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Toms Schnellgericht

26.07.2012

Pop-Individualisten

Der Mainstream der Minderheiten schwemmt immer mehr eigenständige bis skurrile Popproduktionen an Land, die durchaus wahrgenommen werden zwischen Bergen von belanglosem oder gleichförmigem Song-Treibgut. Von TOM ASAM

 

Allein der Künstlername dieses Mannes ist nicht gerade nach üblichen Mustern gestrickt: Konx-om-Pax nennt sich der Schotte Tom Scholefield, der sich mit Musik-Videos und Graphiken für Künstler wie Hudson Mohawke, Mogwai, Jamie Lydell oder Oneohtrix Point Never einen Namen gemacht hat. Er macht so etwas wie advanced chill out music mit einem etwas anderen Ansatz. Zunächst sollen die Töne und Sounds mal ihrem Schöpfer meditative Momente und kreative Schubkraft verleihen. Teilweise versucht Scholefield dabei Eindrücke aus Filmen in Musik umzusetzen, so bezieht er sich mit Glacier Mountain Descent auf den Herzog/Kinski-Klassiker Aguirre.

 

Die ambienthaften und weitgehend beatfreien Stücke setzen sich bei aller Verschrobenheit unauffällig und dauerhaft in den Gehörgängen fest – wie Moos am Waldboden. Der Titel Regional Surrealism scheint gut gewählt; die Musik funktioniert tatsächlich wie ein guter Film oder ein wiederkehrender Traum: Man fühlt sich an eine irgendwie vertraute Vergangenheit erinnert, die aber unwiederbringlich zerfließt und nicht zu fassen ist. Absolut bereichernd!

 

Das amerikanische Duo OM hat längst eine treue Fanschar um sich versammelt; Jäger des verlorenen Soundschatzes und Popschafe, die zwischen den Genre-Feldern grasen. OMs bisherige vier Studienalben wandelten zwischen Bass-Drone, und Ambient, zwischen psychedelischen Stoner-Rock-Anleihen und Doom 2.0. Dabei haben die ehemaligen Sleep so etwas wie exzessiven Minimalismus entwickelt. Bass, Drums Gesang – Punkt. Oft überlange Stücke, die den Hörer auf eine Reise in den Kosmos schicken und naturmystische wie religiöse Elemente beinhalten, wobei die Texte eher emotional und bildhaft bleiben. Die fünf Advaitic Songs scheinen etwas ornamenthafter als frühere Stücke; wo die Platte innerhalb des OM-Werkes eingestuft werden kann, ist erst nach weiteren Durchläufen ermessbar – unter OM-Die-Hard-Fans dürften sich dabei sowieso verschiedene Lager bilden.

 

Eigenständiger Pop aus New York ist in den letzten Jahren fast schon im Übermaß zu finden. Die Dirty Projectors aus Brooklyn sind fast schon zehn Jahre am Start – und auch auf ihrem neunten Studioalbum noch frisch und unberechenbar. Worte wie Konventionen oder Wiederholung scheint die Truppe um David Longsteth nicht zu kennen! Swing lo Magellan beginnt fulminant mit Offsprings are blank, einer Art blue eyed Soul mit kräftigen Schweine-Rock-Gitarren-Intermezzi. Die zwölf (aus 40 Demoversionen ausgewählten) Songs bieten reichlich Abwechslung und Vielfalt. Obwohl orchestrale Arrangements und opulente Chöre dabei eine gehörige Rolle spielen, wirkt das Ergebnis nie überladen oder überproduziert. Vielleicht das Gegenteil von OMs exzessiven Minimalismus, auf alle Fälle mindestens so spannend.

 

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