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Freitag, 24. März 2017 | 21:01

Cold Specks: I predict a graceful expulsion

17.05.2012

Doom Soul

Ein Popmärchen der Gegenwart. Top-Produzent entdeckt 23-jährige kanadische Schlafzimmer-Musikerin mit sensationeller Stimme und überredet sie zu Aufnahmen eines Albums in England. Die Presse jubelt und wittert einen neuen Kometenschweif am Pophimmel. Von TOM ASAM

 

Autodidaktisch und ohne Verbindung zu anderen Musikern, so heißt es, habe die 23-jährige Al Spx aka Cold Specks vor sich hin musiziert. Als der vierfache Grammy-dekorierte Produzent Jim Anderson bei einem Besuch seines Bruders ein Demotape von Al hörte, wusste er, was zu tun ist. Das Ergebnis seiner Bemühungen liegt nun mit I predict a graceful expulsion vor. Ein Album, bei dem man nicht umhin kommt, das Phänomen Soul aufzugreifen. In den letzten Jahren schafften es nicht nur diverse Retro-Soul-Pop-Produktionen an die Spitzen der Charts, auch in verschiedene Bereiche der elektronischen Club-Musik hat der Soul Einzug gehalten. Al Spx´s Stimme erinnert mitunter an Größen des US-Souls wie Mahalia Jackson; ihr mit Unterstützung von Rob Ellis, einem langjährigen Kooperationspartner von Pj Harvey, im Bereich der Arrangements entstandenes Album verfügt jedoch über eine eigene Aura und einen eigenen musikalischen Ausdruck. Einen marktgerechten Begriff liefert Al gleich mit: Doom Soul. Klingt vielleicht etwas plakativ, aber auch schön – und er ist nicht verkehrt. Die düsteren Seiten des Lebens werden durchaus berücksichtigt, religiöse Inbrunst hingegen sucht man hier vergebens.

 

Was Cold Specks hier mit eindrucksvoller Stimme und akustischer Gitarre vorträgt, ist feinster Singer-/Songwriterstoff mit düster-souligem Unterton, der Traditionsbewusstsein mit dem Willen zu einem eigenen Ausdruck zu verbinden weiß. Die begeisterten Kritikerstimmen aus dem englischsprachigen Raum, die der Albumveröffentlichung hierzulande vorauseilen, sollte man in diesem Falle nicht als Hype abtun. I predict a graceful expulsion verfügt über eine lebendige aber unaufdringliche Instrumentierung weiterer Musiker, ohne dass man die Formel »aufstrebender Jungstar mit beliebiger Studioband« wittert. Zur formidablen Percussion, für die ebenfalls Ron Ellis verantwortlich ist, vernehmen wir neben diversen (Bass-)Gitarren auch weitere Geschmacksträger der Doom-Soul-Suppe: Pianochord,Flügelhorn, Theremin, Mellotron und Bläser tragen die Stimme von Al in die Finsternis der Nacht. »Born all in the dark wormy earth, cold specks of fire, evil, lights shine in the darkness.« (James Joyce, Ulysses). Anspieltipps: Tracks 1-11!

 

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