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    TITEL kulturmagazin
    Samstag, 24. Juni 2017 | 21:09

    The Nest: Music For Drivers / Saffronkeira: A New Life / A Dead Forest Index: Antique

    19.07.2012

    Denovali-Dreier

    Ob die beiden Betreiber von Denovali wohl jemals schlafen, essen oder sonstigen banalen Tätigkeiten nachgehen? Zweifelhaft, denn schließlich dürfte bei dem extensiven Output der letzten zwei Jahre kaum Zeit für etwas anderes bleiben. Ans Artwork legen sie hier und dort Hand an, buchen die Touren ihrer Acts und lassen im Oktober alles im gigantösen Swingfest gipfeln. Bei dem werden auch The Nest, SaffronKeira und A Dead Forest Index von der Partie sein, jeweils mit neuen Platten im Gepäck. KRISTOFFER CORNILS hat den Denovali-Dreier gehört.

     

    Bei The Nest handelt es sich um vier verdiente Experimentalmusiker: Christoph Clöser (Saxofon, Bohren & der Club of Gore), Tycho Schottelius (Synthies, Desmond Denker), Thomas Mahmoud (Feldaufnahmen und Vocals, Tannhäuser Sterben & das Tod) und Gerald Mandl (Bass, Moodswinger/Gitarre, Tannhäuser Sterben & das Tod) haben sich neben ihren Hauptbeschäftigungen in Köln zum Improvisieren getroffen. Mit Music For Drivers liegt nun der rund 60minütige Mitschnitt einer Session vor. Der mäandert zwischen monotonen Bassläufen, säuretriefenden Jazz-Licks und elektronischem Gefiepe und Gestotter, hin und wieder werden Feldaufnahmen und Atemgeräusche eingespielt. Das Ganze endet zwar in einem furiosen Finale, der Weg dorthin ist aber zäh und ätzend. The Nest bauen kaum Spannung auf, tanzen dafür lieber auf der Stelle. Sollte das live ähnlich klingen, wäre eine Bierpause durchaus drin.

     

    Latente Schlechtdrauftät

    Der Sizilianer Eugenio Caria wird sich nicht kurz halten. Sein Debütalbum A New Life unter seinem Saffronkeira-Pseudonym umfasst über zwei Stunden gravitätischen Electronica. Auf Vinyl sind das zwei Doppel-LPs, die CD-Version kommt auch im Duo: Unterteilt werden die 13 Tracks in die beiden Zyklen Old Life und New Life. Titel wie Psychologically destroying und Endless agony of being sick im letzten Drittel des Albums fassen ziemlich gut die Grundstimmung dieses Debüts zusammen, das in musikalischer Hinsicht ebenso farbfroh ist wie das komplett in Schwarz und Weiß gehaltene Artwork. Aller latenten Schlechtdrauftät zum Trotz: Sich durch A New Life zu kämpfen ist eine einzigartige Erfahrung. Die musikalischen Vorbilder Carias werden schnell offensichtlich, wenn die Clicks’n’Cuts wie in den besten Momenten von Markus Popps Oval-Projekt zittern und die Bässe wie bei den Elektronik-Ikonoklasten von Autechre rollen. Ohne auch nur eine einzige Minute ins Epigonenhafte zu verfallen, nimmt Caria die Fäden seiner Vorgänger auf, um sie in tiefschwarze und trotzdem brillante Klangcollage zu verweben. Aus denen schälen sich hier und dort überraschende Rhythmen heraus, poltern plötzlich Beat-Kaskaden durch die kargen Soundscapes. A New Life ist ein eigenwilliges, monumentales Album. Aber weil es nie aufhört, Akzente zu setzen, weil es eine eigene Handschrift hat und weil es zwischendurch immer wieder den Kurs wechselt. Das verspricht ein wunderbares live-Erlebnis!

     

    Beinahe spirituelle Dimension

    Ohne lange um den heißen Brei herumzureden: Während des Auftritts von A Dead Forest sollte man sich weder über die Merch-Stände, Theken oder Imbisse hermachen, sondern gefälligst mit offenen Ohren und heruntergelassenem Kiefer vor der Bühne stehen. Deren Debüt-EP umfasst nur fünf Songs, aber die haben es in sich. Die australischen Brüder Adam und Sam Sherry werden diese nicht nur auf dem Swingfest präsentieren, sondern gehen zusammen mit den Labelmates von Heirs auf Tour. Obwohl sie mit Schlagzeug, Gitarre und Gesang wesentlich spartanischer als ihre Landsleute unterwegs sind, werden sie denen in Sachen Druck wohl kaum nachstehen.

     

    Schon der Opener Distance überzeugt mit düsteren, schleppenden Gitarrenakkorden und kraftvollem, präzisem Drumming. Über dem Sound des Duos, der mal Batcave-Momente à la Bauhaus, mal die netteren Seiten der Einstürzenden Neubauten oder Swans in Erinnerung ruft, schwebt ein androgyner Gesang, der der Musik eine beinahe spirituelle Dimension gibt. Keine Ohrwurmmelodien, eigentlich – aber es bleibt jeder Song dieses Debüts, das bereits vor gut einem Jahr in Australien erschien und nun mit zwei Bonustracks neu aufgelegt wurde, hängen. Grandioser Dunkel-Pop/Rock, wie man ihn lange nicht mehr so kraftvoll gehört hat. Also: Unbedingt live erwischen und bis zum hoffentlich baldigen Release neuen Materials in diese EP verlieben!

     

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