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    Pink Holy Days: Twenty Eight Minutes / Laurel Halo: Quarantine / Motion Sickness Of Time Travel: Motion Sickness Of Time Travel / Simon Scott: Below Sea Level

    17.05.2012

    Trash, Hype, Diskursgewaber & Nostalgieambient

    Kurz und bündig: KRISTOFFER CORNILS über Pink Holy Days, Laurel Halo, Motion Sickness Of Time Travel und Simon Scott.

     

    Die Aufregung um die französische Ed Banger-Clique mit den ADHS-Elektronikern Jus†ice und deren MDMA-gesprenkeltes Umfeld legte sich binnen weniger Monate und das völlig zurecht. Pink Holy Days wagen sich fünf Jahre nach der Hysterie trotzdem an hirnlosem Hochglanz-Electroclash, wie er belangloser kaum sein könnte. Twenty Eight Minutes wird selbst bei Zeltdisco-DJs als schwierige Platte gehandelt werden. Vorteil immerhin: Der Titel kann beim Wort genommen zu werden – es ist immerhin schnell vorbei mit dem Trash.

     

    Laurel Halo hat bereits vor Release ihres Debüts mit einigen EPs eine kleine Anhängerschaft gewonnen. Quarantine fällt bei Hyperdub ziemlich aus dem Rahmen. Mit dem Sound von Labelzugpferden wie Burial oder Kode9 hat es zumindest wenig zu tun – höchstens die Avantgarde-Schnipsler Hype Williams könnten als Vergleich herangezogen werden. Statt auf Beats verlässt sich Halo lieber auf fluffige Akkordfolgen und setzt hier und dort Gesang ein. Je weniger von dem, desto besser: Ihre musikalischen Fähigkeiten sind ihren stimmlichen doch bei Weitem überlegen, die instrumentalen Stücke wissen eher zu überzeugen. Kann mit dem Hype nicht wirklich mithalten, hat aber seine schönen Momente.

     

    Auch Rachel Evans hat es innerhalb von vier Jahren zu Underground-Ruhm geschafft. Das liegt einerseits an einer beeindruckenden Veröffentlichungsrate – je nach Zählweise handelt es sich beim neuesten, selbstbetitelten Motion Sickness Of Time Travel-Album um das siebte oder dreizehnte –, andererseits liegt Evans‘ Finger auch direkt auf dem Puls der Zeit. Die meditativen Synthie-Mantras von Evans haben den verspulten Charakter dessen, was gerne mal unter dem Chillwave-Schlagwort läuft und zeigen sich trotzdem experimentell. Diskursgewaber, das nicht unbedingt begeistert, aber trotzdem überzeugt.

     

    Simon Scott kann zu Below Sea Level zumindest mit einer etwas kitschigen Hintergrundstory aufwarten, stellt das Album doch den Versuch dar, die Sümpfe der Region um das englische East Anglia musikalisch zu erkunden. Dabei benutzt Scott vor allem Feldaufnahmen aus der Region, eine Gitarre und allerlei Effekte. Below Sea Level ist ein ruhiges, schönes Album geworden, ein instrumentaler Rückblick auf Scotts Kindheit. Der erinnert stellenweise sehr an das Werk Christian Fennesz, kann mit seinen warmen Klängen und unaufdringlichen Bewegungen jedoch durchaus auf eigenen Füßen stehen. Nostalgieambient der schönen Sorte.

     

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