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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 30. April 2017 | 16:42

    Kurzpässe

    05.07.2012

    Psychedelic Underground

    Als Ozzy Osbourne im Vollsuff am Bart seines Schlagzeugers Bill Ward zündelte, hatte er nicht ahnen können, dass die Fackel des bluesgetränkten Hardrocks auch Jahrzehnte später noch hell und strahlend leuchten wird. Bill Ward und Ozzy gibt’s heute immer noch und sie denken auch nicht ans Fackel abgeben, doch der Nachwuchs scharrt mit den Füßen. DAVID EISERT hat sich mit Augen und Ohren überzeugt.

     

    Iguana kommen aus Chemnitz, entsprechend weit entfernt liegt das nächste vegetationslose Gebiet. Das stört die Vier aber kein müdes Sandkorn und sie spielen staubig-trockenen Desert Rock, der im kühl-gemäßigten Klima Sachsen ebenso gedeiht wie in der Hitze von Palm Desert, Kalifornien. Die deutsche Stoner-Szene ist ja sehr vital und bringt immer wieder neue Perlen ans Licht. Iguana sind schon länger darin unterwegs und brauchen Vergleiche mit Soundgarden, Saint Vitus, den Queens Of The Stone Age oder den Übervätern Black Sabbath nicht zu scheuen.

     

    Get The City Love You ist zwar ein Debütalbum, man merkt aber die langjährige Bühnenerfahrung und Liveerprobung der Band sofort. Keiner der zehn Songs läuft Gefahr, sich in Monotonie zu verlieren oder sich um das ewig gleiche Riff zu drehen. Die Arrangements sind facettenreich und setzen auf mehr als nur die Effekte aus dem Niedrigfrequenzbereich. Natürlich gibt es lange Instrumentalpassagen zu hören, natürlich schlägt die Gitarre die Riffs höchst langsam an, natürlich verschleppt der Drummer das Tempo. Aber immer wieder sind kleine Finten zu hören, die man so nicht erwarten würde. Eine feine Melodie, ein wenig das Tempo angezogen oder einfach nur auf den Punkt gerockt. Macht Spaß und mit Iguana ist zu rechnen.

     

    Wesentlich hardrocklastiger gehen die nächsten Kandidaten zu Werk. Doctor Cyclops sind ein italienisches Power Trio in bester Manier der 70er Jahre. Als »Seventies Rotten Rock« beschreiben sie den eigenen Sound auf ihrer Homepage. Das heißt, dass die Gitarre ganz klar vorne weg geht. Christian Draghi spielt sich die Finger wund, während Francesco und Alessandro in der Rhythmusabteilung alles dicht halten.

     

    Auch hier sind die Einflüsse schnell identifiziert, weil gar nicht erst groß verborgen. Black Sabbath, Blue Öyster Cult, Jethro Tull oder auch Cathedral, Graveyard und Witchcraft. Umwerfend Neues gibt es auf dem hervorragend produzierten Erstlingswerk Borgofondo dann auch nicht zu entdecken. Aber durch Spielfreude, Hingabe und Energie überzeugen die sieben Stücke allemal. Besonders Giants Of The Mountain ist eine zehnminütige Seventiesprogabfahrt aller erster Kajüte. Beschwörender Gesang, Riffs so mächtig wie die Eiger Nordwand und plötzlich eine Flöte, von Alia O’Brian (Blood Ceremony) so zärtlich gespielt, dass die Berggeister Tränen in den Augen haben und zur swinging Horn Section das Tanzbein schwingen.

     

    Die Flying Eyes aus Baltimore, Maryland sind hierzulande schon ganz ordentlich verortet. Mehrwöchige Europatourneen und Auftritte auf dem Burg Herzberg Festival haben den Boden gut bestellt für die nächsten Schritte. Der erste erfolgt mit der Veröffentlichung einer Konzert-DVD, die die Spielfreude und die Livepower der Band abbildet. Vom Rockpalastteam des WDR wurde das Konzert vom 23.03.2011 in Bonn im Rahmen der Crossroad-Reihe gefilmt. Wie es sich für öffentlich rechtlich geförderte Projekte gehört, sind Bild- und Tonqualität auf hohem Niveau, die Regie aber etwas bieder. Ein Clubkonzert mit ein paar Kameras aufgenommen und fertig. Man sieht den Musiker gut 90 Minuten beim Spielen und Schwitzen zu und bekommt die Songs von den Platten The Flying Eyes und Done So Wrong zu hören. Sehr solide aber auch nicht mehr.

     

    Die Bonus Tracks in Form des unvermeidlichen Rockpalast Interviews, eines ebenso unvermeidlichen Unplugged Songs und der üblichen »behind the scene«-Doku sind auch nicht wirklich spannend. Aber gut, wer den Jungs auch noch beim Schlafen, Fahren, Instrumente schleppen und Soundcheck machen zusehen möchte, der hat an der 70 minütigen Musicmentary seine helle Freude. Ich empfehle aber, die nächsten Konzerte abzuwarten und sich denn selbst ins Publikum zu stellen.

     

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