• losttorrent
  • richtorrent
  • pushtorrent
  • Titel-Magazin
    TITEL kulturmagazin
    Samstag, 19. August 2017 | 16:51

    Toms Schnellgericht (I)

    04.09.2012

    Heißer Sommer

    Das TITEL-Team hat sich eine wohlverdiente, sommerliche Auszeit gegönnt, doch Musiker und Plattenfirmen scheinbar nicht. Von Sommerflaute keine Spur! Der August brachte unerwartet viele Veröffentlichungen – darunter zahlreiche Höhepunkte! Von TOM ASAM

     

    Der in New York lebende, texanische Produzent, DJ, Sänger und Musiker Matthew Dear kehrt nach einem Ausflug in die Black City (2010) zurück ins Licht. Auf Beams überrascht der früher im Minimal Techno beheimatete Dear mit hypnotischen Beats und polyrhythmischen Pophits. Monotoner aber eindrucksvoller Sprechgesang, funky Bass, Gitarrenfetzen und Syntesizerklänge ergeben eine Popmischung, die informiert und avantgardistisch gleichermaßen scheint. Talking Heads und Byrne´s/ Enos´Ausflug in den bush of ghosts kommen einem in den Sinn, sowie jüngere Pop-Highlights von TV on the Radio. Sehr stark!

     

    Sogenannte Supergroups sind meist kurzlebige Luftblasen. Doch es gibt Ausnahmen, etwa Divine Fits. Mit Britt Daniel von Spoon und Dan Broeckner sind da nicht nur Teile zweier toller Bands involviert, sondern auch zwei äußerst prägnante Gesangsstimmen. Daniel und Broeckner geben sich das Mikrofon im Wechsel in die Hand und bringen die Mischung aus Schrägheit und Popsensibilität ihrer Stammformationen mit ein. Für den nötigen Backbeat sorgt an den Drums ein weiterer bekannter: Sam Brown von den New Bomb Turks. Wirklich: Divine!

     

    Der ehemalige Kunststudent Ariel Marcus Rosenberg aka Ariel Pink hat in D.I.Y.-Manier via Homerecording schon einen eindrucksvollen Berg von Songs geschaffen, bevor er 2010 mit seiner Formation Haunted Graffititi und der ersten »regulären« Veröffentlichung Before today weltweit die Herzen der Blogger und Kritiker eroberte. Das nun erschienene Nachfolgealbum Mature Themes ist quasi schon als eines der heißen Dinger des Jahres vorgebucht. Doch kaum ist die Wand der Erwartungen errichtet, musiziert es sich nicht mehr ganz so locker. Pinks eklektischer Wandel durch die Popgeschichte, auf dem er sich bei Classic Rock und Glam, Garagenrock und Disco gleichermaßen bedient(e), hat nicht nur an Rohheit, sondern auch etwas die Unschuld verloren.

    Mature Themes weist zwar immer noch absurde Klangabfahrten und kranke Texte auf, doch stellenweise gleitet das »alles ist möglich« dann doch hin und wieder in Beliebigkeit ab. Vielleicht muss man den ganzen Wahnsinn zwischen Soul-Cover (Baby von Donnie & Joe Emerson) und Schnitzel Boogie erst einmal verdauen, um in ganzer Länge zu genießen. Aber bei der Fülle an Ideen und Adaptionen kann eigentlich nicht alles Gold sein, was glänzt. Während geniale Versponnenheit und Popaffinität von Syd Barrett bis Brian Wilson durchaus aufblitzen, scheinen an anderer Stelle dann doch nur 10 CC, Beck oder Ween in B-Seiten Qualität durch.

     

    Micachu and the shapes, das ist eigentlich Mica Levin. Bei Veröffentlichung ihres großartigen Debuts Jewellery wurde die auch in klassischer Musik bewanderte Musikstudentin als eine Art Wunderkind gefeiert. Seither ist es aber eher ruhig geworden um die junge Britin. Auf die große Popstarnummer hat es Micachu allerdings von Anfang an wohl nicht abgesehen – dafür scheint ihr Sound doch zu abgefahren.

    Auch auf Never bleiben Instrumentierung und Sound schräg. Kinderspielzeug oder Staubsauger sind genauso erlaubt wir Synthesizer und Gitarren. Letztere müssen aber schon so verstimmt und abgemischt sein, dass man sie kaum noch als solche identifiziert. All das klingt dann, als würde eine Enkelin von Pippi Langstrumpf mit bekifftem Zirkus-Orchester scheppernde Popmonster mit ansteckendem Gutelaune-Spirit und LoFi-Charme auf die Welt loslassen. Nicht mehr so überraschend wie beim ersten Mal, aber immer noch eigenständig und spitze!

     

    Deutsche Texte scheinen uns ja mitunter eher peinlich zu berühren. Gerade im Spannungsfeld von Pop, Rap und Soul geht das gerne in die Hose. Max Herre allerdings schreit zurecht selbstbewußt: Hallo Welt! Dabei ist der Titel weniger im Sinne von »Hallo, schaut mal, wie toll ich bin«, sondern eher als, »Welt, konzentrier dich mal!« Herre prangert Uniformität und Anonymität an, sieht das Orwell´sche 1984 allerorten, leidet am allgegenwärtigen sinnentlernten »Expertentum« und Entfremdungs-Erscheinungen. Das tut er – mit Unterstützung namhafter (inter-)nationaler Kollegen öfter im gerappten Wortschwall als zuletzt. Patrice, Clueso, Cro, Samy Deluxe und gar Aloe Blac geben sich die Ehre – und das Mikro in die Hand. Aber auch Sophie Hunger und Philipp Poisel (auf dem hitverdächtigen Wolke 7). Abwechslungsreich, fett produziert, keine halben Sachen, denn »leere Versprechungen hängen mir zu den Ohren raus.« Allerdings wird die dicke Hose auch immer schnell wieder relativierend flachgeklopft: »Glückichsein ist ein Dreier, die Wahrheit liegt in der Mitte.«

     

    Bereits seit 20 Jahren erfreut uns Chan Marhsall aka Cat Power mit ihren Songs und ihren Interpretationen anderer Songwriter. Von anfänglichen LoFi-Ansätzen zur Streicher-Herrlichkeit ihres 2006er Albums Greatest war es ein spannender Weg. Vier Jahre sind seit der Coverplatte

    Jukebox vergangen, quasi der Fortsetzung von The cover record. Obwohl selbst längst zum Vorbild einer neuen Generation geworden, coverte die Sängerin aus Atlanta immer wieder gerne – Dylan und Waits, aber auch Micheal Hurley oder Bill Callahan. Ihr neuntes Album heißt Sun. Nach problematischen Jahren mit Erschöpfungszuständen, Beziehungsstress und Selbstmordgedanken soll sie wieder scheinen. Diesmal sind es wieder Songs aus eigener Feder – und die erstrahlen in neuem Licht. Soviel elektronischer Support war noch nie bei ihr zu hören. Was unter Federführung des von Cassius bekannten House-Meisters Philippe Zdar entstand, wird einige Puristen unter ihren Fans eventuell etwas widerstreben. Synthesizer, Drum-Computer und tiefe Bässe geben den Stücken einen anderen Anstrich. Allerdings stimmt das Ausgangsmaterial immer noch und das Ganze wirkt auch bei der mittlerweile 40-jährigen Cat nicht aufgesetzt. Ungewöhnliche Momente gibt es dabei nach wie vor, etwa den 11-minütigen Aufruf zur Selbstverantwortung Nothing but time mit Unterstützung von Iggy.

     

    In Bekannheitsregionen einer Cat Power wird Angela Correo, besser bekannt als Correatown, zumindest in Europa wohl nicht mehr vorstoßen. Pleiades ist bereits ihr fünftes Album; in ihrer Heimat hat die Kalifornierin den einen oder anderen Song in diversen Fernsehproduktionen unterbringen können. Dafür scheinen sie auch bestens geeignet. Die Mischung aus (Indie-)Pop und gefälligen Folkanleihen ist durchwegs angenehm zu hören, eckt aber auch nie an – der große Wiedererkennungswert und das Alleinstellungsmerkmal fehlen irgendwie. Einfach (nur) schön

     

    Same same – but different: Jens Lekman. Der Schwede gibt den empfindsamen Liedermacher und ergibt sich dem Herzschmerz. I know what love isn´t heißt die Platte folgerichtig. Clever gemacht, abwechslungsreich instrumentiert, leichtfüßig, augenzwinkernd und etwas zum cheesy 70´s Pop-Produktionssound tendierend. Da gibt´s nichts zu meckern, haut mich aber irgendwie einfach nicht vom Hocker.

     

    Das schafft dann schon eher der Schotte James Yorkston, ein Troubadour, der Tradition und individuelle Ausdruckskraft auf I was a cat from a book wiederholt auf Feinste zu verbinden weiß. Yorkston ist Aushängeschild eines zeitlosen Genres. Seine Singer-Songwriter-Perlen zeugen von Intensität und verweisen auf britische Folk-Legenden wie Bert Jansch oder John Martyn, mit dem er auch die subtile Jazznote teilt. Er steht also in der Tradition ganz großer, die dem Mainstream eher schulterzuckend entgegenstehen. Die Wärme der Songs bricht sich mit einer gewissen Zerbrechlichkeit, die Intensität seiner jüngsten Songs speist sich aus der Tatsache einer schweren Erkrankung seiner Tochter, die sich vor allem auch in den teils bedrückenden Texten widerspiegelt. Wie gewohnt rundet ein gelungenes und sehr individuelles Plattencover Yorkstons neuste Meisterleitung ab.

     

    | kommentar schreiben

    Name:
    Kommentar:

    ... bis sie dann gestorben sind.

    Wenn Comics sich klassischen Märchenmotiven widmen, dann tun sie das meist in Form einer eher überzogenen Parodie. Selbst wenn sich dahinter so viel Sophistication verbirgt wie hinter ...

    Die Geschichte geht weiter

    Wieder ein Weltbestseller – Carlos Ruiz Zafóns Roman Der Gefangene des Himmels. Von PETER MOHR

    Psychothriller mit doppeltem Deutungsboden

    Alles beginnt ganz harmlos. Mit einem Schulaufsatz, in dem der französische Oberstufenschüler Claude (Ernst Umhauer) von einem Besuch im Haus seines Klassenkameraden Rapha berichtet. ...

    Der Spielplatz macht zu

    Nach drei Ausgaben wird das Games-iPad-Magazin Spielplatz wieder eingestellt. Was dahinter steckt, wollte RUDOLF INDERST im Gespräch mit den beiden Machern Henning Ohlsen und Mark ...

    Wer will fleißige Handwerker sehn

    Der Künstler und ehemalige Hartz IV-Empfänger Van Bo Le-Mentzel hat zusammen mit seiner Crowd ein DIY-Forum geschaffen und mittels Schwarmfinanzierung auch gleich ein Buch drucken lassen. ...

    Seitenhiebe

    Auf ihrem nächtlichen Heimweg werden Anne und René Winkler (Natascha Paulick, Stefan Kurt) von drei jungen Männern attackiert und brutal zusammengeschlagen. Die Polizisten Phillip ...

    NJ Institut for sundhed og senior services køb cialis online sundhedspleje forsikringsudgifter