Beinahe warm
Obwohl eines beim Hören der ersten drei Stücke bereits deutlich wird: Von den düsteren Sounds haben sich KTL weitestgehend verabschiedet. Die Doom-Atmosphäre ist einer organischen gewichen. Beinahe warm klingen Phill 1, Study A und Tony, insbesondere, vergleicht man sie mit dem kongenialen ersten Album des Duos, auf dem sie mit einer Art abstrahierten Version von Black Metal brillierten. Die Apokalypse ist einem nervösen Fluidum gewichen, die ersten drei Tracks von V – die es immer noch auf stattliche 35 Minuten bringen – wirken angespannt. Sie sind Vorspiel für den kongenialen Höhepunkt Phill 2, ein von Jóhan Jóhannsson dirigiertes orchestrales Meisterwerk. Mit diesem wagen sich Rehberg und O’Malley in ein für KTL bisher neues Feld vor, versuchen sich an neuer Musik. Die traditionelle Instrumentierung ergänzen sie mit mächtigen Drones und verhelfen ihnen damit zu einer beeindruckenden wie beklemmenden Wirkung. Genial!
Nach diesem homogenen Bogen, den V bisher geschlagen hat, sticht Last Spring: A Prequel deutlich hervor. Das Stück setzt eine von der Choreographin Gisèle Vienne in New York laufende Installation um – die Bauchrednerpuppe, die sich auf Französisch einen schizophrenen Dialog mit einer Handpuppe liefert, wird von Jonathan Capdevielle verkörpert. Selbst, wenn das musikalisch eher minimal ausgearbeitete letzte Stück etwas fehl am Platz wirkt und vielleicht besser als separate Veröffentlichung hätte dienen können: Es beschließt das bisher stärkste Album KTLs seit ihrem Erstlingswerk aus dem Jahr 2006.