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    Samstag, 27. Mai 2017 | 13:56

    Gazelle Twin: The Entire City

    21.06.2012

    Weichen für die Zukunft

    Kommt Elizabeth Walling mit The Entire City nicht schon etwas spät? Und überhaupt: Bricht ihr das tonnenschwere Erbe von Karin Dreijer Andersson nicht vielleicht doch das Genick? Aber Moment mal, jetzt von Anfang an: KRISTOFFER CORNILS rollt das Debüt der Engländerin von hinten auf.

     

    Zuerst nennt sich Walling natürlich Gazelle Twin und vielleicht dürfte es hier bereits klicken. Schließlich veröffentlichte die in London und Brighton lebende Künstlerin ihr Debütalbum, der drei Singles vorausgingen, in Großbritannien bereits vor gut einem Jahr. Pünktlich zum Release des The Entire City Remixed-Projekts, an dem sich auch Musikerinnen und Musiker von unter anderem Nedry und Austra beteiligt en, erscheint das Album erneut, diesmal auch auf dem Kontinent. In gewisser Weise ist es ein unglückliches Datum, denn der Bedarf an Gender-Vexierspiel, Schamanismusaffinität und hauntologischem Düsterpop scheint weitestgehend gestillt. Für geschlechtliche Konfusion ist planningtorock alias Janine Rostron zuständig, die opernhafte Melodramatik kommt einmal in New Waviger Form von Austra oder mit Techno-Versatzstücken von Zola Jesus und der momentane Hype um Julia Holter und Chelsea Wolfe deckt den Bedarf an Morbidität zu Genüge. Kaum eine Lücke im Bereich des Indie-Pops mit weiblichem Gesang, die nicht schon gefüllt ist, also.

     

    Über allem thront natürlich Karin Dreijer Andersson, besser bekannt als eine Hälfte der Elektropopper The Knife oder solo als Fever Ray. Insbesondere mit letzterem Projekt und dessen trancegetränkten, wabernden Sounds zu geisterhaften Ethnorhythmen, das von einer okkultistisch-mythologischen Gesamtästhetik umrahmt wurde, hat sie einiges losgetreten. Wenn The Entire City hier und dort an die Musik der schwedischen Künstlerin erinnert, ist das bestimmt kein Zufall. Walling legt auch bereitwillig ihre Quellen offen: Von der Bildsprache von sinisteren Blockbustern wie Alien, den Romanen H. G. Wells‘ und den Gemälden von Max Ernst, dessen Bilderserie Die ganze Stadt sogar titelgebend wurde, sei sie ebenso beeinflusst worden wie durch die Musik des Renaissance-Komponisten William Byrds. Und so ist denn die Fever Ray-Referenz nur die offensichtlichste unter vielen.

     

    Das sagt letztlich noch nichts über die Musik Gazelle Twins aus, die von Zeitungen wie dem Guardian und dem Independent oder meinungsstarken Websites wie Drowned In Sound und The Quietus begeistert aufgenommen wurde. Dafür, dass sich die 31jährige Britin gerne hinter aufwändigen Kostümen versteckt, geben sich die 13 Songs ihres Debüts recht eingängig. Obwohl sich Walling in Sachen Sounddesign viel von den Synthieflächen Anderssons abgeschaut hat, liegt ihr Interesse doch eher bei kompakteren Formen. Concrete Mother und When I Was Otherwise sind lupenreine Hits mit ganz eigener, düsterer Marke. Eingerahmt von wuchtigen Beats schraubt sich die beeindruckende Stimme Wallings aus elegischen Tiefen in schillernde Höhen, ohne dass dabei die Melodien an Eindringlichkeit verlieren. The Entire City hat zugegebenermaßen seine Längen und erinnert in bestimmten Momenten arg an die Musik der oben genannten Künstlerinnen, schafft es aber andererseits, einen eigenen Trademark-Sound zu entwickeln.


    Auch eine Andersson wäre nichts ohne eine Björk gewesen, die nichts ohne Kate Bush – alles Frauen, die Popgeschichte geschrieben und die Walling in der langen Liste ihrer künstlerischen Vorbilder nicht unerwähnt lässt. Obwohl The Entire City vor einem Jahr sicher noch heftiger eingeschlagen wäre als heute – die Weichen für die Zukunft hat sich die Engländerin damit bereits gestellt.

     



     

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