nicht nur ein warmer Sommerregen fürs Ästhetikempfinden, sondern soll auch als Wendepunkt verstanden werden. Auf den kleinen Konzert-Querschnitt folgt nun mit Waking Season ein Album, das anders sein soll. Zuerst jedoch klingt Waking Season erstaunlich konservativ: Der die Platte eröffnende Titeltrack nimmt einen Anlauf als Wahnsinnscrescendo, das die Nerven zusammenziehen lässt. Der kathartische Moment – leises Interimsgedudel, von einer fetten Breitseite effektschwangerer, zerriger Riffs gefolgt, so will es zumindest die Konvention – bleibt aber aus. Waking Season endet fast mitten im Takt, unvermittelt, wie versehentlich abgeschnitten. Der nächste Song nimmt seinen fiebrig-fluktuierenden Anfang und holt die Dynamik des Albums wieder auf die Horizontale zurück.


    So geht es weiter durch zehn satte Tracks, die alle ein wenig anders sind, als man es von Caspian gewohnt ist. Ein wenig. Die Neuerungen im Sound der fünf Musiker sind zaghafte. Einerseits, weil Waking Season immer noch die deutliche Handschrift einer Band trägt, die sich vor allem auf ausgetüfteltes, kongeniales Sounddesign mit viel Raumtiefe und gefühlten tausend verschiedenen Klangschichten eingeschossen haben. Eine absolut organische Produktion, die unter anderem mit Field Recordings arbeitet und an der sich Collapse Under The Empire durchaus etwas abschauen könnten. Andererseits bedeuten die vertrackten Drums, die dezent eingesetzte Elektronik und auch die ersten wirklichen Vocals – durch den Vocoder gejagt und somit auch beinahe instrumentell klingend – keine sonderliche Innovation in dem Genre, zu dem Caspian wohl oder übel gezählt werden müssen. Kein unvermittelter Bruch in der Diskografie also, sondern ein filigran gezogener Bogen, der stellvertretend eine neue Richtung vorgibt. Waking Season überzeugt vor allem als auditives Erlebnis, macht aber auch Hoffnung auf mehr.

     

    Ambitioniert-slackerhaft

    Instruments Einflüssen ist leicht beizukommen: Dass sie mit Motorpsycho eine Vorliebe für freiförmigen, angebluesten Prog teilen, geben sie offen zu. Übertreiben tun sie es jedoch nicht, sondern leben ihre freiförmige Ader in verträglichen Dosen jenseits packender Refrains vor. Während die – nomen es omen – weitestgehend instrumental sind (und genau so bestens funktionieren) schleichen sich doch auch mal verhaltene, Pavementeske Hooklines über die von den frühen Tortoise inspirierten Rhythmen ins Bild. Ein Überhit wie Doing Nothing Is Art trägt viel zum vielseitigen Gesamtsound der bayerischen Band bei und ist einer der Hauptgründe dafür, dass Olympus Mons nur schwerlich ungestoppt durchläuft – der Finger schwebt schon beim ersten Refrain auf der Repeat-Taste. Dazu gesellt sich ein ausgewogenes Verhältnis von Schönheit und Härte, das zuweilen die Vermutung nahelegt, der Bandname sei eine Hommage an die berühmte Fugazi Live-Dokumentation


    So einfach sich die etwaigen Referenzen herauspicken lassen, so leichtfüßig vereint das Quartett die Traditionslinien, aus denen sich seine Musik herschreibt. Jederzeit knackig bis übertight, ohne Smartness vermissen zu lassen, ambitioniert-slackerhaft (gibt’s, wirklich!) große Hits aus dem Ärmel schütteln, die sich zuweilen erst nach und nach als solche entpuppen und außerdem eine ansteckende Spielfreude verkörpern. Liebevoll gemachte Musik, die neben der CD-Version auf The Instrument Village noch eine nicht minder liebenswürdige Verpackung durch Kapitän Platte erhält – strikt limitiert, handnummeriert und ein volles (!) Rabattmarkenheft gibt’s auch noch obendrauf. Olympus Mons ist mit Sicherheit eines der relevantesten hiesigen Indie-Releases des laufenden Jahres. Post-Rock kann endlich wieder Groove, Funk und Schalk im Nacken haben. Wurde auch Zeit. Nicht zu verpassen! Wie steht’s so schön im Promo-Text: »Anspieltipp: Alles.« Nagel, Kopf – Sie wissen schon…

     

    Herzschmerz-Post-Rock mit Pop-Appeal

    Was übrigens Referenzen angeht, füllt in Hinsicht auf The Unwinding Hours vor allem den Raum aus: Aereogramme. Nicht von ungefähr, machten Craig B. und Iain Cook doch fünfzig Prozent des Line-Ups aus. Die schottischen Post-Rocker mit einem Hang zu melodramatischen Indie-Rock hinterließen bei ihrer Trennung 2007 nicht nur ein Meer von Luftballons, sondern auch ein Loch in der Musiklandschaft. Kaum eine Band aus der Szene ließ ein dermaßen erträgliches Pathos auf seine Hörerschaft los, konnte selbst aus sechsminütigen Songs noch Ohrwürmer zaubern und mit zuckersüßen Vocals die Nackenhaare zum Vibrieren bringen. Ein schweres Erbe? Vielleicht. Zumindest eins, an das B. und Cook nahtlos anknüpfen, ohne allen Fanbedürfnissen Honig um die Bartstoppel zu schmieren.


    Jetzt also The Unwinding Hours, die mit Afterlives bereits ihr zweites Album am Sound der alten Band andocken lassen. Vor allem der Gesang Craig B.s trägt seinen Löwenanteil dazu bei, dass die auch für die Tracks wohl oder übel als Folie herhalten muss. Gräbt man etwas tiefer, gibt es jedoch einige Unterschiede auszumachen. Wo früher noch eine Rhythmussektion hinter den beiden stand, machen sich nun die Synthies und Beats Cooks bereit und stützen die gefühlvollen – natürlich: Es geht fast immer um Liebe – Vocals, die markanten Basslines und das dezente Pianospiel. Das klingt stellenweise recht steif, resultiert im richtigen Mischverhältnis aber in melancholischen Hits. So ganz hat das Duo seinen Sound noch nicht gefunden, beweist mit fragil-verkaterten Tracks wie Saimaa und den kratzigen Synthie-Klängen von Skin On Skin, das die absolut richtige Richtung bereits in Sichtweite ist. File under: Herzschmerz-Post-Rock mit unverschämt viel Pop-Appeal.

     

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