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Nils Wogram Septet: Complete Soul

04.09.2012

Teamgeist

Der Posaunist Nils Wogram gehört wohl zu den vielseitigsten und produktivsten deutschen Jazzmusikern der Gegenwart. Auf Complete Soul beschreitet er mal wieder neue Wege – mit gewohnter Eleganz und Sicherheit. Von TOM ASAM

 

In anderen Band-Konstellationen, wie Roots 70 oder Nostalgia versorgt Wogram seine Mitspieler und deren Instrumente mit maßgeschneiderten Vorlagen, er vertont sozusagen deren Stärken und Vorlieben. Bei Complete Soul war das Vorgehen ein anderes. Ausgehend von der Vorstellung eines komplexen (vor allem von Bläsern dominierten) Soundbildes machte er sich auf die Suche nach den passenden Mitstreitern. Dass es sich dabei nur um absolute Topleute handelt, braucht eigentlich gar nicht erwähnt werden. Mit Frank Speer, Tilman Ehrhorn und Matthias Tschopp steht eine Saxophonphalanx im Mittelpunkt, ergänzt um den Klarinettisten Claudio Puntin, den Trompeter Stephan Meinberg und John Schröder am Schlagzeug. Wograms verzichtet auf den Bass und Harmonieinstrumente.

 

»Je größer die Band ist« so Wogram, »desto mehr muss sich jeder Einzelne in den Gesamtsound einfügen. Ich suchte für diese Projekt Leute, deren Klangideal meinem ähnelt. Auf diese Weise mischen sich die Bläser so, dass man diese orgelartigen Sounds erreicht. Die Akkorde wirken als Ganzes und ergeben nicht nur sechs Töne, die irgendwie zusammenklingen. Wenn die Musiker aber einen solistischen Spot haben, versuche ich schon, ihre persönlichen Stärken zu betonen.«

 

Hinsichtlich des gemeinschaftlichen Bläserklanges schwebte Wogram als Klangideal der Sound von Miles Davis’ Klassiker Birth Of The Cool vor. Und auch bei der Auswahl der Stücke geht der Blick nach hinten. Das Material setzt sich aus Stücken zusammen, die bereits früher für Kompositionsaufträge entstanden waren – aber nur ein bis zwei Mal live aufgeführt worden sind. Wogram überprüfte die vorhandenen Stücke auf Tauglichkeit im Kontext eines Septets und setzte sie mannschaftsdienlich um. Hier spielt sich kein egomanischer Solist mit Begleitung in Szene. Vielmehr ein Komponist und Klangorganisator, der ein Gespür dafür hat, wie man Traditionen verknüpft, erweitert und in ein lebendiges Gefüge überträgt. Einige Songs tragen indische Titel, ohne dass hier eine Erweiterung des Instrumentariums (no Tablas, no Sitars!) erfolgen würde. Man kann dies vielmehr als einen Hinweis auf das Vorhandensein einer spirituellen Ebene unter den Musikern deuten, die sich nicht auf Klischeevorstellungen beschränkt. Ein guter Ausgangspunkt, um dem Hörer einen unbeschwerten Klanggenuss zu ermöglichen.

 

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