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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 28. April 2017 | 12:07

    Double Tandem: Cement / Slugfield: Slimezone / Paal Nilssen-Love & Terrie Ex: Hurgu!

    07.06.2012

    Ausrast-Jazz-Trilogie

    Kennen Sie den: »Wie nennt man den Typen, der auf Tour immer mit der Band rumhängt?« Na? »Drummer natürlich!« Okay, sie werden vielleicht verlegen hüsteln, Paal Nilssen-Love jedoch könnte aus vollem Hals lachen. Weniger über den Witz als über das abgekaute Klischee allerdings. Denn das weiß niemand besser als zu widerlegen er. Von KRISTOFFER CORNILS

     

    Schließlich schart der Norweger auf drei Alben (na klar: alle auf dem eigenen Label veröffentlicht) gleich eine Vielzahl von Ausnahmetalenten um sich und gibt nicht nur buchstäblich, sondern auch im übertragenen Sinne den Takt vor. Auf Cement, das er zusammen mit den beiden Saxofonisten beziehungsweise Klarinettisten Ab Baas und Ken Vandermark als Double Tandem aufgenommen hat, reißt das Trio alles in Grund und Boden, was noch an losen Jazz-Strukturen übrig geblieben sein mag. Über den hektischen Trommelwirbeln und Kickdrum-Exzessen von Nilssen-Love kratzen die Bäser glatt an unhörbar hohen Frequenzen, bevor es schnell wieder eine Tonleiter runter geht. Harmonie mag zwar nie im gemeinsamen Masterplan enthalten gewesen sein, trotzdem ist es ein wenig schade, dass die Drei nur selten die leichte Ahnung eines tighten Grooves aufkommen lassen. So klingt Cement doch etwas verkopft bis gar engstirnig in seiner Absicht, noch die letzten Grundpfeiler eines konventionellen Jazzverständnisses aus dem Boden zu reißen.

     

    Goldene Mitte

    Einen anderen Ansatz verfolgt Nilssen-Love gemeinsam mit Maja Ratke und Lasse Marhaug. Letzterer hatte bereits dem über die Jahre etwas eingerosteten Merzbow eine Frischzellenkur in Sachen Noise verpasst und versorgt nun auch mit verbaler und elektronischer Unterstützung von Ratke das zweite Nilssen-Love-Projekt Slugfield mit extremem Nerventerror in Form in Rauschen, Kratzen, Knistern und Dröhnen. Was das Endresultat mit dem unappetitlichen Namen Slimezone so stark macht, scheint vor allem das gemeinsame Verständnis von Musik zu sein. Einerseits trägt jeder der Drei seine eigene Note mit hinein – das nervenzerfetzend-jammernde Geschrei Ratkes, die aggressive Elektronik Marhaugs und das scheinbar nie aussetzende Spiel Nilssen-Loves – und trotzdem einigt man sich auf die goldene Mitte. Auch wenn sich das Trio über das 30minütige shale doch etwas zu viel Zeit zum Experimentieren und Live-Improvisieren lässt: eine absolut runde, spannende Sache.

     

    Die Chemie stimmt

    In geniale Höhen schauen sich Nilssen-Love dann mit Terrie Ex hervor, einem der treibenden Kräfte in der niederländischen Post-Everything-Kombo The Ex. Terrie (mit richtigem Nachnamen übrigens Hessels) malträtiert seine Gitarre zu Nilssen-Loves hyperaktivem Drumming. Etwas ist aber anders als bei den anderen beiden Platten. Plump gesagt: Die Chemie passt perfekt. Ob das nun eher der gemeinsamen Vergangenheit oder den ähnlichen musikalischen Vorstellungen geschuldet ist: Einerlei. Hessels’s Gitarre quietscht, krächzt und röhrt mit Nilssen-Loves Schlagzeug-Eskapaden in einem übernervösen Einklang, Part um Part gibt sich die Hand. Ist das nun minutiös einstudiert? Kann doch nicht sein, dafür ist viel zu explosiv. Also improvisiert? Das scheint eigentlich menschenunmöglich. In der Ausrast-Jazz-Trilogie sticht das gemeinsame Hurgu! deutlich hervor. Es ist radikaler, abgefuckter und trotzdem eingängiger als die beiden anderen Alben, trägt noch den rohen Charakter des Punk in sich. Ein idealer Nährboden für die Schlagzeugkünste von Paal Nilssen-Love also!

     

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