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Freitag, 24. März 2017 | 21:02

The Invisible: Rispah / O.Children: Apnea

14.06.2012

Schicksalsmusik

Nicht selten haben persönliche Schicksalsschläge direkte Auswirkungen auf Popmusik. Zwei aktuelle Beispiele von TOM ASAM.

 

Mitten in den Aufnahmen zum Nachfolger des Mercury-Prize nominierten Debüts von The Invisible starb die Mutter von Sänger und Gitarist Dave Okumu. Musik interessierte diesen erstmal kaum noch, sie kam allerdings zurück durch die Totengesänge nach afrikanischer Tradition, die die klagenden Frauen um die Großmutter Okumus bei den mehrtägigen Beerdigungs-Feierlichkeiten anstimmten. Das Zusammentreffen von Leben und Tod, Schmerz und Hoffnung und die damit einhergehende Stimmung prägten die folgenden Arbeiten an Rispah ausdrücklich. Das den Namen der verstorbenen Mutter tragende Album verbindet verschiedene Epochen und Stile der Popmusik mit einem spirituellen Kern, selbst aufgenommene Todesgesänge sind in Form von Samples eingewoben in Echos von Steve Reich bis zu den Beach Boys. Auch Radiohead kommen einem in den Sinn, und: Vorsicht, kann Spuren von TV on the Radio enthalten! Emotional und geheimnisvoll – sehr interessant.

 

Auch Tobi O´Kandi, Sänger von O.Children hat afrikanische Wurzeln, und auch deren Album Apnea ist deutlich geprägt von einem Schicksalsschlag. Nach einem Gig in Manchester hatten die Jungs noch keine Lust Heim zu fahren, sondern gingen noch auf eine ausgiebige Party. Als sie ihre Züge nach London verpassten, hatten sie keine gültigen Tickets für den späteren Zug. Bei der folgenden Kontrolle, fiel Tobi siedend heiß ein: Verdammt, ich hab ja gar keine gültige Aufenthaltsgenehmigung! Das hatte ihn, der mit sechs Jahren nach England kam, scheinbar nie weiter interessiert, doch jetzt steckten die ihn in die Zelle und drohten mit Ausweisung nach Nigeria – wo er keinen Menschen kennt, da seine Familie in den USA wohnt. Die folgenden juristischen Querellen machten dem Sänger so zu schaffen, dass es zu Schlafproblem mit Atemaussetzern kam – daher der Albumtitel Apnea. Musikalisch setzt Tobis Baritonstimme Akzente, die düsteren Post-Punk-Elegien in Erbfolge von Bauhaus oder The Mission wirken ausgereifter als auf dem Debut. Schwelgerische Düsternis, die auch Fans von Nick Cave bis Interpol im Auge behalten sollten. Dass ein »schwarzer« Musiker »schwarze Musik« in diesem Sinne macht, dürfte auch ziemlich selten sein.

 

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