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    TITEL kulturmagazin
    Mittwoch, 23. August 2017 | 02:30

    Scott Kelly/ Steve von Till/ Wino: Songs of Townes Van Zandt

    28.06.2012

    Verbeugung

    Drei Herren, die man ursprünglich eher mit deutlich heftigerer Musik in Verbindung bringt, wollen sich mit Steve Earle auf Bob Dylans Kaffee-Tisch stellen. Ob da noch Platz ist, fragt sich TOM ASAM.

     

    Townes Van Zandt war und ist eine Singer-/ Songwriterlegende, die den Eingang in den Kanon der Popgeschichte nicht direkt gefunden hat. Wer den Namen kennt, ist wohl für immer Fan seiner Musik und bald mit diversen Geschichten aus seinem bewegten und auch traurigen Leben vertraut. Wer den Namen nicht kennt, hat vermutlich auch noch nie zufällig einen seiner Songs gehört. Zumindest nicht im Original. Während der 1997 im Alter von 52 Jahren verstorbene Van Zandt zeit seines Lebens wenig Platten verkaufte, hatten einige seiner Weggefährten und Kollegen doch respektable Erfolge mit Cover-Versionen seiner Songs: Merle Haggard und Willie Nelson mit Pancho & Lefty oder Emmylou Harris und Don Williams mit If I Needed You kamen in die Country-Charts. Dem unangepassten Van Zandt war das spießige Nashville-Business nicht zugänglich.

     

    Psychiatrie und Morning Glory

    Der einer durchaus wohlhabenden texanischen Familie entstammende Van Zandt konnte und/oder wollte sich zeit seines Lebens nicht wirklich in bürgerliche Bahnen begeben. Nach einem Internatsbesuch sollte er eine Sportlerkarriere anstreben oder in militärischen Diensten zu Ehren kommen. Stattdessen fing er früh mit Drogenexperimenten an und litt unter psychotischen Zuständen und Depressionen. Als er sich rücklings vom Balkon eines mehrstöckigen Hauses fallen ließ, landete er in der Psychiatrie und wurde mit – zumindest aus heutiger Sicht – mehr als zweifelhaften Schocktherapien behandelt. Diese kosteten ihn einen Großteil seiner Kindheitserinnerungen – auf gewünschte Linie geriet er dadurch aber nicht.

     

    Beziehungen zu Mitmenschen blieben oft schwierig, den Umgang mit Alkohol und Drogen behielt er bei. Steve Earle, der zu seinen Bewunderern zählt, war lange mit ihm befreundet. Er besorgte Townes besorgte eine einfache Hütte, in der dieser von 1975 bis 1977 ein Einsiedlerleben führte und sich der Zucht eines Halluzinogens widmete, das schon bei Ureinwohnern Nord- und Mittelamerikas beliebt war: Ololiuqui, auch bekannt als Morning Glory. Der Name stammt übrigens nicht daher, dass die Pflanze eine Durchblutungssteigerung mit sich bringt (morning glory ist auch ein Slangausdruck für »Morgenlatte«), sondern daher, dass deren himmelblaue Blüten innerhalb eines Tages verwelken.  

     

    Von Earle stammt übrigens auch das berühmte Zitat: »Townes Van Zandt is the best songwriter in the whole world and I'll stand on Bob Dylan's coffee table in my cowboy boots and say that.«

    Auch wenn die Freundschaft der beiden nicht zuletzt aufgrund Townes Aufruf zum »Russian Roulette« litt, verehrt Steve Earle ihn bis heute. Davon zeugt u.a. die Doppel-CD Steve Earle: Townes.

     

    Scott Kelly und Steve von Till, Sänger und Gitarristen von Neurosis und Wino (u.a. Obesessed, St. Vitus, Hidden Hand, Shrinebuilder) machen nun das Gleiche: Sie veröffentlichen eine CD mit Townes-Coverversionen. Doom Metaller und Hardcore-Jünger auf den Spuren eines Singer-Songwriters mit Nähe zu Country und Blues? Das Phänomen, dass sich Musiker (wie auch Musikhörer) nicht lebenslang auf einer härter, schneller (oder: langsamer), lauter beschränken, ist kein neues. Zudem gibt es hier die Überschneidung der Faszination für die eher düsteren Seiten des Lebens. »Die Hippies sind und bleiben unsere Erzfeinde, weil sie vorgaben, Kinder der Natur zu sein, aber in Wirklichkeit ihre Natur geleugnet haben. Sie glaubten ihre 'happy family', dieses dumpfe Leben in Liebe, Drogen, und Tanz wäre ein Ausdruck von Freiheit, habe etwas mit Natur zu tun. Blindheit war es!«, wird Scott Kelly von Martin Büsser in »Von Punk zu Hardcore und zurück…«, zitiert. Nun zog sich Townes zwar in die Natur zurück und experimentierte mit Drogen – Hippie war er sicher nicht, und dass das Leben nicht nur aus Friede, Freude und Eierkuchen besteht, dürfte eine von Townes und seinen Verehrern geteilte Erkenntnis sein! Wino näherte sich schon auf seinem 2010er Album Adrift der Welt der akustischen Songs, Anfang dieses Jahres folgte ein Singer-/Songwriter-Album mit Conny Ochs, das mit Highway Kind bereits ein Townes-Cover enthielt.

     

    Nun ein ganzes Album, bei dem sich die drei Musiker als Sänger abwechseln. Sie machen ihre Sache gut, halten die Songs reduziert und transportieren die enthaltene Düsternis. Recht viel mehr möchte ich dazu gar nicht sagen. Die drei sind in gewissen Kreisen auch schon Kult und dürften so manchem ihrer Fans den Zugang zu Townes Van Zandt´s Welt eröffnen. Das ist gut so. Ob eingefleischte Singer-/Songwriter-Fans alter Schule, denen sich bei Wino oder Neurosis nur Fragezeichen auftun, hier glücklich werden, ist schwer zu sagen (check it out!). Grundsätzlich: wer Townes van Zandt und seine Musik nicht kennt, sollte mit den Originalen, genauer: Bei seinen ersten vier, zwischen 1968 und 1971 veröffentlichten Alben anfangen. Mein Favorit: Our Mother the Mountain. Alleine wenn man das darauf enthaltene Tecumseh Valley mit der Coverversion von Kelly und Co. vergleicht, erkennt man, dass die genuine Ausdruckskraft eines Townes in Bestform wohl nicht reproduziert werden kann. Wer Feuer fängt (und wer tut das nicht?), kann mit dem beeindruckenden Dokufilm Be here to love me (USA, 2005) weitermachen und sich mal langsam überlegen, ob er auch Coversongs vom unvergessenen, tragischen Townes Van Zandt braucht.

     



     

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