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    TITEL kulturmagazin
    Samstag, 24. Juni 2017 | 21:03

    Toms Schnellgericht

    21.06.2012

    Schräge Vögel und bissige Affen

    Ein Rundgang durch den Tierpark der elektronischen Musikszene mit TOM ASAM.

     

    Die Watergate-Voliere präsentiert im zehnten Jahr ihres Bestehens zum elften Mal Nachwuchs. Es ist ein Kackvogel! So lautet tatsächlich der Track des aus Kroatien stammenden Djs und Remixers Solomun, der die aktuelle Folge zur Kultlocation in Berlin zusammenstellte und mixte. Das Ergebnis ist wie gewohnt alles andere als Kacke, sondern Super! Solomun geht den Weg von Funk über Discco zu House und liefert einen fetten Mix ab, u.a. mit: Superfunk, The Superman Lovers, Low Motion Disco und Watergate-Kumpel Sascha Funke.

     

    Der Münchner DJ Hell ist der Paradiesvogel unter den deutschen Djs, auf dem Cover der 13. Auflage der Werkschau seines Labels International Deejay Gigolos, zeigt mal wieder, was den DJ-Gigolo neben heißen Scheiben und kühlen Drinks noch so interessiert: birds! Nicht nur aktuelle Highlights und things to come werden hier vorgestellt, auch ein Blick zurück ist gestattet. Hell´s Track Eat your House (Mahlzeit!) aus dem Jahr 1995 erstrahlt in neuer Mix-Würde, Understand this Glory von Sound Factory überzeugt auch im 20 Jahre alten Originalzustand. Der Disco-Schlager Strom der Zeit stammt gar aus den 70´s. Dieser Song der österreichischen Donna Summer Gilla hat es Hell besonders angetan, er verwendete ihn auch für seine sehr persönliche Zusammenstellung seiner Ausgabe der Compilation-Serie Coming Home. Aktuelle Kracher: Hell´s Carte blanche im dOP-Remix oder ein bisher unveröffentlichter Remix von u can Dance, bei dem er Bryan Ferry eine Plattform bot. Paradiesvögel unter sich.

     

    Zum nächste Compilation-Kracher scheint sich die Modeselektion der begnadeten Modeselektor (Gernot Bronsert und Sebastian Szarny) zu entwickeln. War die erste Ausgabe schon klasse, legen sie auf Vol.2 noch zu. Mehr Mut zum Experiment, der Affe kann gar nicht genug Zucker bekommen und fletscht entschlossen die Zähne. Künstler mit dem Mut zur eigenen Ausdruckskraft, weitgehend unveröffentlichte Tracks – was will man mehr? Diese Namen sollten letzte Zweifel beseitigen: Addison Grove, Clark, Mouse on Mars, Lazer Sword, Phon.o, Siriusmoso macht Mode spaß!

     

    Eine abendfüllende Zusammenstellung von Highlights aus den letzten vier Jahren von Slam bietet die Doppel-CD Slam- Collecting Data. Original Slam Tracks und Highlights aus ihrem breiten Remix-Fundus für Artits wie Radio Slave, Josh Wink oder Spencer Parker. Solide, professionelle Vollbedienung für bodenständige Housemeister.

     

    Ähnliches lässt sich sagen über die beiden Vögel von Smallpeople. Die Miteigentümer von Hamburgs Plattenladen/Label-Kleinod Smallville Records, Just von Ahlefeld und Julius Steinhoff liefern mit Salty Days eine Liebeserklärung an den klassischen House der 90er im kreativen Wechselspiel amerikanischer Impulse und europäischer Antworten. Geeignet für Leute, die nicht genug House im Haus haben können – oder aber als Meta-House-Platte, die einen Einstieg bietet und eine ganze Sammlung obsolet macht.

     

    Zum Abschluss des Rundgangs nun aber noch zwei wilde Tiere. Darling Farah ist ein erst 20jähriger Produzent, von dem wir noch viel hören werden. Der gebürtige Detroiter, der zeitweise in den arabischen Emiraten wohnte und nun von London aus arbeitet, hat in nur drei Monaten das Album Body geschrieben, das nachhaltigen Eindruck hinterlassen wird. Der Titel ist gut gewählt, denn es handelt sich hier um mehr als elf gelungene Tracks, es ist ein zusammenhängender Organismus. Der düstere Autoren-Techno verbindet auf fesselnde Weise beatlose Ambient-Flächen, pulsierende Rhythmen, Detroit´s Soul und Detroit´s industrielle Seite anhand von maschinenhaften Elementen. Verträumt-düstere Texturen und pumpende Grooves widersprechen sich ebenso wenig wie minimalistische Strukturen und synapsenbefeuernde Detailliebe. Hypnotisch, intensiv – Farah – bald everybody´s darling?

     

    Vom Body zum Dust mit Lorn. I Ask the Dust ist das Maschinenhafte dem Körperlichen überlegen. Das drückt gekonnt die Verlorenheit des Menschen in der Moderne einerseits – in der Ferne andererseits aus, auf die der Titel verweist. Ask the dust ist das Hauptwerk des großartigen, übersehenen Autors John Fante, den Charles Bukowski unermüdlich zu preisen pflegte. Darin beschreibt er – utobiographisch unterfüttert, den verzweifelten Versuch eines aus Italien stammenden Autors, im Kalifornien zu Zeiten der großen Depression einen Fuß auf den Boden zu bekommen. Ähnlich schwer dürfte es vielen Musikern heutzutage fallen, im Meer eines musikalischen Überangebotes ein Wellchen zu schlagen. Lorn hinterlässt mit seiner düsteren Mischung aus Dub-Step-Anleihen und Industrial-Verweisen durchaus einen guten Eindruck. Touren mit Amon Tobin oder Gonja Sufi und ein Label wie Ninja Tune im Rücken sollten dazu beitragen, die Message zu verbreiten.

     

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