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Sonntag, 26. März 2017 | 00:34

The XX: Coexist

06.09.2012

Weniger ist mehr

Kaum ein Album wurde dieses Jahr so sehr erwartet wie dieses. Das Londoner Trio ließ sich Zeit nach seinem Sensationsdebüt im Jahr 2009. »Das Warten hat sich gelohnt«, verrät TOM ASAM.

 

Es ist eine bis jetzt nicht fassbare Geschichte. Ein modernes Märchen, dass in der Popwelt spielt. Ein paar Jungspunde, kaum hinter den Schulbänken hervorgekrochen, veröffentlichen ein Album, das unglaubliche Folgen nach sich zieht. Ihr Debüt aus dem Jahre 2009 war ein Album, das einen sofort in seinen Bann zog, aber zunächst aufgrund seiner Zurückhaltung und der darauf zelebrierten Reduktion kaum dafür geschaffen schien, mehr als ein Insidertipp und Grund zum Schwärmen für ein paar Musikjournalisten zu bleiben.

 

Es kam ganz anders. Im Handumdrehen wurde aus Blog-Helden eine weltweit verehrte Band. Songs wie Islands oder Chrystalized erklangen überall, The XX waren fast von heute auf morgen Common Sense. Jamie XX wurde zum gefragten Remixer und Produzenten. Von Radiohead über Florence and the Machine bis zu Adele klopfte so mancher aktuelle Topstar des Business an seine Tür; Coversionen von The XX sind nicht minder attraktiv: sogar Die Gorillaz oder Shakira(!) sorgten mit eigenen Interpretationen für Aufmerksamkeit. Jamie XX hat im letzten Jahr das ganze letzte Album des leider verstorbenen Gil Scott-Heron remixed und mit Far Nearer eine Soloplatte veröffentlicht. Das subtile Soundbild von The XX und ihre Art der Annäherung an Soul waren zudem sicher prägend für Protagonisten wie James Blake oder Nicolas Jaar, die in der Folge in der Schnittmenge aus Club- und Popmusik ganze Türfluchten eintraten.

 

Ganz nebenbei werkelte man natürlich an einer Nachfolgeplatte. Man müsste eigentlich davon ausgehen, dass die vom Erfolg so überschütteten, dabei stets eher schüchtern wirkenden jungen Musiker spätestens an den damit verbundenen, hohen Erwartungen ins Straucheln gerieten. Denkste! Weder ist Coexist ein Album geworden, bei dem man sagt: »Das braucht jetzt keine S.. mehr«, noch haben sie sich auf Teufel komm raus neu erfunden.

 

Das zum Trio geschrumpfte Doppel-X setzt weiterhin auf ein minimales Soundskelett und verschiebt dabei die Einflüsse im Detail so behutsam wie effektiv. Vorlieben für House und aktuelle Bassmusik fließen aufs Selbstverständlichste mit ein. Wenn man genau hinhört, passiert einiges auf diesem Album, trotzdem wirkt alles gewohntermaßen erhaben luftig und reduziert – so etwas gelingt nur, wenn man sowohl Songs schreiben kann, als auch ein Gespür für Klangbild und Produktion hat. Nun hat man ja mit Jamie einen mittlerweile erfahrenen Knöpfchendreher und Soundbastler am Start. Trotzdem wirkt Coexist nicht wie das Werk eines Studio-Kids mit Anhang, sondern ist in erster Linie ein Bandalbum. Der nuancierte Gesang wirkt noch eindrücklicher als beim Debüt, die Bassläufe sind tief und warm. Diese Band wird immer unheimlicher und übertrifft die Erwartungen mit Leichtigkeit.

 



 

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