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    Mittwoch, 23. August 2017 | 04:30

    La Brass Banda: Live Olympiahalle München (CD/DVD)

    12.07.2012

    Boarischer Techno und schwule Jamaikaner

    Das Dokument zum wahnsinnigen Konzert am Ende der Übersee-Tour, bei dem  Band und 12.000  Fans einen einmaligen Abend erlebten. Von TOM ASAM

     

    Wer vor vier Jahren vorausgesagt hätte, dass La Brass Banda einmal die Olympiahalle füllen würden, wäre wohl mitleidig belächelt worden. Die etwas andere Bläser-Truppe aus Übersee am Chiemsee ist mit dem Traktor und der transsibirischen Eisenbahn über die Lande gezogen, sie hat Clubs vom Senegal bis Sibirien unsicher gemacht. Mit Blechinstrumenten und Gesang in bayerischer Mundart! Nach über 500 Konzerten rund um den Globus war es am 4.Dezember 2011 soweit: die Chiemgauer enterten die mächtige Olympiahalle in der bayerischen Landeshauptstadt. Das Ereignis und das, was sie daraus gemacht haben, ist in mehrfacher Hinsicht beachtlich. Nicht nur, dass sie in solche Regionen des Erfolges aufgestiegen sind, sondern vor allem, wie locker und natürlich sie damit umgehen, ist ungewöhnlich. Dass sie es geschafft haben, die für stimmungsvolle Konzerte komplett ungeeignete Halle zum Kochen zu bringen, ist fast unglaublich.

     

    Das es aber tatsächlich so war, kann jetzt jeder auf CD und der beigefügten DVD (ausschnittsweise) nacherleben. Weit über zweieinhalb Stunden zelebrierten die Jungs um Sänger/Trompeter Stefan Dettl ihren Blech-Wahnsinn zwischen boarischem Techno, Speed Ska und Turbo-Gypsy. Das geht nicht ohne Mitsing-Parts und gemeinsamen Übens des »wahnsinnig brutalen Cheamgau-Jodlers« mit dem man(n) am Chiemsee fesche Madl´n beeindruckt. Was einen bei anderen Konzerten vielleicht peinlich berührt – hier hat alles seine Berechtigung – vor allem, weil die Musiker glaubwürdig wirken und vor Freude am über die eigene gute Laune und das tobende Publikum fast abzuheben drohen!

    »Leckd´s mi am Arsch, wie geil is denn des!?« Ruft Dettl schon am Anfang der Show aus. Später traut man teilweise seinen Ohren nicht angesichts des Tempos, das die Bläser und auch Dettls Sprechgesang (Bauersbua) annehmen.

     

     Wie wertvoll diese Band ist, was das Überschreiten von diversen Grenzen anbelangt, zeigt sich etwa an der langen Ansage, die dem Lied Byindi vorangeht. Da erzählt Dettl, wie sich die Band im Jahr 2008 beim etablierten Reggae-Festival in ihrem Heimatort  Übersee bewarben und nur die lapidare Absage »blosmusi, des is ned cool, gehd ned!« erntete. Im Folgejahr schickte man das gleiche Demo mit dem gleichen – allerdings ins Englische übertragenen – Infotext. Zudem behauptete man frech, die erste schwule jamaikanische Band zu sein – die Holy popoly and the holy moly fistfuck band. Tatsächlich wurde man engagiert! Die Band nutzte den Auftritt, um charmant auf homophobe Tendenzen, auf Klischees und Naivität seitens vieler Fans hinzuweisen, indem sie den Song I like the Buttyman (Slang für »Schwuler«) zum Besten gab. Beileibe keine Selbstverständlichkeit für eine Band, die es in die Regionen des Mainstream-Dudel-Radios geschafft hat!

     

    Live-Platten empfehle ich nur alle Schaltjahre, Live Olympiahalle München ist so eine Ausnahme! Wer sehen will, wie Dettl sein aktuelles, zweites Soloalbum Summer of love (nackter Hintern auf dem Cover – und das beim Majorlabel, wie geil ist denn des!?) euphorisch und mit neu entdeckter 70´s-Schweinerock-Power empfiehlt, sollte die Augen aufhalten. Noch im Juli wird dies in der neuen Reihe Heimatsound im Bayerischen Fernsehen zu sehen sein. Es ist zwar aufgezeichnet – gerockt wurde selbstverständlich live! Und beim Chiemsee Reggae Summer sind La Brass Banda diese Jahr auch wieder dabei.

     



     

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