Weimar, Stadt der deutschen Klassik. Stadt von Schiller und Goethe; was liegt da näher, als das Wort Poems als erstes in den Mund zu nehmen (falls man sich für die englische Sprache entschieden hat). Und, man kann es nicht anders sagen: Poems for Kui – dieses Album ist wahrlich ein Gedicht. Es geht los mit den sanften Tönen einer Spieluhr und Naturgeräuschen, bevor mit Eight hundred miles der erste Wachmacher folgt. Ein zwingender, hypnotischer New Wave Song mit Fischer Z- Gitarre, und Young Marble Giants- Bass-Lauf, der sich langsam steigert und mit Streichern abhebt. Kings Garden folgt mit minimalistischer Elektronik, interessanter Rhythmus-Arbeit und einem sehnsuchtsvoll-hymnischen Refrain; nach viereinhalb Minuten wird dann noch effektiv in die sechs Saiten gegriffen. Der sprechende Berg ist ein instrumentales Interludium, das den Nebel in die Hut of Baba Yaga bläst. Mistake schwebt scheinbar zwischen Radiohead und Elliot Smith – und doch anderswo.
Mit Referenzen muss man hier noch vorsichtiger als sonst sein, Zitate sind hier, wenn überhaupt absichtlich, äußerst originell und geschickt in ein größeres Ganzes verwoben, die Geister, die im Ohr des Hörers aufsteigen, äußerst subjektiv. Das Infoblatt beschreibt die Musik der Weimarer als Folk-Pop, was ebenso richtig wie falsch bzw. beschränkend ist – wie alle anderen Versuche, hier Schubladen zu bemühen. Man kann sich auf folgende Aussage beschränken: Poetischer Pop mit Herz und Hirn, vielleicht das interessanteste Pop-Debut aus deutschen Landen 2012 – so far.