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    Mittwoch, 23. August 2017 | 02:39

    Parallel 41: Parallel 41

    05.07.2012

    Transatlantisches Experiment

    Auf dem Parallel 41, dem 41. Breitengrad, liegen die Städte New York und Napoli. Aus dieser kommt Julia Kent, aus jener Barbara de Dominicis. Beide haben sich im neapolitanischen Umland an verlassenen Orten getroffen, um gemeinsam Musik zu machen. Das schlicht mit Parallel 41 betitelte Album wird vom kurzen Dokumentationsfilm Faraway Close begleitet, in dem Davide Lonardi den Aufnahmeprozess mit einer ruhigen Bildsprache eingefangen hat. KRISTOFFER CORNILS über ein transatlantisches, intermediales Experiment.

     

    Den etwas forcierten Aufhänger desselben Breitengrades braucht es eigentlich so wenig wie die kurzen Dialoge zwischen Kent und de Dominicis, die ein wenig unzusammenhängend über die »ähnlichen Energien« beider Städte sprechen. Letztlich spielt New York nur eine kleine Rolle. De Dominicis  fing die Geräuschkulisse der Großmetropole ein und baute die Feldaufnahmen später als atmosphärisch dichte Unterfütterung in die Improvisationen ein. Die wiederum fanden in Italien statt.

     

    In den Jahren 2009 und 2010 trafen sich die italienische Soundkünstlerin und –poetin und die US-amerikanische Cellistin an Orten, die nur noch wenig mit Zivilisation, geschweige denn Kultur in Berührung kommen. Lonardis Film mag zwar einen dokumentarischen, fast gimmickhaften Charakter haben, seine Aufnahmen fangen die äußeren Umstände der Aufnahmen jedoch gut ein. Die rasant hintereinander aufblitzenden Live-Performances vor Publikum sind dabei nur halb so beeindruckend wie die Bilder, die die beiden in nicht mehr benutzten Tunnel oder des Nachts in einem verlassenen Fabrikgebäude zeigen. Durch die unkommentierten Bilder erschließt sich erst recht die eindringliche Stimmung, die von der Musik der Beiden ausgeht.

     

    Die minimalistischen Improvisationen erinnern in ihrer musikalischen Sprache an die kürzlich erschienenen Alben von Steve Peters + Steve Rodens oder noch mehr an Hildur Guðnadóttir. Die neun Stücke, mal knapp eine, mal gut zehn Minuten lang, werden vor allem durch das gefühlvolle Cello-Spiel Kents zusammengehalten, die sich zugunsten von de Dominicis immer etwas im Hintergrund hält und von dort aus die Fäden zieht. Sie drängt sich nicht auf und zeigt sich stark als Teamplayerin, die zwar mit zeitweise schrägen Melodien aufwartet, aber immer ein stimmiges Ganzes vor Augen zu haben scheint.

     

    Die Italienerin gönnt sich auf Parallel 41 mehr Ausbrüche. In mehreren Sprachen – vor allem natürlich Italienisch und Englisch – spricht und singt sie über die improvisierten Stücke. Das heißt: Sie kreischt, flüstert, wispert und entlädt sich in elegischen, halb gesprochenen, halb gewimmerten Wortkaskaden und sorgt nebenbei mit Soundcollagen und Feldaufnahmen dafür, dass der Sound der Aufnahmen zusätzlich zu Nebenbeigeräuschen wie monotonem Regenfall noch mehr Klangfülle und Dichte erhält. Als die etwas verschrobenere der beiden Künstlerinnen hatte sie sich bereits in den kurzen Gesprächen von Lonardis Kurzdokumentation entpuppt, auf dem Album stört sie manchmal mit schriller Affektiertheit.

     

    Ein Wermutstropfen, der das Endresultat nicht vergällt. Ob die DVD mit Lonardis Aufnahmen essentiell sein mag, das Projekt einen wirklich sinnigen Hintergrund hat – einerlei; ein schönes Album haben Parallel 41 da abgelegt.

     

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