Beinahe spirituelle Dimension
Ohne lange um den heißen Brei herumzureden: Während des Auftritts von A Dead Forest sollte man sich weder über die Merch-Stände, Theken oder Imbisse hermachen, sondern gefälligst mit offenen Ohren und heruntergelassenem Kiefer vor der Bühne stehen. Deren Debüt-EP umfasst nur fünf Songs, aber die haben es in sich. Die australischen Brüder Adam und Sam Sherry werden diese nicht nur auf dem Swingfest präsentieren, sondern gehen zusammen mit den Labelmates von Heirs auf Tour. Obwohl sie mit Schlagzeug, Gitarre und Gesang wesentlich spartanischer als ihre Landsleute unterwegs sind, werden sie denen in Sachen Druck wohl kaum nachstehen.
Schon der Opener Distance überzeugt mit düsteren, schleppenden Gitarrenakkorden und kraftvollem, präzisem Drumming. Über dem Sound des Duos, der mal Batcave-Momente à la Bauhaus, mal die netteren Seiten der Einstürzenden Neubauten oder Swans in Erinnerung ruft, schwebt ein androgyner Gesang, der der Musik eine beinahe spirituelle Dimension gibt. Keine Ohrwurmmelodien, eigentlich – aber es bleibt jeder Song dieses Debüts, das bereits vor gut einem Jahr in Australien erschien und nun mit zwei Bonustracks neu aufgelegt wurde, hängen. Grandioser Dunkel-Pop/Rock, wie man ihn lange nicht mehr so kraftvoll gehört hat. Also: Unbedingt live erwischen und bis zum hoffentlich baldigen Release neuen Materials in diese EP verlieben!