Adrian Sherwood ist so etwas wie der weiße König der Dub-Produzenten. Seit mehr als 30 Jahren ist er als Produzent und Remixer Teil einer dunklen Magie, die den Rhythmus in den Mittelpunkt stellt und musikalische Moden kommen und gehen lässt. Seinen besonderen Ansatz fand er Ende der 70er Jahre, als in London die Begeisterung für Reggae auf die unbändig Kreativität des Post Punk traf. In Mark Stewart (The Pop Group) oder Ari Up fand er Gleichgesinnte auf der Suche nach neuartigen Sounds. Letztere folgte mit den Slits und dem von Sherwood produzierten Nebenprojekt New Age Steppers einer wage von Rastafari beeinflussten Suche nach dem heiligen Gral des aller Schöpfung zugrunde liegenden Rhythmus. Sherwood selbst schuf sich hingegen seinen eigenen Klangkosmos, indem er ausgehend von Reggae und Dub immer wieder neue Ansätze in seinen Sound mit aufnahm.
Mit seinem Label On-U Sound und Produktionen für Acts wie Lee Perry, Primal Scream oder The Cure machte er sich einen Namen als jemand der Fantum und Business vereint. Als Solokünstler trat er nie so deutlich ins Rampenlicht; mit Survival & Resistance erscheint erst das dritte Album unter seinem Namen. Melancholisch düster und leicht geheimnisvoll wirken die Stücke. Trotz einem großen Gespür für Melodien und streckenweise fast orchestralen Ansätzen wird hier nie eine Chill-Out-Attitüde bedient. Sherwoods On-U-Ästhetik verbindet Dub mit bluesigen Jazz-Roots und Bossa und lässt den Stücken immer genug Raum zum Atmen – über der kreativen Mischung schwebt dabei immer noch die positive Kreativ-Kraft der Post-Punk-Ära. Das On U Motto »disturbing the comfortable / comforting the disturbed« deutet an, dass vor allem jene Hörer in einen magischen Sog gezogen werden, die weder reinen Old School Dub noch eine Präsentation spektakulärer, saisonaler Produktionsmätzchen erwarten. Sherwood hat seinen eigenen Stil, verlässt sich (wieder) auf analoge Technik und überzeugt auf ganzer Länge.