• losttorrent
  • richtorrent
  • pushtorrent
  • Titel-Magazin
    TITEL kulturmagazin
    Mittwoch, 23. August 2017 | 02:36

    Toms Schnellgericht (II)

    07.06.2012

    Girls on the run

    Ob folkverwurzelter Neo-Chanson, leichte Sommerpop-Brise mit Jazzhauch oder traditionsbewusster Fado – hier stehen poetische Künstlerinnen im Mittelpunkt. Von TOM ASAM

     

    Bereits im April erschienen, aber unbedingt an dieser Stelle noch erwähnenswert: das dritte Album der Norwegerin Randi Tytingvag. Neue Musiker, neuer Ansatz, neue Klarheit. Chanson und Jazz spielen kaum noch eine Rolle. Randi arbeitet sich vor zum Kern ihres Singer-/Songwriter-Daseins und bringt eine alte Binsenwahrheit in Erinnerung: Weniger ist manchmal mehr. So wird auch textlich eingegangen auf die eigene Ungeduld oder auf allgegenwärtige Gewinner-Mentalitäten und ewiges Machtstreben. Die Songs leben dabei neben der Stimme von der grazilen, aber im Detail äußerst beeindruckenden Instrumentierung. Vor allem der Einsatz unterschiedlicher Gitarrenstimmen weiß zu überzeugen. Akustische, elektrische, Lap Steel und Pedal Steel Guitar setzen dezente Akzente. Die klare, leicht nordisch-kühle Spielart subtiler Popmusik trifft auf die Weite, der man assoziativ gerne kargen Wüstenlandschaften zuschreibt. Tumbleweed auf Schnee.

     

    Französisch-sprachige Sängerinnen, die sich im weiten Feld zwischen Neo-Chanson, Folk und Pop bewegen, sind seit Jahren ein eigenes Phänomen. Ob Zaz, Camille, Francoiz Breut oder Couer de Pirate; die Zahl der Interpretinnen, die auch jenseits der Sprachgrenzen zurecht große Erfolge erzielen, ist groß. Mit ihrem dritten Album L´ancolie sollte Fredda in diese Riege aufsteigen. Sie hat ihre Karriere als Duett-Partnerin ihres Lebensgefährten Pascal Parisot begonnen, mittlerweile aber deutlich ihre eigene Stimme und Ausdruckskraft gefunden. Unterstützung findet sie dabei unter anderem vom Gitarristen Mocke von der Pariser Band Holden und seiner virtuosen Sologitarre oder in Form von zwei Songtexten von Marianne Dissard. Le Pop scheint wahrlich mehr als Label zu sein, es ist die Familie des Nouvelle Chanson. Fredda verknüpft Chanson-Anklänge mit der zerbrechlichen Intimität von erst in den letzten Jahren für eine breitere Öffentlichkeit wiederentdeckten Folk-Könnerinnen wie Linda Perhacs, Karen Dalton oder Vashti Bunyan. Poesie und französische Sprache passen wieder mal perfekt zusammen, auch wenn man nicht oder nur partiell nachverfolgen kann, welchen Einfluss romantische Dichter des neunzehnten Jahrhunderts hier nehmen. Die titelgebende Blume, die diesen gerne als Motiv galt, ist ein solcher – der Begriff L´ancolie lässt die Gedanken schnell zu »Melancholie« gleiten. Diese ist auf den sorgsam und großartig akustisch instrumentierten Liedern als Grundstimmung prägend, mediterrane Gelassenheit und Lebensfreude tauchen aber auch auf – wie die blauen Fluten (les flots bleus) des Mittelmeeres beim Blick vom Balkon des erträumten alten Häuschens im Grünen, wo man dieses zum Heulen schöne Album bis in den Herbst hinein in Endlosschleife spielen möchte.

     

    Doch dann hat es auch seine Vorteile nicht im Haus am Mittelmeer zu sitzen und sich mit wenig zu begnügen. Zum Beispiel wenn man die nächste große Sehnsuchtsplatte auspacken kann – nur um erneut in Gedanken ans Meer zu reisen. Portugal kennt harte Zeiten nicht erst seit der aktuellen Finanzkrise, Fado als spezieller Ausdruck einer stets in Melancholie fließenden Lebenskunst scheint aber momentan nicht zufällig eine gesteigerte Aufmerksamkeit zu genießen. Mafalda Arnauth präsentiert sich nach bereits sechs Studioalben diesmal auf Fadas vor allem als Mittlerin einer langen Tradition. Sie verzichtet auf eigene Songs bzw. Texte und leiht ihre Stimme der Interpretation von Fado-Klassikern von Genre-Größen Amalia Rodriguez, Hermania Silva oder Fernanda Baptiste. »A todas almas fadistas que encheram a minhs vida de magia…«, lautet der Dank an alle, die ihr Herz und ihre Kraft dieser Ausdrucksform gewidmet haben. Zeitlos, erhaben und so schön wie das Antlitz der Künstlerin.

     

    Ryat verbindet auf Totem naturverbundene Träumerei mit urbaner Realität. Ihre Stücke sind von klassischen Elementen und soundtrackartiger Weite einerseits geprägt, die teilweise an Björk erinnernde Stimme und Experimentierlust andererseits sorgen für bisweilen überraschende Wendungen. Totem verlässt gewohnte Songstrukturen und gleitet in schwer greifbare elektronische Frickeleien ab, wie das Bewusstsein sich am Rande des Schlafes in den Traum begibt. Ryat schafft es allerdings, diese schwebende Übergangsphase stimmiger und wenige konstruiert bzw. überambitioniert zu gestalten, als das in der Beschreibung klingen mag. Auf dieses Album muss man sich allerdings einlassen, es funktioniert nebenher gehört so wenig, wie das Einschlafen nach dem Genuss einer Kanne Kaffee.

     

    Kelly Hogan kann man getrost Singer´s Singer nennen. Bereits in ihrer ersten Band The Jody Grind, die Cabaret mit Country und Jazz mit Punk verband, sorgte sie in ihrer Heimatstadt Atlanta für Begeisterung und bekam Zuspruch von Größen wie R.E.M.s Micheal Stipe. Als sie Ende der neunziger nach Chicago zog, versuchte sie kurz, die Musik-Szene hinter sich zu lassen. Erfolglos, in der Folge sammelte sie jede Menge Erfahrungen – vom Einsingen von Werbespots über den Einstieg bei Neko Case´s Band bis zu Performances für so manch namhaften Musiker. Dabei scheint sie sich viele Freunde gemacht zu haben, denn die Liste derjenigen, die sich für I like to keep myself in pain mit einem für Kelly auf die Stimmbänder geschriebenen Song bedanken, ist beeindruckend: Stephen Merrit (u.a. Magnetic Fields), Jon Langford (The Mekons), Robyn Hitchcock, John Wesley Harding, Andrew Bird, M.Ward und weitere! Die Songs verbinden klassischen Pop mit Country und – vor allem durch die großartige Stimme Hogans – einer Prise Soul. Trotz der verschiedenen Songwriter wirkt das Album fokussiert und stimmig. Die musikalische Umsetzung ist – unter Beteiligung von Booker T Jones! – über jeden Zweifel erhaben. Gemessen am beeindruckenden Namedropping erscheint das Album aufs erste Hören insgesamt fast schon zu unaufdringlich und etwas glatt. Doch es wächst mit mehreren »Hörgängen« – und außerdem: allein schon für die Umsetzung von Robyn Hitchcocks titelgebenden Beitrag und Vic Chestnutts (ja, das hatte ich bis hierhin verschwiegen!) Ways of the World lohnt sich eine Anschaffung.

     

    Die Berlinerin Jeanette Huber fand früh zur Musik, legt aber mit nun 33 Jahren erst ihr eigenes Solodebut vor. Die schnörkellosen, sommerleichten Popsongs auf On the run profitieren von Jeanettes Stimme und der zurückhaltend eingesetzten Akustikgitarre. Auch wenn weitere Musiker beteiligt sind, scheint die Platte im Kern eine Coproduktion mit entscheidendem Schub von Matte Weberruß zu sein. Der hat nicht nur produziert und diverse Tasten- und Saiteninstrumente eingespielt, sondern auch vom Backgroundgesang bis zum Layout mitgeholfen. Die luftigen Popsongs sind eher vom Jazz inspiriert, als von rockiger Prägung zu sein. Was nebenbei gehört gut reingeht, lässt über die gesamte Spielzeit doch etwas Mut zur Kantigkeit oder Abwechslung vermissen, was auch daran liegt, dass sich fast alle Songs um (mögliche/ehemalige) Liebhaber oder Partner drehen. Dieser Soundtrack für die romantisch veranlagte Großstädterin gleitet allerdings nie in Kitsch ab; was auch daran liegt, dass die Texte von Hubert und ihr Umgang mit der englischen Sprache gekonnt sind.

     

    | kommentar schreiben

    Name:
    Kommentar:

    ... bis sie dann gestorben sind.

    Wenn Comics sich klassischen Märchenmotiven widmen, dann tun sie das meist in Form einer eher überzogenen Parodie. Selbst wenn sich dahinter so viel Sophistication verbirgt wie hinter ...

    Die Geschichte geht weiter

    Wieder ein Weltbestseller – Carlos Ruiz Zafóns Roman Der Gefangene des Himmels. Von PETER MOHR

    Psychothriller mit doppeltem Deutungsboden

    Alles beginnt ganz harmlos. Mit einem Schulaufsatz, in dem der französische Oberstufenschüler Claude (Ernst Umhauer) von einem Besuch im Haus seines Klassenkameraden Rapha berichtet. ...

    Der Spielplatz macht zu

    Nach drei Ausgaben wird das Games-iPad-Magazin Spielplatz wieder eingestellt. Was dahinter steckt, wollte RUDOLF INDERST im Gespräch mit den beiden Machern Henning Ohlsen und Mark ...

    Wer will fleißige Handwerker sehn

    Der Künstler und ehemalige Hartz IV-Empfänger Van Bo Le-Mentzel hat zusammen mit seiner Crowd ein DIY-Forum geschaffen und mittels Schwarmfinanzierung auch gleich ein Buch drucken lassen. ...

    Seitenhiebe

    Auf ihrem nächtlichen Heimweg werden Anne und René Winkler (Natascha Paulick, Stefan Kurt) von drei jungen Männern attackiert und brutal zusammengeschlagen. Die Polizisten Phillip ...

    NJ Institut for sundhed og senior services køb cialis online sundhedspleje forsikringsudgifter