Scott Kelly und Steve von Till, Sänger und Gitarristen von Neurosis und Wino (u.a. Obesessed, St. Vitus, Hidden Hand, Shrinebuilder) machen nun das Gleiche: Sie veröffentlichen eine CD mit Townes-Coverversionen. Doom Metaller und Hardcore-Jünger auf den Spuren eines Singer-Songwriters mit Nähe zu Country und Blues? Das Phänomen, dass sich Musiker (wie auch Musikhörer) nicht lebenslang auf einer härter, schneller (oder: langsamer), lauter beschränken, ist kein neues. Zudem gibt es hier die Überschneidung der Faszination für die eher düsteren Seiten des Lebens. »Die Hippies sind und bleiben unsere Erzfeinde, weil sie vorgaben, Kinder der Natur zu sein, aber in Wirklichkeit ihre Natur geleugnet haben. Sie glaubten ihre 'happy family', dieses dumpfe Leben in Liebe, Drogen, und Tanz wäre ein Ausdruck von Freiheit, habe etwas mit Natur zu tun. Blindheit war es!«, wird Scott Kelly von Martin Büsser in »Von Punk zu Hardcore und zurück…«, zitiert. Nun zog sich Townes zwar in die Natur zurück und experimentierte mit Drogen – Hippie war er sicher nicht, und dass das Leben nicht nur aus Friede, Freude und Eierkuchen besteht, dürfte eine von Townes und seinen Verehrern geteilte Erkenntnis sein! Wino näherte sich schon auf seinem 2010er Album Adrift der Welt der akustischen Songs, Anfang dieses Jahres folgte ein Singer-/Songwriter-Album mit Conny Ochs, das mit Highway Kind bereits ein Townes-Cover enthielt.
Nun ein ganzes Album, bei dem sich die drei Musiker als Sänger abwechseln. Sie machen ihre Sache gut, halten die Songs reduziert und transportieren die enthaltene Düsternis. Recht viel mehr möchte ich dazu gar nicht sagen. Die drei sind in gewissen Kreisen auch schon Kult und dürften so manchem ihrer Fans den Zugang zu Townes Van Zandt´s Welt eröffnen. Das ist gut so. Ob eingefleischte Singer-/Songwriter-Fans alter Schule, denen sich bei Wino oder Neurosis nur Fragezeichen auftun, hier glücklich werden, ist schwer zu sagen (check it out!). Grundsätzlich: wer Townes van Zandt und seine Musik nicht kennt, sollte mit den Originalen, genauer: Bei seinen ersten vier, zwischen 1968 und 1971 veröffentlichten Alben anfangen. Mein Favorit: Our Mother the Mountain. Alleine wenn man das darauf enthaltene Tecumseh Valley mit der Coverversion von Kelly und Co. vergleicht, erkennt man, dass die genuine Ausdruckskraft eines Townes in Bestform wohl nicht reproduziert werden kann. Wer Feuer fängt (und wer tut das nicht?), kann mit dem beeindruckenden Dokufilm Be here to love me (USA, 2005) weitermachen und sich mal langsam überlegen, ob er auch Coversongs vom unvergessenen, tragischen Townes Van Zandt braucht.