Das erste Album, Meet Me At Muster Station, wurde von der Kritik gut aufgenommen, selbst die Online-Bibel der Indie-Webseiten, Pitchfork, ließ sich zu einer positiven Kritik hinreißen. Daraufhin nahm die Karriere von PS I LOVE YOU Fahrt auf, sie spielten Konzerte in der ganzen Welt. Sänger/Gitarrist Paul Saulnier fing derweil an zu träumen. Mitten im bunten Tourzirkus suchte ihn ausgerechnet die eigene Sterblichkeit im Schlaf heim, das Thema schlich sich immer wieder in seine Träume ein. Das Bisschen Sinnkrise wird auf dem Zweitwerk des kanadischen Duos Death Dreams nicht überragend, aber souverän erzählt.
Den überraschenden Auftakt machen sphärische Gitarrenklänge, die Drummer Benjamin Nelson mit zischenden Becken unterlegt. Dann jedoch zerfetzt Sentimental Dishes den Klangnebel mit fetten Hard-Rock-Riffs und dem exaltiert-neurotischen Gejaule Saulniers – das sind schon eher die PS I Love You, die vor zwei Jahren mit der Tür ins Haus fielen. Saulnier klingt wie eh und je nach einem verzweifelten Piraten mitten im Stimmbruch und hat das nötige Pathos gebucht, mit dem er sich am roten Faden der elf Tracks entlang hangeln kann.
Ähnlich wie die musikalisch verwandten Japandroids, die auf Post-Nothing all ihre Teenage Angst und Todesfurcht in dröhnende, eingängige Garage-Punk-Hymnen transformierten, so drücken auch PS I LOVE YOU das Gaspedal herunter statt zu entschleunigen. Nelson verprügelt sein Drumkit mit mustergültiger Rücksichtslosigkeit, die Gitarre röhrt, Saulnier quietscht und kreischt. Die Songs sind gut geschrieben, auf den Punkt, die Hooklines sitzen. Fehlt noch was? Vielleicht. Denn weder steigern sich die beiden Freunde in die absolute Ekstase, noch knallen sie richtig mit den Whiskygläsern auf den Tisch.
Dem Duo mangelt es auf ihrem zweiten Album genau an dem, was man verlegenheitshalber häufig als das »gewisse Etwas« umschreibt: Diese funkenschlagende Magie, wie sie die Japandroids auf ihrem Erstwerk einfangen konnten, der versoffen-kampflustige Charakter von Titus Andronicus oder die detailverknallte Käsigkeit von Fang Island. Drei Bands, die gut und gerne als Referenz herangezogen werden dürfen, und gegenüber denen PS I LOVE YOU eben nicht mehr als eine souveräne Indie-Rock-Band ist.